2007
Letter from Zurich: Singapur – ein Rückblick
Sonntag, 2007-12-30 | 20:47:14 CET
Der letzte »Letter from Singapore« ist ein »Letter from Zurich«, bin ich doch schon vor mehr als drei Wochen in meine Zürcher Wohnung zurückgekehrt. Und erstaunlich, wie ansatzlos man sich wieder zuhause fühlt … und einem volle sechs Monate Singapur wie ein ferner Traum vorkommen. Andererseits ist vielleicht aus der Distanz ein anderer Blick auf diesen spannenden Ort möglich. Ein solcher – kritischer – Blick zurück beschliesst die Serie zu meinem Auslandsabenteuer.
Widersprüche und unschöne Seiten. Der Stadtstaat Singapur ist ein in so mancher Hinsicht widersprüchlicher Ort, der sich einer griffigen Charakterisierung in wenigen Sätzen entzieht. Hochmodern auf der einen Seite, scheinen andererseits manche der garstigen Gesetze aus eher vormodernen Zeiten zu stammen, und das weltweit bekannte Kaugummiverbot ist da nur eine harmlose Kuriosität. Architektonisch und stadtplanerisch kühnste Vorhaben (z.B. Marina Bay) hier, Todes- und Prügelstrafe (Rohrstock) dort – kein Widerspruch in Singapur. Bei der letzten Strafrechtsrevision wurden auf breiter Front die Strafmasse erhöht und Paragraphen weiter verschärft, während auf der anderen Seite die Abschaffung eines Paragraphen (Section 377A), der Geschlechtsverkehr von Homosexuellen zum strafbaren Verbrechen macht, klar durchfiel. Apropos: Nur zwei Jahre ist es her, dass ein Auftritt zweier schwuler Popsänger durch die Media Development Authority (MDA) verboten wurde – Begründung damals: »alternative lifestyles are against the public interest«. Immerhin dürfen die zwei heute auftreten, aber: mit einem R18-Rating (also nur vor volljährigem Publikum) und bei einer Anti-AIDS-Veranstaltung, die sich an Hochrisikogruppen wendet. Und man soll nicht denken, diese offizielle Linie der Politik würde von der Bevölkerung nicht mitgetragen, das Gegenteil ist der Fall. Ähnlich beim allgemeinen Demonstrationsverbot. Jegliche öffentliche Versammlung unter freiem Himmel ab fünf Teilnehmern aufwärts bedarf einer polizeilichen Genehmigung, um die jeder ersuchen kann, die aber in einhundert Prozent der Fälle verweigert wird. Die Begründung: die Insel sei zu klein, Demonstrationen könnten zu leicht ausser Kontrolle geraten. Anlässlich der Myanmar-Krise wurde dieses Demonstrationsverbot zum Diskussionsgegenstand auf den Leserbriefseiten, wo es nicht wenige Befürworter dieser harten Linie gab (z.B. »protests can easily get out of hand, so why allow them?«, Leserbrief in TODAY, 27.09.). Da reibt man sich als Europäer ungläubig die Augen. Kaum erstaunlich, dass Singapur dann auch als grösster Fürsprecher der Todesstrafe auftritt, so etwa vor den UN (»UN resolution calls for capital punishment to be suspended – Singapore leads the charge against non-binding resolution«, Straits Times, 17.11.). In dieser Rolle hätte man eher die USA gesehen. Aber im Verhältnis zur Einwohnerzahl werden in Singapur auch mit Abstand am meisten Todesurteile vollstreckt, insofern passt das zusammen.
Ordnung, Wohlstand. Demokratie? Alles das hat den wirtschaftlichen Erfolg Singapurs nicht bremsen können, ebenso wenig wie die nur entfernt »demokratischen« Verhältnisse in der Politik (seit Jahrzehnten hat genau eine Partei das Land im Griff, und die existierende, aber marginale Opposition wird von der regierenden Partei mit allen Mitteln drangsaliert und vom Grossteil der Bevölkerung als überflüssig empfunden). Freilich ist Singapur im Vergleich mit seinen Nachbarn ein Musterknabe … auch das darf man nicht vergessen. Die jährlich sieben, acht Prozent Wirtschaftswachstum, der angehäufte Wohlstand (der es zum Beispiel möglich gemacht hat, Milliarden in die Subprime-gebeutelten Banken UBS und Merrill Lynch zu stecken, der Staatsfonds GIC bei UBS, Temasek bei Merrill Lynch) – all das kommt nicht von der exzellenten geostrategischen Lage allein. Dann müsste es den Nachbarn Malaysia und Indonesien ähnlich gut gehen. Vielmehr hat man früh verstanden, dass Singapur eine erstklassige Infrastruktur und Bildung (und Englisch als gemeinsame Sprache) braucht und sich Konflikte zwischen den verschiedenen ethnischen Bevölkerungsgruppen nicht leisten kann. In allen Punkten war man erfolgreich: die Effizienz des öffentlichen Nahverkehrs habe ich schon an anderer Stelle gelobt, Strassen, Strom- und Wasserversorgung sind vorbildlich, Bildung und Englischkenntnisse der Bevölkerung hervorragend. Dazu gibt es eine effiziente Verwaltung, eine rekordverdächtig tiefe Verbrechensrate und kaum Korruption. Das zieht Investoren an, und die scheren sich dann in der Regel auch wenig um, etwa, die Rechte von Homosexuellen im Land. Was den Umgang mit den verschiedenen Ethnien und Religionen in Singapur angeht, ist ein Vergleich mit Malaysia aufschlussreich. Dort ist der Islam offizielle Staatsreligion und Religionsfreiheit nur in der Theorie gegeben. Ebenso gibt es eine gesetzlich vorgeschriebene bevorzugte Behandlung von Malaien (gegenüber Chinesen und Indern) im Wirtschaftsleben. Beides sorgt regelmässig für Unmut und Schwierigkeiten aller Art und hat Malaysia hinter Singapur entwicklungsmässig zurückfallen lassen. In Singapur ganz anders, dort werden gegenseitige Toleranz und das friedliche Zusammenleben der Völker und Kulturen gross geschrieben. Man verzichtet dafür auf ein paar Freiheiten (nur nicht zu viel wagen, nur ja niemanden provozieren), dafür kommen die Menschen erstaunlich gut miteinander aus. Eine aktuelle Studie (Ergebnisse nachzulesen in der Straits Times vom 3.11.) hat das einmal mehr bestätigt – zwar bleiben Chinesen, Malaien und Inder in der Hauptsache unter sich (vor allem im Hinblick auf Eheschliessungen, gemischte Partnerschaften sind selten), aber das Verhältnis zwischen den Gruppen ist gut. Praktisch niemand hat etwa weniger Vertrauen in einen Polizisten einer anderen Ethnie, niemand würde einen Arbeitgeber ablehnen, weil er z.B. Chinese ist, oder einen Arzt, weil er indische Vorfahren hat. Singapur einen »melting pot« zu nennen, wäre also vielleicht nicht ganz treffend. Eine funktionierende multikulturelle Gesellschaft ist es durchaus.
Mixed feelings. Alles in allem bleiben also gemischte Eindrücke. Singapur ist ein Ort, an dem sich gut leben lässt, zumindest mit einem gut bezahlten Job. Viele der aufgezeigten problematischen Aspekte bleiben im Alltag weitgehend unbemerkt – wer sich nicht mit Kaugummi erwischen lässt, seinen Abfall brav im Mülleimer entsorgt, sich nicht politisch engagiert und heterosexuell ist, der erlebt ein (scheinbar) tolerantes, »westliches« südostasiatisches Land, in dem man es ohne weiteres länger aushalten kann. Erst wenn man genauer hinsieht, die politische Diskussion verfolgt und Zeitungen liest, bekommt man gelegentlich Bauchweh. Singapur hat erstaunlich viel erreicht, aber auch noch ein Stück Weg vor sich.
Was ich vermisse. Nicht nachdenken zu müssen über die Wahl der geeigneten Kleidung, am Morgen – das Wetter ist sowieso rund um's Jahr gleich. Die Annehmlichkeiten des Expat-Lebens wie zum Beispiel den Pool im Innenhof und die Maid, die täglich die Küche putzt. Die gigantische Auswahl günstiger Speisen in hunderten von Food Courts und Hawker Centres. Die verdammt praktische EZ-Link-Karte als Ersatz für das übliche Ticketgefummel im ÖV. Die grandiose Skyline am Raffles Place. Die unzähligen schönen Frauen im Central Business District. Die diversen Shopping-Paradiese entlang der Orchard Road.
Was ich nicht vermisse. Kondenswasserpfützen auf dem Tisch, die sich dank Luftfeuchtigkeit zuverlässig an Gläsern, Flaschen und Saftkartons bilden. Wein ab S$20 die Flasche, und das noch für keinen sonderlich guten. Das miese Brot. Indonesische und koreanische Küche. Vollkontakt-Bus- und Bahnfahren mit dem gar zu oft überlasteten ÖV. Blind sein mit beschlagener Brille nach dem Aussteigen aus dem tiefgekühlten Bus. Taxifahren mit lachenden Chinesen, die sich nur selten an Fahrspuren halten und auch mal drei nutzlose Runden um das Ziel herum fahren. Coiffeur-Besuche. Japan Hour.
Schluss. Das halbe Jahr in Singapur war eine manchmal aufregende, von Anfang bis Ende höchst interessante Erfahrung – und zu diesem Angebot »ja« gesagt zu haben vermutlich eine der besten Entscheidungen des Jahres. Würde ich noch einmal gehen? Denke schon; für eine begrenzte Zeit – aber diese Gelegenheit wird sich vermutlich nicht bieten. Bleibt mir nur, in den Fotos zu blättern, mich von den als Andenken gekauften »imperial lions« bewachen zu lassen und ein Stückchen Singapur im Herzen mit mir herumzutragen.
Einen guten Rutsch wünsche ich
Mittwoch, 2007-12-26 | 22:50:01 CET
Weihnachten ist überstanden, Silvester nicht mehr fern. Ein bisschen früh vielleicht, aber wieso nicht: Ich wünsche schon jetzt allen Lesern und ganz besonders natürlich denen, die zu meinem Freundeskreis zählen, einen guten Rutsch und ein erfolgreiches 2008.
Zuhause ist es doch am schönsten
Sonntag, 2007-12-16 | 20:15:56 CET
Aus dem stets um dreissig Grad warmen Singapur zurückgekehrt und noch mit der Anpassung an die feuchtkalte Zürcher Vorweihnachtszeit kämpfend, dazu vollends von der Arbeit verschlungen – bin ich trotzdem froh, zum Beispiel über das europäische Essen. Und immerhin bekomme ich hier auch wieder meine geschätzte ZEIT für weniger als S$14. Und manchmal liest man auch etwas über Zürich darin, zum Beispiel einen herrlich giftigen Artikel über den Kampf um die Weihnachtsbeleuchtung der Bahnhofstrasse [1]. Zur Lektüre empfohlen.
[1]
http://www.zeit.de/2007/51/Zuerich
Letters from Singapore (9): Dies und Das
Mittwoch, 2007-12-05 | 14:05:51 CET
Erst einmal: Singapurianer sind freundliche Menschen. So freundlich, dass man mit etwas Glück ohne weiteres »free hugs« haben kann auf der Strasse [1] – und deshalb will ich mich gar nicht lustig machen über dieses kleine Land und seine Einwohner. Aber klein, das ist es. Etwa 6'700 Einwohner pro Quadratkilometer auf einem Inselchen von knapp 700 km2, alleine Mittelfranken ist schon rund zehnmal so gross. Nur wohnen dort 236 Menschen pro Quadratkilometer. Und man hat schon fleissig Land aufgeschüttet, bekommt damit aber zunehmend Probleme: Erstens mag Nachbar Indonesien keinen Sand und keine Steine mehr liefern (u.a. verwendet man das Material jetzt lieber selbst), zweitens stösst Singapur mit seinen Aktivitäten wohl auch bald an die eigene bzw. indonesische Seegrenze [2]. Grenzen des Wachstums, ganz wörtlich. Wo so viele Menschen auf engem Raum leben, da wird dieser teuer: für Immobilien an guter Lage kann man in Singapur auch mal Spitzenpreise deutlich über 4'000 USD/sqf bezahlen, im Durchschnitt liegt man nur knapp hinter Manhattan. – Gewöhnungsbedürftig auch die Tatsache, dass Singapur ein Stadtstaat ist. In der nationalen Fussball-Liga spielen die Vereine der Stadtviertel gegeneinander. Oder der Armee: eine der besten Mannschaften ist Singapore Armed Forces. Die schiessen eben auch gerne mal auf's Tor statt den Feind. »Bahnsteig vier gegen Ortskrankenkasse«, pflegte mein Grossvater über Amateurfussball zu spotten. Er lag nicht gar so falsch.
Die Tatsache, dass ganz Singapur praktisch genau eine Stadt ist, macht dafür Telefonate im Land angenehm einfach: keine Ortsvorwahlen. Nie. Wie auch! Dafür ist Telefonieren in's Ausland um so schwieriger. Der International Access Code von SingTel ist interessanterweise 001 (statt nur 00), aber so teuer, dass praktisch jeder eine andere vier- bis zehnstellige (!) Vorwahl eines alternativen Anbieters vor die eigentliche Nummer packt. Und bei vielen Telefonanlagen in Firmen ist nur ein ganz bestimmter Access Code überhaupt freigegeben. Wenn man den nicht weiss, kann man Brieftauben schicken. Hat man das Wählen aber bewältigt, sei's innerorts oder nicht, darf man sich nicht irritieren lassen: das hektische Doppelpiepsen ist nicht das Belegt-, sondern das Klingelzeichen. Nicht ohne Tücken auch die Bedienung der Voicemail (integrierter Anrufbeantworter der Telefonanlage) in meinem Apartment. Eines Tages blinkt das rote Licht am Apparat, aber kein Knopf verheisst mir die Wiedergabe der Nachricht. An der Rezeption gefragt, erweist sich die Sache als, nun ja, beinahe einfach. Man drücke die unscheinbare und unmarkierte 6, gebe die Apartment-Nr. ein, gefolgt von #, danach das Passwort 123456 (!), gefolgt von #, und schon hört man die Nachricht. Mit 76 (!!) löscht man sie wieder. Das selbstredend alles ohne gesprochene Menüführung und ähnlichen Komfort-Firlefanz, man muss es einfach wissen. Beim Mobiltelefonieren gibt es eine andere interessante Beobachtung zu machen: Sei es aus Diskretionsgründen oder einfach für die bessere Verständlichkeit – die Menschen halten ihre ultramodernen Handies gerne nach Art eines Walkie-Talkies vor den Mund, wenn sie hineinsprechen. Und halten oft noch die Hand oder einen geeigneten Gegenstand davor. Amüsanter Anblick, wenn um einen herum die Leute angestrengt in ihren Geldbeutel, die EZ-Link-Karte oder ein Tempopäckchen sprechen.
Ein so kleiner, dafür lebhafter Markt und eine boomende Wirtschaft … da versuchen sich manche Firmen mit ungewöhnlichen Namen von der Konkurrenz abzuheben. Ideal Plumbing [3], Magnificent Seven [4], Autobahn Motors [5]. Highlight: Bread Pitt, ein Essensstand im Maxwell Food Centre. Die Alternative ist, mit besonderen Produkten zu glänzen. Zum Beispiel mit sinnreichen Plüsch-Hundehaufen, gesehen bei Action City [6] im ersten Tiefgeschoss von Plaza Singapura. Der Laden hat auch sonst extrem nützliche Dinge im Angebot und eine tolle Website. In derselben Mall gibt es eine Ebene tiefer den Bratwurst Shop (u.a. mit Bratwurst-Burgern im Angebot!), aber der verblasst natürlich gegen einen legendären Ort in Chinatown: Erich's Wuerstelstand, der auch schon als Unterrichtsmaterial für Deutschlernende diente, mit einem göttlichen Interview [7], MP3 inklusive. Statt mit Namen, Produkten oder exotischem Flair kann man auch mit Connections glänzen: stolz steht »a member of TÜV Süd« neben dem Eingang zur PSB Academy [8] an der Jalan Bukit Ho Swee. Oder man wirbt aggressiver. Zum Beispiel mit nicht persönlich adressierten Postwurfsendungen, auf deren Kuvert ein »strictly private & confidential« prangt. Am beliebtesten: Handzettel. An zentralen Orten wie etwa dem Raffles Place, in Unterführungen oder bei wichtigen MRT-Aufgängen stehen sich meist dutzende bedauernswerte Schüler und Nebenjobber die Füsse platt und versuchen Handzettel unter's Volk zu bringen. Es ist nicht immer einfach, den mit Papier wedelnden Händen auszuweichen. – Wo Licht ist, ist auch Schatten: Es ist ja schön, wenn man Plüsch-Hundehaufen kaufen kann, aber manchmal will man einfach nur ein Hemd. Was musste ich lernen? Nahezu alle Läden in Singapur verkaufen, auch bei gängigen »westlichen« Marken und identischen Grössenangaben, Herrenhemden mit einem speziellen asiatischen Schnitt, heisst: deutlich zu kurzen Ärmeln. Verflixt.
Abschliessend noch ein, zwei praktische Dinge, die mir aufgefallen sind. Cool finde ich, dass es fast überall bildschöne japanische Urinale (»Pinkelbecken«) und Toiletten der Marke Toto [9] gibt; Zeit, dass deren Hersteller endlich nach Europa expandiert. Allerdings, die Frauen wird's zwar kaum stören, die Becken hängen gerne ziemlich tief. Offenbar sind nicht nur asiatische Arme kürzer. Sehr praktisch hingegen, dass sich für den Zugang zu Büros niemand mehr mit Schlüsseln quält. Beinahe überall habe ich Türen mit einem interessanten Magnetverschluss gesehen. Oben an der Türkante sitzt ein gigantischer Elektromagnet, der nach Eingabe einer PIN oder dem Vorweisen einer Zugangskarte kurzzeitig abgestellt wird, und schwupp, schon kann man die Türe öffnen. Hoffentlich hält da nie jemand seine Kreditkarte mit Magnetstreifen zu hoch, und ein Stromausfall wäre wohl auch so oder so ein Problem. Nicht so praktisch wie die Türen sind, mindestens für Kontinentaleuropäer, die englischen Masse. Meine Sauce zum anrühren mit Wasser wäre eventuell auch flüssig geworden (und nicht eine Art Gummiklotz), wenn mir früher aufgefallen wäre, dass das »1/4« auf dem Messbecher ein viertel Pint meint, nicht einen Viertelliter. Dagegen ist der Linksverkehr ja harmlos!
Aber alles das ist beinahe schon Vergangenheit für mich. Das Kapitel Singapur schliesst sich, in einer Stunde geht's los zum Flughafen.
[1]
http://www.youtube.com/watch?v=Y5EXGPa-Q3I
[2]
http://www.faz.net/s/RubD16E1F55D21144C4AE3F9DDF52B6E1D9/Doc~E86...
[3]
http://www.hotfrog.sg/Companies/Ideal-Plumbing
[4]
http://www.eguide.com.sg/company-72133-magnificentsevencorporati...
[5]
http://www.autobahn.com.sg/
[6]
http://www.actioncity.com.sg/
[7]
http://courseware.nus.edu.sg/e-daf/sbnn/la3202grproj/German%20Pr...
[8]
http://www.psbacademy.edu.sg/
[9]
http://www.toto.co.jp/en/
Montag, 2007-12-03 | 14:46:38 CET
Ist es zu glauben, jetzt hat das Abenteuer Singapur gerade erst begonnen, und schon geht's wieder nachhause. Donnerstagmorgen lande ich in Zürich und »freue« mich auf ein paar stressige Wochen bis zum neuen Jahr. Nicht zu reden vom Temperaturunterschied. Das wird bitter. – Einen letzten Letter from Singapore allerdings, den wird es noch geben vor der Abreise, mit allen kuriosen Kleinigkeiten, die sonst nirgendwo hineingepasst haben. Demnächst auf dieser Seite.
Fast überflüssig zu erwähnen – bitte ab sofort meine bisherige Adresse in Singapur tilgen und vergessen und nichts mehr dorthin senden. Danke.
Weird Snack of the Week (6) – die verpackten Nüsschen
Sonntag, 2007-12-02 | 12:01:55 CET
Kurz vor meiner endgültigen Rückreise noch ein schnelles Review einer weiteren interessanten Knabberei. Die so exotisch allerdings gar nicht ist, in Zeiten, da sich die Discounter in der Schweiz zumindest bei den hochpreisigen Produken zu übertrumpfen versuchen und dabei zunehmend auch an asiatischen Leckereien Interessierte berücksichtigen.

Einmal mehr ein japanisches Erzeugnis, und zwar in einen hauchdünnen, knackigen Teigmantel gepackte Erdnüsschen. Sieht ein bisschen aus wie die hinlänglich bekannten Wasabi-Erbsen (nur eben nicht grün) bzw. Wasabi-Erdnüsse, die m.W. nach COOP verkauft, aber: ohne Wasabi. Leider, muss man fast sagen, denn so nett die Idee mit dem angenehm knusprigen Teigmäntelchen auch ist, so schmeckt das Ganze doch auch ein wenig fade. Mit Salz wurde eher sparsam umgegangen. Da hätte Wasabi oder ein anderes Gewürz nicht geschadet.
Nachtrag: Die Zeit wird knapp, vielleicht war das der letzte Beitrag aus der Serie. Und eigentlich wär's schön, die kleine Reihe von Reviews wäre mit einem richtigen Knalleffekt zuende gegangen. Mit einem japanischen Seetang-Snack, oder noch besser: Roasted Crabs. Aber sorry, ich kann das nicht kaufen. Da graust's mich schon, nur die Tüte in die Hand zu nehmen im Supermarkt. Vom Probieren wollen wir gar nicht erst reden. Dann lieber fade Nüsschen.
Letters from Singapore (8): Wäschewaschen, Einkaufen, Haareschneiden
Freitag, 2007-11-23 | 16:43:59 CET
Mein Singapur-Aufenthalt neigt sich dem Ende zu; Zeit, noch schnell ein paar praktische Alltagsthemen zu behandeln. Man sitzt ja nicht nur in der Arbeit, im Bus (eher: steht) oder wundert sich über das Fernsehprogramm. Nein, es gibt auch jede Menge grösserer und vor allem kleinerer Probleme zu lösen, zum Beispiel will man nicht verhungern, muss ab und an die Haare geschnitten bekommen oder eben auch – Wäsche waschen. Genau das mache ich im übrigen gerade, als ich diesen Text schreibe.
Wäsche. Die eher langweilige Geschichte meiner Business-Hemden ist schnell erzählt, die landen schonmal aus Prinzip in der Wäscherei und werden von Profis gebügelt. Das Ganze ist ein wenig günstiger als in Zürich (aber nicht viel) und funktioniert wie gewohnt. Erwähnenswert höchstens, dass es in meiner jetzigen Wohnanlage einen Laundry Service gibt, d.h. die Putzfrau nimmt früh den Sack mit den Hemden (und ein Formular) mit und am Abend des Tags darauf hängen die Shirts wieder im Schrank. Super Sache, von zwei Einschränkungen abgesehen. Erstens fehlt ein wenig das persönliche Element, die Dame in der Reinigung bei meiner vorherigen Wohnung war sehr, sehr nett und immer für ein amüsantes Schwätzchen zu haben – in den Genuss komme ich jetzt natürlich nicht mehr. Einschränkung zwei: Ich muss wohl einer der ersten Gäste hier sein, die das Angebot auch nutzen. Als ich nach meinem Einzug das Thema an der Rezeption aufbrachte, löste das erst einmal Verwirrung und hektische Betriebsamkeit aus. Die Formulare waren weg, ein Wäschesack nicht da (inzwischen legt man mir immer einen geklauten aus einem Hotel in die Wohnung) und der Zahlungsmodus unbekannt. Das Verfahren funktioniert mittlerweile so, dass man mir zumindest für ein paar Tage traut, mir die Rechnung an die Hemden heftet und ich am jeweils folgenden Samstag an der Rezeption vorbeigehe und zahle.
Spannender ist das Waschen aller anderen Kleidungsstücke, das mache ich natürlich selbst … und ist bei dem Klima nicht gerade selten notwendig. Erfahrung Nummer eins, in der ersten Wohnung (River Valley Rd): Japanische Waschmaschinen (Bild) sind ziemlich lustig. Und ganz schön anders. Temperatur einstellen? Pustekuchen. Ein extra Fach für das Pulver? Sicher nicht! Zumindest aber die Bedienung gibt keine Rätsel auf. Plastikfaltdeckel des Toploaders, ähm, gefaltet, Wäsche + Waschmittel in die Trommel geworfen, Deckel zu, »ON«, Wassermenge gewählt und »START« angetippt, los geht's. Nach einer dreiviertel Stunde piepst das Maschinchen dreimal und stellt sich ab, fertig. Und obwohl nur mit lauwarmem Wasser gewaschen wird, war das Ergebnis immer ansehnlich.

Was man von den Waschmaschinen in der zweiten Wohnung (Bukit Timah Rd) nicht sagen kann. Fast wie in der Schweiz: das ganze Haus teilt sich hier zwei Maschinen. Überhaupt nicht wie in der Schweiz: die Geräte sind primitiv, brauchen Strom und machen Lärm, aber sonst nicht viel. Die Bedienung ist noch einfacher als die jener japanischen Maschine, man wirft Wäsche und Pulver hinein, stellt per Drehschalter ein Programm ein und schiebt einen (sauteuren) Plastikchip in den Einwurf, los geht's. Die Trommel wird mit bestenfalls handwarmem Wasser aufgefüllt und die Wäsche rund 20-30 Minuten sanft hin- und hergeschunkelt. Kein Wunder, dass da kein Fleck freiwillig verschwindet. Dafür ist die nachfolgende Behandlung im Trockner umso rabiater, unter einer Stunde zehn bei ich-weiss-nicht-wieviel Grad geht nichts. Aber gut: schrumpft die Wäsche auf die halbe Grösse, dann mit ihr auch die Flecken.
Lebensmitteleinkauf. Von fliegenden Händlern und bizarren kleinen Läden in Chinatown oder Little India abgesehen kaufen sich Lebensmittel in Singapur nicht viel anders ein als in Europa auch. Es sind in erster Linie zwei Supermarktketten, bei denen sich der moderne Singapurianer (oder Expat) eindeckt: Cold Storage [1] und Fair Price [2] (dort, z.B. in Tiong Bahru, gibt es manchmal auch noch ein Sportwettbüro als integralen Bestandteil des Ladens …), daneben gibt es Spezialfälle wie ein paar wenige Carrefour -Filialen oder den Marketplace im Keller der Paragon-Mall, bei dem ich Stammkunde bin. Ein paar Besonderheiten stechen beim Wochenendeinkauf in's Auge. Es erwartet einen ein buntes Sammelsurium lokaler und importierter Produkte aus aller Herren Länder, allerdings mit einem Schwerpunkt bei Japan und England. Dann gibt es in manchen Produktgruppen eine verwirrend grosse Auswahl (ein halbes Dutzend Fettstufen, ultrahocherhitzt oder nicht, in mindestens vier verschiedenen Packungsgrössen bei der Milch, etwa), dafür wieder in anderen fast schon gähnende Leere. Recht schwer ist es zum Beispiel, ordentlichen mittelscharfen Senf zu bekommen (verkauft wird fast ausschliesslich scharfer Dijon-Senf und noch viel schärferer englischer Mustard), von Brot oder Wurst wollen wir gar nicht reden. Eine Wüste! Furchtbar. Wäre man hingegen Fan japanischer Fischbällchen oder frischer Prawns, empfände man Singapur wohl als Paradies. Ansonsten nur kleine Wehwehchen, keine Beinbrüche. Haribo wenn überhaupt nur in 100g-Tütchen, leider kein Häagen Dasz »Pralines and Cream«, »Macadamia Nut Brittle« ist aber ein guter Ersatz. Und bei der Margarine unbedingt auf den Aufdruck »Salt Reduced« achten, sonst wird der Frühstückstoast mit Marmelade nicht recht schmecken.
Haarschnitt. Die grössten Anflüge von Frustration im fremden Land habe ich wohl jeweils nach den Besuchen diverser Friseure erleben müssen. Erster Versuch, damals noch im River Valley: Fa Salon in der Mini-Mall Valley Point [3]. Der gute Mann, er wollte unbedingt reden, reden und reden, und mir nebenbei noch ein »günstiges« japanisches Haartonikum (S$140 die Flasche) verkaufen. Einziger Genuss: Haarwäsche durch die bildschöne Assistentin, zunächst mit Einmassieren des Schaums aus einer Art Fahrradtrinkflasche, ohne Becken darunter, im sitzen, mit nachfolgender brutalstmöglicher Kopfhautmassage. Super. Resultat der ansonsten ausgesprochen nervigen Sitzung: Schnitt im Design »Wischmopp«, Haare kaum kürzer, rund S$32 ärmer. Einige Wochen später: in der Edel-Mall Paragon [4], Vive Salon [5] (mit Fotos!), dort zunächst die Frage nach dem gewünschten Können des Friseurs (bei den meisten Salons kann man wählen zwischen erfahreneren, aber teureren, oder weniger erfahrenen, billigeren Ausführenden). Ich sag' noch, Senior muss nicht sein (Fehler), lande bei der herzigen Gina. Nett, ein bisschen schüchtern, Ergebnis: Schnitt »wahnsinniger Wissenschaftler«, Haare kaum kürzer, um die 50 Dollar ärmer, für Singapur ein verdammt stolzer Preis Sorte Touristenfalle. Der schnelle Japaner, z.B. beim Raffles Place, schneidet für S$10. Die anschliessende, eigentlich als Trost gedachte Pizza im »Spageddies« (sic!) erwies sich als beinahe ungeniessbar, der Abend: verdorben. Wiederum später, nochmal Paragon, diesmal die Konkurrenz Action Hair Salon direkt neben dem letzten Laden. Einmal mehr die Frage nach dem gewünschten Können des Friseurs. Schon Stufe zwei (von drei) heisst »Artistic Stylist«. Ich sage, ein Kunstwerk muss es nicht sein, ich will's nur kürzen … aber die Kollegen von Stufe eins sind alle schon im Feierabend. Also den Künstler, Vincent, für den Preis von Stufe eins. Netter Kerl, Ergebnis ansehnlich, weil praktisch unverändert. Nachdem er mit der Schere eine halbe Stunde um mich herumgesprungen ist, gesteht er mir, dass er eigentlich gar nicht wisse was schneiden, es sei doch schon so kurz. Preis: S$60. Uff. Gestern abend dann das erste Mal ein halbwegs brauchbares Resultat, diesmal ausgeführt durch einen »Senior Stylist«, eine namenlose, nicht ganz so herzige, aber dafür geübte Friseurin bei kimage [6] in der Funan DigitalLife Mall [7]. Endlich. Und das für S$35. Geht ja!
[1]
http://www.coldstorage.com.sg/
[2]
http://www.fairprice.com.sg/
[3]
http://www.fraserscentrepointmalls.com/malls/vp/index.asp
[4]
http://www.paragonsc.com.sg/
[5]
http://sg.88db.com/sg/views/postDetails.aspx?PostID=116627
[6]
http://www.kimage.com.sg/
[7]
http://www.funan.com.sg/
Freitag, 2007-11-23 | 15:40:48 CET
Anlässlich der derzeitigen Warhol-Ausstellung in Singapur versuchte ich's zum Dinner mit Campbell's Tomatensuppe. Schmackhaft.
Ausnahmsweise mal nah an der Weltpolitik
Montag, 2007-11-19 | 15:01:16 CET
… findet doch diese Woche der ASEAN-Gipfel in Singapur statt, im Shangri-La-Hotel, ein, zwei Kilometer entfernt von meiner Wohnung und vom Schlafzimmerfenster aus gut sichtbar. Fast schon überflüssig zu erwähnen: man muss nicht mit Unruhen rechnen, sind doch nach guter alter Tradition jeglicher Protest (z.B. wegen Myanmar) oder öffentliche Meinungsäusserung strikt untersagt. Ganz allgemein braucht man für jede öffentliche Versammlung von fünf Personen (!) oder mehr eine polizeiliche Erlaubnis. Demonstrations- oder Versammlungsfreiheit? They've heard of it.
Donnerstag, 2007-11-15 | 14:14:05 CET
Interessantes (und wahrscheinlich weltweit bekanntes) Schild, das man in manchen MRT-Bahnhöfen in Singapur sehen kann. Hier ein Exemplar am Raffles Place.

Keine Handgranaten im Zug? Langweilig. Ach nein, das soll wohl eine Frucht [1] sein … und Durians riechen tatsächlich nicht gut. Kein Wunder, dass man sie auch »Stinkfrüchte« nennt.
[1]
http://de.wikipedia.org/wiki/Durian
Donnerstag, 2007-11-08 | 15:52:54 CET
In einem Land, das praktisch keine Jahreszeiten kennt und noch nie eine Schneeflocke gesehen hat, in dem nur eine unbedeutende Minderheit dem christlichen Glauben angehört (aber jeder an die Segnungen von Shopping und Tourismus glaubt), da sieht es in den Shopping-Centern seit ein, zwei Wochen genauso so aus wie in europäischen Kaufhäusern. Das konnte ich jedenfalls heute feststellen. Man kommt aus der Wärme von um die dreissig Grad, schweissdurchnässt, betritt eine Mall, und was sieht man …?

Kitsch-Alarm! Herzinfarkt! Fluchtimpuls! – Aufgenommen im »Paragon«, Orchard Rd., heute morgen. Ein Wahnsinn.
Weird Snack of the Week (5) – die gefüllten Früchtchen
Sonntag, 2007-11-04 | 6:56:58 CET
Die Japaner haben wirklich Talent beim Snack-Design. Das Angebot an ungewöhnlichem japanischen Naschwerk ist unüberschaubar, und das auch schon in Singapur, da muss man gar nicht nach Japan fliegen. Nachdem wir uns das letzte Mal mit getrockneten scharfen Nudeln beschäftigt hatten, kommen wir heute zu gefüllten Gummiblüten.

In dem sehr kleinen, sinnloserweise wiederverschliessbaren Tütchen sind gerade einmal 40g enhalten, schade. Das Bild oben auf der Packung verrät eigentlich schon das Geheimnis; wären die Fruchtgummi-Blüten nicht noch mit einer Art Gelee gefüllt, wäre der Unterschied zu gängigen Haribo- und Katjes-Produkten nicht sehr gross. So aber haben die weichen Gummibonbons eine eigenartige Konsistenz. Wobei die Füllung nicht flüssig genug ist, um die Blüten durch Drücken oder Beissen zum Platzen bringen zu können. Der Geschmack ist übrigens Pflaume, ob es andere Geschmacksrichtungen gibt, ist unbekannt. Leider scheint die Hersteller-Website defekt zu sein, so dass sich das auch nicht ohne weiteres recherchieren lässt. Gewöhnungsbedürftig, aber lecker.
Link zu WSOTW 6:
/cgi-bin/blog.cgi/action=view/id=01c7d7
Letters from Singapore (7): Zeitungen und Fernsehen
Sonntag, 2007-10-28 | 14:53:59 CET
Sprechen wir erst einmal über das Thema Zeitungen. Damit ist man schnell durch, der Markt ist recht übersichtlich. Die drei bedeutsamsten Blätter sind die »The Straits Times« [1] (klarer Marktführer mit 1.3 Mio Lesern), das kostenlose »Today« [2] (vergleichbar zu »20 Minuten« und komplett online lesbar im PDF-Format) und »The New Paper« [3] (geht eher in Richtung »Blick«), wobei alle drei komplett in englischer Sprache erscheinen. Daneben gibt es weitere Zeitungen in anderen Sprachen (v.a. Chinesisch), die z.T. aber weniger gelesen werden, zumindest von mir (mit »Today« mithalten kann von der Leserzahl her »Lianhe Zaobao«). »Today« legt mir die Maid jeden Tag in die Wohnung und gibt eine nette Feierabendlektüre ab, die »Straits Times« gönne ich mir nur am Wochenende. Bei dieser ist vor allem der für den bescheidenen Preis von gerade mal 80 Singapur-Cents (65 Rappen) gebotene Umfang erstaunlich. Am Wochenende ist das eine grosse, dicke, schwere Schwarte, gegen die die auch nicht eben dünne oder kleine »ZEIT« wie ein mickriges Werbeblättchen aussieht. Das wirft gelegentlich Transportprobleme auf, denn falten, das muss man fast nicht versuchen … dafür kann man auch bedeutend grösseres Ungeziefer als nur Fliegen damit erschlagen. Ein gehöriger Teil der Masse geht allerdings auf das Konto eines extrem umfangreichen Klein- und Stellenanzeigenteils, den ich normalerweise flott entsorge. – Was Magazine angeht, gibt es eine breite, internationale Auswahl – geht man zu einem grösseren Kiosk im Geschäftsviertel oder einem grossen Buchladen wie Borders [4], kann man ohne weiteres englische Automagazine, australische Hifi-Zeitschriften oder auch den »SPIEGEL« kaufen, Borders führt ihn. Das alles ist dann mehr eine Frage des Preises. Apropos Preis, die »ZEIT« bei Borders: S$14! Schade, wenn (wie in der vorherigen Wohnung geschehen) die Putzfrau die Zeitung fälschlich für gelesen hält und ohne zu fragen entsorgt.
Beim Fernsehen hängt das Angebot an Kanälen stark davon ab, ob man via Antenne, Kabel oder neuerdings Telefonleitung empfängt. Über die Antenne bekommt man nur eine Handvoll Sender der MediaCorp [5], über den Kabelanbieter StarHub [6] (vgl. Cablecom) oder das neue Angebot der SingTel, »mio TV« [7] (vgl. Bluewin TV) potentiell mehr als hundert Kanäle, darunter die exotischsten, die man sich nur vorstellen kann. Den Luxus eines Kabelanschlusses hatte ich leider nur in der ersten Wohnung, in der jetzigen muss ich mit der Antenne und dem Staatsfernsehen auskommen. Was nicht heisst, dass das Fernsehen in Singapur langweilig sein muss (aber es kann). Zur Verfügung stehen mir lediglich Channel NewsAsia, ein Nachrichtensender, darüber hinaus die Kanäle 5 und 8 (gemischtes Programm, oft zumindest mit englischen Untertiteln), U (rein chinesischer Anteil höher) sowie Vasantham (für den indischen Teil der Bevölkerung, hier wird überwiegend gehüpft, gesungen, getanzt und sich hinter Bäumen versteckt). Filme gibt es nicht so sehr oft, aber dafür gibt es ja DVDs. Ansonsten stellt man erst einmal fest, dass man auch 12'000 km von zuhause gewissen globalen Fernsehphänomenen nicht entkommt: »Star Search« (und mehrere verwandte Talent-Shows), das gibt es alles auch in Singapur, was für eine Plage. Ah, und »Deal Or No Deal« gibt es auch. Und Talkshows. Wobei letztere deutlich poppiger und bunter daherkommen und ziemlich dadurch gewinnen, dass man niemanden der (Chinesisch plappernden) Gäste versteht (und ständig irgendwelche chinesische Zeichen eingeblendet werden, dick und farbig, wie das »Arrgh« und »Oomph« in Marvel-Comics). Mindestens anfänglich kann das sehr spassig sein, aber es verliert dann doch irgendwann seinen Reiz.
The Best. Sehr lustig sind diverse Spass- und Spielshows, deren Sinn sich zwar nicht immer erschliesst, aber das stört nicht. Da konnte ich schon Dinge bestaunen wie einen Chinesen, der Bowling-Kugeln (!) aufeinanderstapelte (und erst bei acht war Schluss), oder einen anderen, der es schaffte, mit einem gut 1.80m hohen Kühlschrank auf dem Kopf Fahrrad zu fahren. Mein Favorit unter den Spielshows war immer »Code Red« bzw. »爱上小红点« [8] auf Channel 8, am Dienstagabend (leider gibt es seit einiger Zeit keine neuen Folgen mehr). Eine Art Schnitzeljagd quer über die Insel, mit Teams aus Freiwilligen in roten Shirts. Man kann das nicht beschreiben, einfach zum schieflachen. Super ist auch der »Jingle« der Show, verfügbar als MP3, man klicke auf Link [9]. – Mit den meisten Soaps und Comedies kann man als Europäer wenig anfangen, zumal nur bei einer Minderheit englische Untertitel oder Sprache geboten werden. Halbwegs amüsant ist die Sitcom »My Sassy Neighbour« [10], die zwar ansonsten nicht eben ein Meisterwerk ist, aber viel Singapurianisches Lokalkolorit und authentisches »Singlish« (die lokale Variante von Englisch) bietet. – Beim ernsteren Programm habe ich vor allem »Prime Time Morning« am Morgen auf Channel NewsAsia schätzen gelernt, das aber leider kein echter Ersatz ist für das Morgenfernsehen von ARD und ZDF. Faszinierend finde ich dabei die Moderatorin Suzanne Jung [11], die mit ihrer makellosen Schönheit aus einem Manga-Comic entschlüpft zu sein scheint. – Ein (letzter) Favorit von mir ist darüber hinaus »The Rise Of The Great Nations« bzw. »大国崛起«, eine interessante Sendereihe über europäische Geschichte auf Channel U, aus chinesischer Perspektive und zum Glück mit englischen Untertiteln.
The Worst. Wer auf richtig ätzende Historienschinken steht, dem sei »The Qing Dynasty« empfohlen. Nicht enden wollende Intrigen, strategische Vermählungen, Meuchelmorde, kriegerische Listen; jede Menge ernste Gesichter, bedeutungsschwangere Reden, komische Frisuren und historische Kostüme, meistens in anonymen Palasträumen, und ganz selten reitet mal jemand durch einen Wald. Jede Episode dieser Serie läuft über zwei Stunden, aber die 267-jährige Geschichte der Qing-Dynastie [12] ist eben nicht schnell erzählt. – Ein sicherer Garant für extreme Langeweile ist »Japan Hour« auf Channel NewsAsia, mein persönlicher TV-Alptraum (und die Sendung wird über die Woche verteilt mehrfach wiederholt). Hier wird der Zuschauer Zeuge, wie wechselnde japanische ehemalige Halb-Promis in entlegene Gegenden Japans reisen und abwechselnd in Schlamm-, Algen- und Solebädern dortiger Spas sitzen oder begleitet von wohligen »Ahhh«- und »Ohhh«-Rufen ekelhafte Dinge essen. Und das eine ganze Stunde lang! Ein Wahnsinn. Wem aber die japanischen Spezialitäten, die da verzehrt werden, nicht widerlich genug sind, für den gibt es auf demselben Sender noch eine Steigerung, die Sendung »Dynamic Korea«. Wer jemals die Idee hatte, selbst nach Korea zu reisen, dem wird es im Zuge dieser Sendung schnell wieder vergehen. Das Prinzip der Show ist nicht unähnlich dem von »Japan Hour« (nur ohne die Bäder), in diesem Fall bereist ein Moderator diverse Gegenden Koreas und zeigt zum Beispiel, wie koreanische Bauern nach einem grossen Regen zuckende, glibberige Kreaturen (Fische? Schlangen?) aus schlammigen Pfützen und Rinnsalen ihrer Felder puhlen und noch direkt auf dem Acker in einen brodelnden Topf werfen. »Ahhh« und »Ohhh« beim Verschlingen der Speise, vor Genuss verdrehte Augen und so weiter. Schlimm!
Und jetzt: die Werbung. Immer wieder spannend, kommt sie doch ein gutes Stück witziger daher, als man das vielleicht gewöhnt ist. Und nein, ich rede nicht von den albernen singenden Bonbon-Packungen der chinesischen Ricola-Spots. Einige Favoriten von mir kann man auf YouTube bestaunen, siehe Links [13] bis [16]. Viel Spass!
Update, 2007-11-07: Heute gelesen in »Today« – mein persönlicher TV-Horror »Japan Hour« läuft bereits seit 15 Jahren (oh nein!!) und zählt noch immer zu den Top 10 der meistgesehenen Serien auf Channel NewsAsia. Und ist damit so erfolgreich, dass man jetzt auch die internationale Ausstrahlung angeht. Bald gibt es kein Erbarmen mehr, vielleicht sogar in Europa!
[1]
http://www.straitstimes.com/
[2]
http://www.todayonline.com/
[3]
http://tnp.sg/
[4]
http://www.borders.com.sg/
[5]
http://www.mediacorp.sg/
[6]
http://www.starhub.com/
[7]
http://mio.singtel.com/miotv/
[8]
http://ch8.mediacorptv.com/around8/announcements/view/894/1/.htm...
[9]
http://www.mediacorptv.com/videos/codered/10.mp3
[10]
http://ch5.mediacorptv.com/shows/sitcom/view/1545/1/.html
[11]
http://www.channelnewsasia.com/ptm/presenters.htm
[12]
http://en.wikipedia.org/wiki/Qing_Dynasty
[13]
http://www.youtube.com/watch?v=T-meQvDKCzo
[14]
http://www.youtube.com/watch?v=N5V_Yn-yFA8
[15]
http://www.youtube.com/watch?v=L8-Wc2uptig
[16]
http://www.youtube.com/watch?v=6k0hjt6vlJc
Donnerstag, 2007-10-25 | 15:41:33 CET
Singapur, Little India, Serangoon Road – kleiner Umweg auf dem Nachhauseweg nach der Arbeit. Zur Zeit ist Deepavali [1], das Lichterfest, das normalerweise zwischen einem und fünf Tagen dauert.

Typisch Singapur, irgendwie: hier geht das gleich einen ganzen Monat. Mit Beleuchtung, Musik und fremden Düften, es ist was los. Nett.
Update, 2007-11-04: Gestern habe ich mir dann abends auch noch den grossen Deepavali-Festumzug in der Race Course Rd. (parallel zur Serangoon Rd) angesehen. Tolle Sache, auch wenn die zehnte Gruppe, die traditionelle Tänze zeigt, nicht mehr so spannend ist wie die erste. Aber viel bunter hätte es nicht sein können.
[1]
http://de.wikipedia.org/wiki/Diwali
Dienstag, 2007-10-23 | 15:30:45 CET
Was sehe ich da heute auf einer Wiese am Raffles Place? Einen ovalen Container mit Fensterscheiben, eingerichtet wie ein sehr, sehr kleines Apartement. Und wer wohnt darin, Schneewittchen und die sieben Zwerge? Beinahe. Nein, die aktuelle Miss Singapur ist es, als Werbeaktion für einen Radiosender. Und ich habe mir versichern lassen, sie wohne wirklich im Container, rund um die Uhr, eine ganze Woche lang. Meine Güte, wie konnte sie sich nur darauf einlassen! Oder wird sie etwa gegen ihren Willen festgehalten? – Was für ein Job. Die Arme. Schön ist sie, das muss man sagen, aber wenn es ihr solche Engagements einbringt …
Donnerstag, 2007-10-18 | 14:48:05 CET
Die vergangenen Tage in Europa, davon ein paar in Zürich, ein paar in Nürnberg, haben mich wieder einmal daran erinnert, wie klein die Welt geworden ist. Am Montag bis abends um sieben am Schreibtisch sitzen in Singapur und schon am Dienstagabend beim Italiener in Zürich tafeln, das ist im Zeitalter der direkten Flugverbindungen nicht mehr unmöglich, und dank Auto ist dann auch ein schneller Abstecher von Zürich nach Nürnberg kein Problem, Bahnstreik und Stau hin oder her.
Und auch sonst wächst der Globus zusammen und tickt mehr und mehr im selben Takt. Mails abrufen gleich wo auf der Welt, eine deutsche Wochenzeitung kaufen in Singapur, mit der Maestro-Karte Geld vom Schweizer Konto abheben in Deutschland, alles längst vertrauter Alltag. Und ein Oktoberfest, das findet man dann auch fast überall, sei es in Singapur (siehe unten), München, San Diego [1] oder eben auch Zürich (dort z.B. in der Halle des Hauptbahnhofs und auf dem Bauschänzli). Oder der weltweite Gleichtakt der Kinos: Die Filme, die gerade in Singapur gestartet sind oder demnächst anlaufen, sieht man genauso in der Zürcher Tageszeitung und dem Nürnberger Kinojournal beworben.
Man könnte fast meinen, der physische Aufenthaltsort spiele keine Rolle mehr. Das ist natürlich Unsinn. Alleine schon das Klima, die Sprache, die Zeitumstellung nach der Landung in Singapur werden mir ganz schnell den Kopf geraderücken. Morgen mittag geht es wieder nach Asien.
Update, 2007-10-22: Zurück in Singapur, mitten im Kampf mit der Zeitumstellung – und dem Wetter. Bei der Ankunft um etwa 7 Uhr morgens, am Samstag, waren es schon 26 Grad Celsius, dazu heftiger Regen. Welcome back.
[1]
http://blog.raner.ws/wordpress/?p=51
Dienstag, 2007-10-09 | 16:46:40 CET
Der gefährlichste Teil einer Reise von meinem Apartment in Singapur nach Zürich, das sind nicht die 12'000 km im Flugzeug, nein, das sind die paar lausigen Kilometer mit dem Taxi bis zum Flughafen in Singapur. So freundlich der plappernde Chinese auch war, der mich chauffierte, war er doch ungefähr ein so mittelschlechter Autofahrer wie ein grosser Teil der restlichen Bevölkerung in diesem kleinen Stadtstaat. Am Flughafen dann eine unerfreuliche Nachricht; mein Abflug verschob sich von 1:05 nach 2:30. Die reizende Dame am Check-In brachte mir die Neuigkeit aber mit so viel Charme bei, dass man unmöglich böse sein konnte. Und überhaupt, die Menschen.
So konnte ich der unendlich netten Verkäuferin bei den Souvenirs den Kauf eines Singapur-Teddies nicht abschlagen, die Dame bei »The Coffee Bean« machte mir den Kauf eines Kaffees zum Vergnügen, die Singapore-Stewardess, die im bunten Gewand an mir vorbeimarschierte, warf mir ein Lächeln zu, den zwei Flughafen-Bediensteten, die im Elektromobil an mir vorüberdüsten, war die Freude am Fahren nun wirklich anzusehen, strahlten sie doch über beide Ohren, und die Dame bei der Passkontrolle muss die netteste gewesen sein, der ich je an einer Passkontrolle begegnet bin. Da wunderte mich dann auch nicht mehr, dass mir die Sicherheitsbeamtin bei der letzten Kontrolle nach dem Gate dann sogar noch ein schelmisches »Tschüss« hinterherschickte, nachdem sie meinen deutschen Pass gesehen hatte. Wenn es eines gibt, das man an Singapur lieben muss, ist es die Fröhlichkeit und Freundlichkeit der Menschen dort. Es geht einem das Herz auf.
Donnerstag, 2007-10-04 | 14:26:21 CET
Es ist wieder einmal Saison. Zum Beispiel in diesem englischen (!) Pub. Nur halt ohne Dirndl, bei 33 Grad ist das auch besser so.

Und so sieht die Dame von vorne aus. Danke für's Modellstehen, Shirlyn!

Weird Snack of the Week (4) – die japanischen Trockennudeln
Sonntag, 2007-09-23 | 9:20:39 CET
Heute widmen wir uns einem japanischen Produkt namens »Baby Star Crispy Noodle Snack« (nein, es handelt sich nicht um gegrillte Regenwürmer!) in der Geschmacksrichtung »Spicy«. Die Hersteller-Website [1] ist leider nur für diejenigen brauchbar, die des Japanischen mächtig sind, aber zumindest mal schön bunt. Zum Glück ist die Packung auf der Rückseite auf Englisch bedruckt, dort finden sich allerlei interessante Informationen.

Neben aussergewöhnlich ausführlichen »Nutrition Facts« (allzu gesund ist das Zeug nicht) findet sich dort vor allem eine Essanleitung. Way to eat: by hand / by pouring into mouth / most suitable snack with beer or tea. Was bin ich froh, ich wollte mir die Dinger schon in die Nase stecken. Und weiter steht da: Baby Star has been sold in Japan since 1959 and has maintained tremendous sales growth. Now it has become one of the most popular snacks for all generations, the young and old alike. It captures people's hearts with it's (sic!) crispy and mysterious taste.
Knusprig sind diese getrockneten Nudeln (um solche scheint es sich tatsächlich zu handeln) allemal, mysteriös ist der tatsächlich recht würzige Geschmack aber eher nicht – er erinnert stark an Sojasauce, und in der Tat ist das ein entscheidender Bestandteil, wenn man die Zutatenliste studiert. Allerdings stehen auf der auch Dinge wie Knoblauch, Zwiebelöl, chicken extract und pork extract. Wie das hergestellt wird, will ich nicht so genau wissen, aber für strikte Vegetarier ist der Snack sicher nicht geeignet.
Ansonsten wohl die bisher beste Knabberei, die ich im Verlauf der WSOTW-Serie habe testen können. Ein bisschen trocken, sehr dünn, machen ziemlich durstig und die Tüte ist sehr, sehr klein (50g), aber davon abgesehen – empfehlenswert.
[1]
http://www.oyatsu.co.jp/
Link zu WSOTW 5:
/cgi-bin/blog.cgi/action=view/id=01b7d7
Dienstag, 2007-09-18 | 15:48:07 CET
Der Spiegel kümmert sich zur Zeit nicht nur besonders um die Schweiz (siehe Posting unten), sondern berichtet auch schon zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit über Singapur. In diesem Fall über ein spannendes Thema, Bier! [1] – Zur Lektüre empfohlen. Es hängen übrigens ein paar nette Bilder von Singapur am Artikel, auch die sind es wert, betrachtet zu werden. Archipelago hatte ich natürlich auch schonmal, allerdings ist es mir nicht besonders in Erinnerung geblieben. Der Preis war ziemlich hoch, der Geschmack für mich zu süss. Aber wer weiss, vielleicht war es kein normales Weizenbier und versetzt mit Zuckerrohr. Wer Chili-Bier brauen will, bringt auch das fertig.
Update, 2007-09-24: Und der Spiegel hat's schon wieder getan [2], das wäre dann der dritte Artikel. Wenn die mal nicht Geld bekommen dafür.
[1]
http://www.spiegel.de/reise/staedte/0,1518,505306,00.html
[2]
http://www.spiegel.de/reise/staedte/0,1518,507477,00.html
Mittwoch, 2007-09-12 | 16:15:30 CET
Da gibt's mal ein ordentliches Erdbeben, das man bis nach Singapur spürt, und ich bekomm's nicht mal mit. Angeblich hat man's auch downtown besonders deutlich gemerkt, und zu der Zeit war ich dort gerade unterwegs (mit Bus Nr. 700 vom COMIT Office nachhause). Andererseits, so wie hier die Busfahrer auf die Tube drücken, rüttelt's und schüttelt's sowieso immer recht kräftig. Da hat man also ständig Erdbeben. Meine Hütte steht jedenfalls noch.
Quiz: Verstehen Sie die Schweizer?
Dienstag, 2007-09-11 | 13:47:36 CET
Den Spiegel lässt das Thema einfach nicht los. Warum haben die Herren in Hamburg so einen Narren an der Schweiz und dem Verhältnis der Schweizer zu den Deutschen gefressen? – Egal. Auf jeden Fall erwarte ich von jedem meiner deutschen Freunde, dass er/sie den Test [1] locker besteht. Mein Ergebnis (natürlich 13 von 13 Punkten) sollte mir eigentlich eine Gratis-Einbürgerung verschaffen, finde ich. Ah ja, und ein Pauschalabkommen mit den Steuerbehörden.
[1]
http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,504570,00.html
Mittwoch, 2007-09-05 | 16:42:37 CET
Heute noch »schnell« erledigt, vor meiner kleinen OP morgen (siehe unten) – vorbeigeschaut bei einer Uhrenmesse (»Tempus«) im hiesigen Raffles City Convention Centre [1]. Eintritt: frei! Und was man nicht alles geboten bekam, dafür. Dutzende Marken aus dem überwiegend obersten Luxussegment präsentierten sich in gediegenem Rahmen, und immer nur mit ihren besten Uhren. Unvorstellbare materielle Werte waren da versammelt, und ganz besonders habe ich genossen, auch bei »exotischeren« Marken eine breite Auswahl an Modellen begutachten zu können. Omega, Breitling und Co. – geschenkt, die sieht man überall. Mit De Bethune [2], Gerald Genta [3], H. Moser & Cie. [4] und ähnlichen ist das sonst schon wieder schwieriger. Richtig platt war ich dann, drei unabhängige Spitzenuhrmacher, die der breiten Masse sicher eher nicht bekannt sind, persönlich ihre Uhren präsentieren zu sehen: Philippe Dufour, Volker Vyskocil [5], Kari Voutilainen [6]. Fantastisch. Wer wissen will, warum ich Dufour für den grössten Uhrmacher halte, kann sich eine seiner Uhren und die enorme Qualität seiner Handarbeit hier ansehen [7]. Ansonsten war es auch interessant zu sehen, wie unterschiedlich man bei den verschiedenen Marken mit den (potentiellen?) Kunden umgeht. Die freundlichsten Gespräche hatte ich bei De Bethune, Jaquet Droz [8] und Maurice Lacroix [9]. Schade, dass die schönste Jaquet Droz ungefähr soviel kostet wie mein Auto. Sie wird ein Traum bleiben.
Nachtrag, 2007-09-10: Inzwischen habe ich gelesen, dass der Gesamtwert der zu besichtigenden Uhren insgesamt S$ 150 Mio. (!) betragen hat. Ist es zu fassen.
[1]
http://www.thehourglass.com/tempus/index.asp
[2]
http://www.debethune.ch/
[3]
http://www.geraldgenta.com/
[4]
http://www.h-moser.com/
[5]
http://www.vyskocil.de/
[6]
http://www.voutilainen.ch/
[7]
http://www.ninanet.net/watches/others08/Mediums/mdufour.html
[8]
http://www.jaquet-droz.com/
[9]
http://www.mauricelacroix.com/
Letters from Singapore (6): Ärztliche Versorgung
Dienstag, 2007-09-04 | 16:43:14 CET
Dieses Thema kommt ein wenig ungeplant. Eigentlich hatte ich nicht vor, die Qualität der hiesigen ärtlichen Versorgung persönlich unter die Lupe zu nehmen, aber die Unfähigkeit bzw. der Unwille meines Allgemeinarzts in Zürich (den ich künftig ganz sicher nicht mehr aufsuchen werde), meiner seltamen Schmerzen im rechten Bein Herr zu werden, hat mich jetzt eben doch dazu gezwungen.
Die Arztsuche. – Die erste Hürde, die überwunden werden wollte, das war das Suchen und Finden eines Allgemeinarzts. Dazu muss man als erstes wissen, dass das »general practitioner« oder einfach »GP« heisst. Aber wenn man da in der Schule nicht aufgepasst (oder es nie beigebracht bekommen) hat, reicht ja ein Blick in's Wörterbuch. Im der Arbeitsstätte gegenüber gelegenen OUB Centre im obersten Stockwerk entdeckte ich etwas, das einer Arztpraxis ähnlich sah, wobei, eigentlich auch wieder nicht. Seltsam war's, sah eher wie ein Friseurgeschäft oder ein Schönheitssalon aus, und auf der Glaswand neben dem Eingang waren alle möglichen Dinge aufgelistet, die man dort auch haben kann (von A wie Aknebehandlung über S wie Schwangerschaftsberatung bis Z wie Zehnägelschleifen). Der Gemischtwarenladen war mir nicht geheuer. Eine Kollegin hatte zum Glück eine grosse GP-Liste von ihrer Versicherung, auf der ich mir eine andere, günstig gelegene Praxis mit einer sympathischen Website [1] aussuchte.
Der Arztbesuch. – Den ersten Besuch dort machte ich auf dem Nachhauseweg von der Arbeit. Die Idee: statt telefonisch blind einen Termin zu vereinbaren die Praxis besser persönlich zu begutachten. Unweit der MRT-Station »Orchard« findet sich der Liat Tower. Dort sollte die Praxis sein, im 18. Stock. Das Gebäude ist nicht das allerneueste, innen ist alles ein bisschen eng und stickig, der Lift in den 18. schien ewig lange zu brauchen. Durch eine Glastür, und dann geht es rechts (ich wäre fast daran vorbeimarschiert) in die »Newcastle Clinic«. Klinik ist gut. Die Arztpraxis hat insgesamt etwa die Grösse meines Wohnzimmers; vom Vorraum, in dem gerade genug Platz ist für die integrierte Apotheke (!), d.h. ein mit Medikamentenschachteln vollgestopftes Regal hinter der Empfangstheke, die Theke selbst, sowie ein paar Sitze an der Wand, gehen genau zwei Türen ab. Eine führt zu Dr. Koo Seng Long, eine war angeschrieben mit »Treatment Room«, führt aber, wie sich später zeigte, zu einem Kämmerchen, das als Lagerraum für diverse grosse Kartons dient. Alles ein bisschen düster und ranzig, aber bei allem Chaos auch sympathisch. Und auch hier wird für eine lange Liste von Dienstleistungen geworben, das muss wohl einfach so sein. – Noch ehe ich den diskreten Rückzug antreten konnte, hatte mich eine der beiden Helferinnen entdeckt, und so machte ich eben meinen Termin. Mit meinem für Asiaten schwierigen Namen gab's die übliche Verwirrung, meine Daten wurden säuberlich handschriftlich auf ein Karteiblatt übertragen, und das war's. Der Besuch am nächsten Tag, ich hatte vorher noch schnell diverse Vokabeln gelernt, damit ich meine Beschwerden ordentlich beschreiben kann, verlief dann aber sehr positiv. Nach einer kurzen Wartezeit neben zum Teil etwas, äh, seltsamen anderen Patienten hatte ich ein gutes Gespräch mit dem sympathischen Doktor, der ausgesprochen kompetent wirkte und sich mein Bein sehr genau ansah, dann aber zur endgültigen Diagnose einen MRI-Scan [2] empfahl. Als Überweisung schrieb er mir ein kleines Briefchen, buchte sofort einen Termin für mich (noch am selben Tag) in einer auf solche Dinge spezialisierten Praxis unweit der seinen, und schliesslich durfte ich auch gleich noch bezahlen – für seine Beratung und den MRI-Scan, letzteren im voraus. Insgesamt lumpige S$850, seufz.
Eine Magnetresonanztomographie in einer Shopping-Mall? Aber sicher. Der Scan sollte stattfinden im Imaging Centre bei »Asia HealthPartners« [3]. Nur – diese (wie sich zeigte) sehr grosse, topmoderne, hochprofessionell organisierte Praxis findet sich da, wo man sie wirklich eher nicht vermutet – in der recht alten, schmuddeligen Mall »Lucky Plaza« an der Orchard Road, im fünften Stock. Auf allen Etagen darunter: billige Schuhe, Andenken, Geldwechselstuben, Imbisse … ich konnte es kaum glauben. Es hatte geheissen, ich solle um sechs Uhr abends kommen, war aber zu früh. Und siehe da, ich hatte eben die Mall betreten, da klingelte mein Handy: ob ich in der Nähe sei, sie wären mit den vorherigen Patienten früher fertig geworden … also ging's schon um halb sechs los. Und es wurde nicht lange gefackelt, eine freundliche junge Dame nahm mich in Empfang, stellte mir noch einige Fragen, legte mir das Karteiblatt mit meinen Daten zur Kontrolle vor und holte sich eine Unterschrift. Dann ruckzuck in den Umkleideraum, alles in's Schliessfach, einen riesigen grünen Anzug angezogen, noch einmal auf die Toilette, und schon wurde ich auf die fahrbahre Liege unter der bekannten »Röhre« geschnallt, das Bein fixiert und ich mit Gehörschutz und einer Klingel für Notfälle versehen. 20 Minuten sollte die Prozedur dauern, und ich war noch gewarnt worden vor dem Lärm. »No worries, I'm used to noise«, sagte ich, und dachte an meine CD-Sammlung. In der Tat war's akustisch hochinteressant, schade, dass ich das nicht aufnehmen konnte. Wieder umgezogen, und um kurz nach sechs war ich wieder draussen. Sehr flott. Und ähnlich flott ging's weiter. Die Bilder wurden am nächsten Morgen dem GP per Kurier zugestellt, gegen die Mittagszeit erreichte mich eine SMS (!) von Dr. Koo: »Hi Jan, MRI confirmed a tear in the medial meniscus. Please see me and discuss further management.« – Zum guten Glück, nichts Ernstes.
Der Rest der Geschichte. Beim nächsten Termin mit Dr. Koo holte ich vor allem die Bilder und eine Überweisung zum Spezialisten (Dr. Ngian Kite Seng von »Island Orthopaedic Consultants«) ab. Dr. Koo erklärte mir auch noch kurz, dass sonst mit meinem Knie alles in Ordnung sei, man Meniskusrisse aber in der Regel mit einem Eingriff behandeln müsse, und organisierte gleich den Termin mit Dr. Ngian. Dieses kurze Gespräch kostete mich noch einmal S$30. – Einige Tage darauf trat ich dann bei Dr. Ngian an, der sich ebenfalls mein Bein noch einmal besah, mir sehr detailliert die MRI-Bilder erklärte und die betroffene Stelle an einem Kniemodell zeigte (S$107). Rätselhaft blieb die Ursache der Verletzung, gemäss seiner Aussage sahen die Bilder nach einem Unfall aus, der aber eventuell schon eine Weile zurückliegt. Schlussendlich war der Fall aber klar, Arthroskopie mit je nach Sachlage Zusammennähen des Meniskus oder Entfernung eines Teils davon. Am kommenden Donnerstag, 6. September, liege ich im Gleneagles-Hospital [4], einer der besseren Adressen hier, unter dem Messer, sollte dann aber hoffentlich schon am Abend wieder nachhause können. Auf die Kosten bin ich gespannt. Updates folgen.
Ein vorläufiges Fazit. Die durchschnittliche Praxis mag etwas weniger hochglanzpoliert aussehen als die in Zürich (wobei man auch in Singapur Hochglanzpoliertes bekommen kann, für einen höheren Preis), aber medizinisch ist man hier auf dem neuesten Stand, gut ausgestattet und ausgezeichnet, sprich: sehr effizient organisiert. Vom ersten Arztgespräch bis zum MRI-Scan mit Diagnose per SMS weniger als 24 Stunden – toll. Es hätte mich schlechter erwischen können.
Update, 2007-09-07: Die zweistündige Operation gestern ist gut verlaufen. Für Heiterkeit im OP-Saal sorgte die Tatsache, dass ich mit meinen 1.89 beinahe zu lang war für den OP-Tisch. Im Verlauf des späteren Abend konnte ich dann das Krankenhaus verlassen, der Heimweg war aber mehr als abenteuerlich. Im Moment kann ich mein Knie überhaupt nicht beugen, was gehen und so ziemlich jede andere praktische Verrichtung sehr schwierig macht. Hoffentlich wird das bald besser … ah ja, und die Kosten: über S$10'000. Wahnsinn. Das macht ein Telefonat mit meiner Krankenversicherung notwendig.
Update, 2007-09-21: Ein eingerissener Meniskus ist ja nichts Gefährliches, aber Himmel, kann das lästig und langwierig sein. Es geht jetzt ohne Krücken, aber von normalem Laufen ist noch keine Rede, und das Knie braucht noch immer Schonung, dankt mir diese aber damit, dass ich jetzt Wasser im Bein und Knöchel habe. In der »24h Walk-In Clinic« des Gleneagles, die ich letzte Woche angesichts der Schwellungen beunruhigt aufgesucht habe, war ein Dr. Wong der Meinung, das sei schon nicht gefährlich und würde sich wieder zurückbilden. Wenn er da mal recht behält (S$145). Ausser der Leichenhalle habe ich jetzt wirklich alles gesehen. – Ah, und nach einigem Hickhack (acht Telefonate, fünf Faxe) hat sich meine Krankenversicherung doch noch dazu durchringen können, die rund 8'000 Franken (!) für die OP direkt zu begleichen. Uff. Ansonsten soll das vorerst das letzte Update dieses Artikels zum unschönen Thema sein. Sollte es doch noch News geben vom Knie, gibt's einen neuen.
[1]
http://www.newcastleclinic.com.sg/
[2]
http://de.wikipedia.org/wiki/Magnetresonanztomographie
[3]
http://www.asiahealthpartners.com/
[4]
http://www.gleneagles.com.sg/
Dienstag, 2007-08-28 | 15:07:41 CET
Auch, wenn heute in Singapur soviel Regen heruntergekommen ist wie sonst in einem ganzen Monat, was zu diversen Überflutungen geführt hat [1] – keine Sorge. Bei mir ist alles in Ordnung, und ich bin auch nicht allzu nass geworden. Und frieren tut man hier sowieso nie. Und das Haus steht auch noch.
[1]
http://www.channelnewsasia.com/stories/singaporelocalnews/view/2...
Weird Snack of the Week (3) – die orangenen, äh, Würstchen
Sonntag, 2007-08-26 | 9:53:13 CET
Nach einer längeren Pause kommen wir heute zum dritten Beitrag in der Serie »Weird Snack of the Week«. Nach sehr exotischen grünen Würfeln und roten Bällchen, die schwer einzuordnen und zu identifizieren waren, gibt es heute eine etwas gewöhnlichere Knabberei.

In leicht veränderter Verpackung kann man diesen Snack offenbar auch in Amerika kaufen. Die chinesischen u./o. japanischen Zeichen auf der Packung habe ich diesmal tapfer ignoriert, der offizielle englische Name des Produkts ist »Cheese Bacon Flavoured Grill-A-Corn« (ich empfehle den Besuch der sehr amüsanten Website des Herstellers [1]). Die in Singapur erhältliche Variante wird in Hong Kong produziert, der eigentliche Sitz der Firma scheint aber in Japan zu sein.
Die Packung sollte jedem Schweizer Freudentränen in die Augen treiben – ist doch ein prima Käse-Fondue (!) abgebildet. Das war für mich auch der ausschlaggebende Grund, den Snack zu kaufen. Der Inhalt der Tüte, das sind giftig-orangene, ungleichmässige Würstchen (erinnern ein wenig an, ähm, Hundehäufchen), deren Geruch undefinierbar ist. Der Geschmack ist pappeartig, nur mit einer sehr entfernt an Käse erinnernden Note. Schinken habe ich beim besten Willen nicht herausschmecken können. Nicht sehr aufregend.
[1]
http://www.calbee.com.hk/
Link zu WSOTW 4:
/cgi-bin/blog.cgi/action=view/id=0697d7
Letters from Singapore (5): Unterkunft, die zweite
Sonntag, 2007-08-19 | 13:50:21 CET
Die neue Wohnung. – Gleich nach meiner Rückkehr nach Singapur bin ich bei »Alocassia Apartments« eingezogen [1], dort war zum Glück eine Wohnung für einen vergleichbaren Preis wie den der Wohnung im »Valley Park« (siehe dazu LfS Nummer 1, Link: [2]) frei, mit anderen Worten: auch die neue Wohnung ist extrem überteuert und nur knapp bezahlbar. In der Stadt eine Bleibe zu finden, ist ein mittleres Kunststück, und bekanntlich habe ich die letzten zwei Wochen vor dem Flug in die Schweiz im Gästezimmer eines Kollegen verbracht. Die neue Unterkunft unterscheidet sich genügend von der ersten, um einen weiteren »Letter from Singapore« wert zu sein.
Die Räubergeschichte. – Nachzutragen bleibt die Erklärung, warum ich damals eigentlich so plötzlich aus dem Apartment in der River Valley Road ausziehen musste. Einigen habe ich die lange und verwickelte Räubergeschichte schon (in Auszügen) erzählt; hier nur die Kurzfassung. Gemietet hatten wir die Wohnung (in der Annahme, der Vertrag sei problemlos zu verlängern) bis zum 27. Juli von einem gewissen M.; bezahlt hatten wir ihm m.W. die Miete im voraus und eine saftige Kaution. Der erste Akt des Dramas: Wir erfuhren, eine Verlängerung sei nicht möglich, also: Auszug am 27.7., Mist. – Später gab es wieder Neuigkeiten von M., es sei ihm »ein Fehler unterlaufen«, wir müssten bereits zum 14. Juli ausziehen … schlimm genug. Das liess die Zeit zum Packen sowie Informieren von Freunden und Verwandten (und das so kurz vor meinem Geburtstag) schon äusserst knapp werden. Aber es sollte noch besser kommen: Am 11. Juli rief mich eine Mrs. T., die Eigentümerin, an. Ihr Vertrag mit M. sei nur bis zum 10. Juli gelaufen, die nächsten Mieter, mit denen sie einen Vertrag gemacht habe, kämen bereits am 13., und bis dahin sei noch zu renovieren. Mit anderen Worten, ich müsste bereits seit einem Tag aus der Wohnung sein. Ob ich es möglich machen könne, »bis morgen« auszuziehen und das Wohnzimmer so zu räumen, dass dort bereits am nächsten Tag mit Malerarbeiten begonnen werden kann … interessanterweise stellte sich heraus, dass M. sie für den Zeitraum bis zum 10. Juli mit platzenden Schecks, also nicht bezahlt hatte. Sauberes Geschäftsmodell, die Wohnung bis zum 10.7. mieten, nicht bezahlen, uns bis zum 27.7. untervermieten und unser Geld kassieren … alles klar! Für mich bedeutete das zunächst einmal enormen Stress: Ich musste also am nächsten Tag um fünf Uhr aufstehen, packte meine Sachen, räumte das Wohnzimmer und ging dann zur Arbeit. Der krönende Höhepunkt unseres Vertragsverhältnisses mit M. folgte aber noch: Da der Fehler bezüglich des Termins auf seiner Seite gelegen hatte, bot er uns eine temporäre Wohnung bis zum 27.7. an. Die Besichtigung derselben (nach langer Taxifahrt quer durch die Stadt), zusammen mit zwei Kollegen, verlief dann wiederum nicht ganz wie geplant. M. selbst war, anders als von uns gefordert, nicht anwesend, und von dem uns noch zustehenden Geld wusste der Helfershelfer, der uns bei der temporären Wohnung erwartete, nichts. Er führte uns dann aber in den zwölften Stock, öffnete die Wohnungstür – und dort standen einige Paar Schuhe. Da wohnte noch jemand! (Der Helfer: »Nur noch zwei Tage!«) Offenbar wieder eine »versehentliche« Terminüberschneidung … damit war das Fass übergelaufen, wir rückten ab, ich zog zum Kollegen in's Gästezimmer und der Entschluss, eine Anzeige bei der Polizei zu machen, stand fest. Und so kam's dann auch. Sagen sollte man noch, dass das Geschäftsgebaren von M. nicht üblich ist in Singapur, wir hatten schlicht das Pech, an einen Gauner zu geraten.
Der Vergleich. – Die neue Wohnung ist nun nicht unbedingt besser oder schlechter als die alte, sie ist nur in vielerlei Hinsicht anders. Der wichtigste Unterschied ist, dass diesmal hoffentlich alles in Ordnung ist mit dem Mietvertrag … Dann ist es keine Anlage mit mehreren hohen Wohntürmen mehr, sondern ein einzelner, vergleichsweise flacher Bau. Der Pool reicht nicht mehr bis zum Horizont, sondern ist eine Art grössere Badewanne im Innenhof. Es gibt kein Wachhäuschen bei der Einfahrt mehr, sondern vor der Tür einen freundlichen älteren Herrn an einem Campingtisch. Das Haus ist nicht mehr überwiegend von Japanern, sondern von Arabern bewohnt. Geputzt wird nicht einmal die Woche halbherzig, sondern täglich ziemlich ordentlich. Das tote graue wurde durch ein funktionierendes beiges Telefon ersetzt. Wo man vorher mit seinen Sorgen alleine war, gibt es jetzt eine Rezeption nach Art eines Hotels, wenn auch mit ungünstigen Öffnungszeiten. Zum Einkaufen reichen keine fünfzig Meter Fussweg mehr, jetzt ist es fast ein Kilometer (oder eine Busfahrt). Die Wohnung ist zwar deutlich kleiner und weniger schick eingerichtet, dafür ist alles ein ganzes Stück sauberer und ordentlicher (ich vermisse meine schimmelige Decke im Bad ;-)). Mir fehlt zwar ein Toaster, dafür gibt es eine Kaffeemaschine. Der Lift spricht nicht mehr! Ein Glück. Verschlechtert habe ich mich in erster Linie beim Fernsehen, kein Kabel mehr, ergo nur eine Handvoll Kanäle des singapurianischen Staatsfernsehens. Dafür ist eine Tankstelle in's Haus integriert, und wer sonst hat schon sowas!
Alocassia liegt etwas weiter entfernt vom Arbeitsort, dafür gibt es eine reichhaltige Auswahl an Verbindungen – ich habe meine Karte [3] schön nachgeführt. Fotos werden nachgeliefert, wenn ein bisschen mehr die Sonne scheint; eines kann ich aber schon jetzt sagen – so edel eingerichtet, wie die Bilder auf der Alocassia-Website das nahelegen, ist mein Apartment leider nicht. Ansonsten kann ich mich kaum beschweren.
Update, 2007-08-22: Gestern haben wir vor dem »Small Claims Court« wegen Nichterscheinens des Prozessgegners einen schnellen Erfolg erzielt und Recht bekommen. Es ergeht eine richterliche Anordnung an M., innerhalb von vier Wochen unsere Kaution zurückzuzahlen. Was passiert, wenn er's nicht tut, das weiss keiner so genau.
Update, 2007-08-26: Endlich gibt es auch die versprochenen Fotos, siehe [4]. Und noch ein paar Ergänzungen zur Wohnung: Die Putzfrau kommt auch am Samstag – das bedeutet Aufstehen um 7:30, grrr. Das Telefon kann nur angerufen werden. Die Klimaanlage ist flüsterleise, aber das Haus ist extrem hellhörig. Die Plastikchips für die öffentlichen Waschmaschinen kosten S$ 3 das Stück … insgesamt bin ich aber immer noch zufrieden.
[1]
http://www.alocassia.com.sg/
[2]
/cgi-bin/blog.cgi/action=view/id=0267d7
[3]
http://maps.google.com/maps/ms?ie=UTF8&msa=0&msid=100455...
[4]
http://www.flickr.com/photos/dgbrt/sets/72157601673201371/detail...
Montag, 2007-08-13 | 3:36:04 CET
Mein Glück in Zürich währte nur kurz (1.5kg zugenommen in nur einer Woche), jetzt bin ich schon wieder in Singapur. Aber da ist es ja auch schön. Und ich konnte recht problemlos in eine neue eigene Wohnung einziehen, dazu bei Gelegenheit mehr. Die zwei populären Serien Letters from Singapore und Weird snack of the week finden bald ihre Fortsetzung.
Online-Betrüger immer schlauer!
Dienstag, 2007-08-07 | 12:45:37 CET
Lieber bewerteter Kunde,
Vor kurzem aktualisierten wir unser on-line-Bankverkehr Sicherheitssystem mit einer eben hergestellten Software in, welcher Garantie deine maximale Sicherheit. Wegen der hohen Rate der Kunde Tätigkeit, entschieden wir, unsere Kunden richtig zu haben, die gesichert und während auf ihre Konten online zurückgreifen glücklich. Wir durchführten dieses Update, um sicherzustellen, dass du ununterbrochenen Zugang zu deinem Konto hast, um dich sicherzustellen bist modernisiert du angefordert, um das an zu klicken; Update jetzt Knopf unten
Update jetzt
Für die Eindämmung mit Pfosten-Bank danke.
On-line-Sicherheit Mannschaft
Meine Güte, die Betrüger werden immer besser. Auf die Email wäre ich beinahe hereingefallen.
Freitag, 2007-08-03 | 17:17:31 CET
Mit leichter Verspätung, verglichen mit Kollege Mirko [1], ist es bei mir endlich auch soweit:

Wobei, zugegeben, das Ding ist durchaus einfacher zu bekommen als eine amerikanische Green Card, und ich hätte das »C« auch schlicht schon etwas früher beantragen können. Trotzdem freue ich mich! – Letztlich ist es auch ein Zeichen. Ich gedenke zu bleiben. Champagner! Und sorry, liebe Schweizer, ich finde Euer Land wunderbar, aber auch künftig werde ich mir trotz »C« am 1. August des Jahres nicht die Füsse auf dem Rütli plattstehen oder vor dem Haus die Schweizerfahne hissen.
[1]
http://blog.raner.ws/wordpress/?p=16
Onboard Entertainment [GEEK POST]
Mittwoch, 2007-08-01 | 17:02:10 CET
Heimflug mit Thai Airways und umsteigen in Bangkok. Das Onboard Entertainment bei Thai ist schon prima (wenn sich auch die hübschen Stewardessen nie wirklich so um einen kümmern wie in der Fernsehwerbung, mich hat da noch keine mit der Decke zugedeckt … aber das wäre eine andere Art von Onboard Entertainment). Nur, das System könnte einen Hauch stabiler sein. Ich wählte arglos die Abteilung »TV shows«, »Cartoons« um eine Folge der herrlich schrägen Serie »Cow and Chicken« [1] zu sehen – und das Ding schmierte ab. Schwuppdiwupp landete ich auf einem schwarz-weissen Textbildschirm mit diversen Shutdown-Meldungen, die stark nach UNIX aussahen (» … System shutting down … sending SIGTERM to all user processes …«), die letzte Zeile verkündete dann, man könne jetzt den Strom abstellen oder neustarten. Ooops … zum Glück war nur ich betroffen, nicht der ganze Flieger!
Nur war das mit dem Neustart nicht so einfach. Die Fernbedienung war nämlich tot. Aber für was gibt es ein modernes Application Monitoring; nach einer gewissen Zeit entdeckte die Management-Software den Missstand und startete den automatischen Reboot: »Rebooting Seat« … gute Meldung. Mein Sitz tat zwar keinen Mucks, aber nach einer Minute war das Entertainment-System wieder nutzbar. Interessante Beobachtung: Beim Booten blitzte kurz der Linux-Pinguin auf. Es handelt sich also um eine Linux-basierte Lösung. Meine Güte! Wenn man dem guten Linus das vor zehn Jahren erzählt hätte, dass sein Kernel mal dazu dienen würde, Reisenden zwischen Thailand und der Schweiz Filme zu zeigen … er hätte einen wohl für verrückt erklärt.
Am schönsten ist es doch zuhause. Ich fühlte mich angesichts eines anderen »Onboard Entertainment« im Taxi vom Flughafen zu meiner Wohnung gleich wieder wie daheim. Knapp 50 Franken, was für ein Wahnsinn. Für zehn Minuten Fahrt. Für das Geld kann man in Bangkok dreimal um die ganze Stadt fahren, und die ist gross. Welcome home.
[1]
http://en.wikipedia.org/wiki/Cow_and_Chicken
Sonntag, 2007-07-29 | 14:43:50 CET
Noch kurz eine eher technische Meldung: Ich habe massiv an meiner Blogging-Lösung geschraubt und (endlich) die lange geplante Archiv-Funktion ergänzt. Im Zuge dessen habe ich die Knöpfe zum blättern etwas »sichtbarer« gemacht (siehe ganz unten links auf jeder Seite) und auch sonst diverse Verbesserungen durchgeführt. So etwa ist der JavaScript-Code deutlich smarter, der beim Editieren von Artikeln oder Kommentaren hilft. Wie das so ist, wenn man viel auf einmal verändert und wenig Zeit zum testen hat – böse Überraschungen nicht ausgeschlossen. Wenn jemand einen Fehler bemerken sollte, bitte melden.
Weird Snack of the Week (2) – die roten Bällchen
Sonntag, 2007-07-29 | 8:28:17 CET
Es ist wieder einmal soweit – Zeit, den nächsten interessanten Snack vorzustellen. Nach den grünen Würfeln kommen folgerichtig die roten Bällchen.

Beim Namen fangen allerdings schon die Schwierigkeiten an. Auf der Vorderseite der Packung steht scheinbar kein richtiger Name; »益菓食品« (am linken Rand) sowie die zweite Textzeile unten, von der sich die Identität eines Zeichens trotz grösster Bemühungen nicht aufklären liess, scheinen eher Werbesprüche zu sein (so in der Art »profitiere vom Verzehr gesunder Früchte«) als ein richtiger Produktname. Ein englischsprachiges Etikett auf der Rückseite spricht von »San Char Balls«, wobei als Zutaten angegeben sind »San Char, Sugar, Salt, E102, Permitted Colour«. Aha. San Char, alles klar.
Die graphische Gestaltung der Packung und das Aussehen der Kügelchen (etwa 1cm Durchmesser) legte allerdings nahe, dass es sich um Kirschen handeln könnte. Und so ist es auch! Unter einer zuckrigen, 1mm dicken Kruste beisst man tatsächlich in etwas weiches, dunkelrotes, das eine vergewaltigte Zwergkirsche ohne Kern sein könnte. Der Geschmack der Bällchen ist einmal mehr seltsam, künstlich und erinnert nur entfernt an Kirschen. Geniessbar, aber ich kann's nur bedingt empfehlen. Hergestellt in Malaysia.
Update, 2007-08-14: Inzwischen hat sich herausgestellt, dass »San Char« ein chinesischer Name ist, und dass es sich definitiv nicht um Kirschen handelt! Da war sich die chinesische Kollegin, die ich mittlerweile beigezogen habe, absolut sicher. Wir konnten nur noch nicht den englischen oder deutschen Namen der Frucht eruieren (wenn es einen gibt), und sie war sich auch nicht absolut sicher über die korrekte chinesische Schreibweise. Wir ermitteln weiter.
2. Update, 2007-08-14: Mit viel Mühe und grossartiger Unterstützung durch meine Kollegin Phiak-Lay See ist es gelungen, die Identität der Frucht zu klären. Eigentlich sollte es heissen »shan zha«, oder »山楂«. Und das ist chinesischer Hagedorn oder Weissdorn, siehe auch [1] oder [2]. Ha! Und am Ende ist das Zeug noch gesund.
[1]
http://de.wikipedia.org/wiki/Weißdorne
[2]
http://zh.wikipedia.org/wiki/%E5%B1%B1%E6%A5%82
Link zu WSOTW 3:
/cgi-bin/blog.cgi/action=view/id=0687d7
Mittwoch, 2007-07-18 | 16:55:55 CET
Es hat mich nicht nur in eine temporäre Unterkunft in Singapur verschlagen (die meisten dürften Bescheid wissen), sondern anlässlich meines Geburtstags auch noch nach Bangkok. Ich bin also einfach mal verschwunden. Wer Geburtstagsgrüsse per Postkarte deshalb nicht loswerden konnte, kann sich hier in den Kommentaren verewigen … ich freue mich über jeden, der am 19. Juli an mich denkt. Dumm nur, dass ich dank Zeitverschiebung auch noch sechs Stunden früher älter werde. Skandal! :-)
Update, 2007-07-22: Wohlbehalten »nachhause« zurückgekehrt, ich bin also wieder in Singapur, nach ein paar tollen Tagen in Bangkok. Danke nochmal an alle, die mir per Anruf, SMS, Email, Blog-Kommentar oder Xing gratuliert haben!
Letters from Singapore (4): Essen
Dienstag, 2007-07-17 | 16:57:35 CET
Neben Shopping scheint Essen in allen Formen, zu allen Tageszeiten und in allen Preiskategorien zu den Lieblingsbeschäftigungen der hiesigen Bevölkerung zu gehören. Dieses Eindrucks kann man sich nicht erwehren, wenn man durch die Strassen im Stadtzentrum schlendert oder das lokale Fernsehen geniesst, wo dem Thema »Essen in Singapur« eigene Sendungen gewidmet sind [1][2], und nebenei sehr lustige, selbst wenn man kein Chinesisch versteht. Auch einschlägige Websites gibt es wie Sand am Meer [3][4]. Die Auswahl an Restaurants und Imbissbuden ist schlicht gigantisch. Normale Restaurants gibt es von günstig bis unbezahlbar, eine breite Palette an Landesküchen aus aller Welt. Zum Glück sind es nicht alles nur Fischküchen wie etwa in Hongkong … wer meine Einstellung zu Seafood kennt, weiss, warum ich darüber froh bin! – Noch viel spannender als Restaurants aber sind die für Singapur typischen »Hawker Centres« [5] und »Food Courts« (dasselbe, nur in klimatisierten Innenräumen). Da gibt es auf meist beachtlicher Fläche Tische und Stühle (wobei im mittäglichen Gedränge Tische auch mal mit einem hingeworfenen Tempopäckchen o.ä. reserviert werden, wie ich gelernt habe) und aussen herum eine Reihe von Theken, Schaltern oder kleinen Buden, wo man zu extrem günstigen Preisen alle erdenklichen (asiatischen) Speisen erwerben kann. Man nimmt die Sachen auf ein Tablett, holt sich noch eine Gabel oder vielleicht einen Drink und nimmt Platz, wo eben Platz ist. Eine einfache, zwanglose und effektive Art, die aufregendsten Ess-Erfahrungen zu machen …
Nehmen wir eines der bekanntesten Hawker Centres, das »Lau Pa Sat« [6] – es steht in praktisch jedem Reiseführer und hat sich sogar einen Wikipedia-Eintrag erworben [7]. Und: Es liegt für mich günstig in Gehreichweite, mittags, wenn ich beim Kunden oder in unserem eigenen Büro bin, und so verschlägt es die Kollegen und mich öfter dorthin. Eine herrliche alte, halb offene Halle, Foto siehe unten, wobei das Ding tagsüber natürlich nicht so leer, sondern sehr, sehr voll ist. Man denke sich also Sonnenlicht und eine stickige Hitze dazu, ebenso eine grosse Menschenmenge. Essen gibt es an dutzenden Schaltern in wirklich allen Farben und Formen; chinesisch, malaiisch, indisch, koreanisch, japanisch usw. usf. – … von lecker bis nicht so lecker (Fischkopf-Curry, mit ganzem Fischkopf; gebratene Hühnerbeine …). Gerne werden einem zu den Speisen auch Gratis-Beigaben wie kleine getrocknete Fischchen mitgegeben. Das Personal ist freundlich, auch wenn die gegenseitige Verständigung, nun ja, nicht immer sehr einfach ist. Mein Favorit ist momentan Ross Hailam Nasi Ayam (mit Webseite! [8]), ein freundlicher Malaie. Die Maccaroni mit gehacktem Huhn waren bis auf die Knochensplitter gut, und die »fried dumplings« wurden frisch zubereitet für mich, als ich diese probiert habe. Lecker und halal. (Nachtrag: Inzwischen, im September 2007, wird Lau Pa Sat renoviert und die Standmieten steigen; Ross Hailam Nasi Ayam ist leider umgezogen.)
Nachdem ich immer wieder versuche, etwas anderes bei anderen Schaltern zu probieren, geht's aber eben manchmal auch, nun ja, beinahe schief. In unangenehmer Erinnerung ist mir die scharfe koreanische Suppe geblieben, in der praktisch alles enthalten war, was die Küche hergibt. Riesige Sojasprossen, ein paar Glasnudeln und ungefähr ein dutzend andere Zutaten, darunter auch zwei ziemlich grosse, mit dem Löffel unzerteilbare Brocken Fleisch. Das sind die Momente, in denen man um die Krawatte fürchtet! Oder die chinesischen Nudeln mit aufgeschnittenem Fleisch; in der im Preis enthaltenen Suppe schwamm doch ziemlich seltsames schwarzes (!) Gemüse. Manchmal will man's nicht so genau wissen. Apropos unzerteilbares Fleisch, Messer gibt es selten. Auch die Einheimischen, die nicht mit Stäbchen essen, nehmen höchstens eine Gabel und einen Löffel und zerteilen damit höchst kunstvoll auch zähere Stücke. Ich war in derselben Situation (bei einem Inder) erstmal ziemlich planlos. Wer hätte das gedacht, dass man als Erwachsener nochmal völlig umlernen muss, was den Gebrauch des Bestecks angeht.

Wenn ich gerade mal alleine unterwegs bin, zum Lunch, zieht es mich häufig in andere Gefilde, z.B. in's japanische »Yoshinoya« [9] im ersten Tiefgeschoss des OUB Centre, auch wenn angeblich Yoshinoya in Singapur nicht so viel taugt wie das japanische Original [10]. Leckere Beef-Schüsseln mit Reis und nicht ganz so leckere Miso-Suppe im Set, wobei ich dummerweise immer noch extra eine Gabel zum Beef bestellen muss (das mit den Stäbchen ist noch nicht so weit gediehen, dass ich das in der Öffentlichkeit vorführen kann). Auch lustig: die recht kleinen Stühlchen, auf denen man sich jedenfalls bei meiner Körpergrösse ein wenig albern vorkommt. Ansonsten gehe ich auch gerne mal in's griechisch angehauchte »Mycono« (jawohl, kein »s«), ebenfalls im OUB Centre. Oder, naja, ich geb's zu, in einen Burger King. Zum Ausgleich.
Nach dem Essen darf's dann gerne ein »Kopi-O« sein in einem »Kopi Tiam« [11]. Alles Bahnhof? Also gut. Kaffee schwarz, mit Zucker. Gebrüht mit Hilfe eines meist eher bräunlich-schwarzen Gewebesacks, als Filter, nicht unähnlich einer zu gross geratenen alten Socke. Und auch so ein Singapurianisches Café, vgl. der Link zu Wikipedia, gibt es in einer Passage beim Raffles Place, man muss nur wissen, wo. Wie er schmeckt? Nicht schlecht. Und dafür ist er sehr, sehr billig. »Kopi Peng« hab' ich aber noch nicht probiert, das wäre dann mit Eis …
Fazit: sehr spannend, und verhungert bin ich hier noch nirgendwo, dazu ist das Angebot auch viel zu vielfältig. Und trotzdem wünscht man sich manchmal eine Zürcher Kalbsbratwurst.
Update, 2007-07-18: Und wenn Singapurianer richtig, richtig exotisch essen gehen und dabei eine Menge Spass haben wollen, dann gehen sie zum Beispiel in's »Paulaner« [12] und geniessen die deutsche, bzw. bayerische und fränkische Küche. Und man soll es nicht fassen, die Einrichtung ist ausgesprochen gelungen und sehr authentisch, und das Essen heute abend war sensationell. Nürnberger Bratwürstchen! Sauerkraut! Und richtig gut! Man darf sich nur nicht irritieren lassen vom Schild im Treppenhaus, das zum sonntäglichen »Brünch« einlädt (deutsche Umlaute sind halt schon sehr sexy). Und den neugierigen bis amüsierten Blicken auf das »large beer«, und »large«, das ist hier eine Mass. Meine Güte, ich war lange nicht mehr so glücklich. Tränen in den Augen, erst vor Rührung angesichts des Stückchens Heimat in der Fremde, dann vor Lachen angesichts des »Weissbier Tiramisu« auf der Karte, die stolz vermerkt: »Our own creation of tiramisu with Paulaner wheat beer and pumpernickel bread«. – Und der Preis für das alles? In Ordnung. Bis auf die Mass, für S$28.
[1]
http://ch8.mediacorptv.com/shows/variety/view/876/1/.html
[2]
http://ch8.mediacorptv.com/shows/variety/view/871/1/.html
[3]
http://www.yum.sg/
[4]
http://www.sbestfood.com/
[5]
http://en.wikipedia.org/wiki/Hawker_centre
[6]
http://www.yoursingapore.com/content/traveller/en/browse/see-and...
[7]
http://en.wikipedia.org/wiki/Lau_Pa_Sat
[8] leider tot:
http://www.sbestfood.com/rosshailam
[9]
http://www.yoshinoya.com/en/index.html
[10]
http://eatbma.blogspot.com/2005/05/yoshinoya-singapore.html
[11]
http://en.wikipedia.org/wiki/Kopi_tiam
[12]
http://www.paulaner.com.sg/
Weird Snack of the Week (1) – die grünen Würfel
Samstag, 2007-07-14 | 14:39:22 CET
Endlich komme ich dazu, neben den Letters from Singapore eine zweite Artikelserie in's Leben zu rufen. In loser Folge werde ich einige interessante Knabbereien und Snacks testen, die man hier in den Supermärkten finden kann. So international, wie Singapur ist, so breit ist das Angebot: es finden sich chinesische, japanische, koreanische, thailändische und natürlich singapurianische Leckereien. Und darunter gibt es einige sehr, ähm, fremdartige Angebote. Wie zum Beispiel …

Der Name ist »绿茶八仙果«, die Zeichen stehen für »grün«, »Tee«, »acht«, »Unsterbliche«, »Frucht«. Man könnte also meinen, das wären die »Grüntee-Früchtchen der acht Unsterblichen«, aber ein Kollege hat mich darauf hingewiesen, dass da mehrere Zeichen ein neues, spezifischeres Wort ergeben (wahrscheinlich die letzten drei, der Name einer bestimmten Pflanze). Naja, so genau wollte ich's gar nicht wissen … hergestellt wird das Zeug in Taiwan.
Es handelt sich um grüne Würfelchen eines eher trockenen, tonartigen Materials (Kantenlänge etwa 6mm) aus Grüntee-Extrakt, nicht näher bestimmten Kräutern, Zucker und Stärke. Nicht so schlimm, sollte man meinen …
Aber schon nach dem Aufschrauben des Behälters schlägt einem ein durchdringender Geruch entgegen. Mutprobe! Der Geschmack ist medizinisch, sehr intensiv und nicht eben angenehm, es entfährt einem unwillkürlich ein »uh« oder »wäh«, oder beides. Sehr intensiv, fremdartig, ein bisschen nach Grüntee, ein Hauch Salmiak, aber süss sind die Würfel kaum, eher streng, und sogar ein Hauch Salz ist dabei. Sehr gewöhnungsbedürftig. Das wird dauern, bis die alle gegessen sind … kleiner Trost: Auch die beiden chinesischen Kollegen, mit denen ich momentan zusammenarbeite, finden sie nicht so besonders. Es liegt, scheint's, nicht nur an mir.
Update, 2007-07-17: Heute im Supermarkt gesehen – es gibt sie auch in schwarz, mit rotem Etikett und leicht verändertem Namen. Kein Interesse …
Link zu WSOTW 2:
/cgi-bin/blog.cgi/action=view/id=0677d7
Mittwoch, 2007-07-11 | 5:50:39 CET
Ausnahmsweise keine leichte Unterhaltung, sondern eine wichtige Info – ich werde sehr bald, viel schneller als mir lieb sein kann, umziehen müssen. Bitte deshalb ab sofort nichts mehr an meine Adresse in der River Valley Rd. senden, da es keine Nachsendung gibt und Eure Post sonst recht sicher im Mülleimer landen wird …
Update, 2007-07-13: Es musste sogar noch schneller gehen, und gestern bin ich in einer grossen Hauruck-Aktion ausgezogen. Kein Anlass zur Sorge, ich bin jetzt temporär im Gästezimmer eines Kollegen gut untergebracht, und der Deal für die nächste Wohnung ist schon gemacht. Aber der Hintergrund zu dem plötzlichen Wechsel, das ist wirklich eine höchst unterhaltsame Räuberpistole, die ich bei Gelegenheit noch erzählen werde, geplatzte Schecks inklusive. Und vermutlich werden wir heute sogar noch die Polizei einschalten.
Donnerstag, 2007-07-05 | 15:18:41 CET
So gelacht hab' ich wirklich lange nicht mehr. Geniestreich eines Singapurianischen Unternehmens, das ursprünglich auf »geringfügig andere Dinge« als Getränke spezialisiert war (»The decision to make a switch from a golf media company (!) to a beverage company was a tough decision …«, siehe [3]): Anything, das Gegenstück zum Überraschungsei. Man weiss lediglich, dass es Kohlensäure hat, aber nicht, welcher Geschmack einen erwartet. Verfügbar sind sechs Geschmacksrichtungen – alle in derselben Dose! Analog Whatever, dann nur ohne Kohlensäure.

Das absolut Beste: die Werbespots. Pflichtprogramm! Nur Zuschauer mit Blasenschwäche sind entschuldigt. Links nachfolgend.
[1]
http://www.youtube.com/watch?v=T-meQvDKCzo
[2]
http://www.youtube.com/watch?v=0uUKrVORSLo
[3]
http://www.anything.com.sg/
Letters from Singapore (3): Fortbewegung und öffentliche Verkehrsmittel
Freitag, 2007-06-29 | 17:54:59 CET
Über das Leben als Fussgänger muss ich ja nicht mehr viel erzählen. Das Problem: das Klima, und folglich die Unmöglichkeit, grössere Strecken unverschwitzt und mit heilem Kreislauf zurückzulegen. Die Routenplanung erfolgt am besten so, dass man regelmässig gekühlte Zwischenstops z.B. in Malls einlegen kann. Um mich dem für die stickige Hitze am besten geeigneten Schleichtempo anzugleichen, das hier die meisten Menschen an den Tag legen, dazu bin ich leider zu ungeduldig. – Erwähnenswert vielleicht noch, dass auf Gehsteigen ganz wie auf der Strasse überwiegend Linksverkehr herrscht, und dass konsequenterweise auch auf Rolltreppen links gestanden und rechts gegangen wird.
Wo es zum Laufen zu weit ist und sich die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs aus irgendwelchen Gründen nicht anbietet, da fährt man in Singapur Taxi . Und das tut die Bevölkerung so ziemlich immer und überall, auch die nicht ganz so wohlhabende, da im Gegensatz zu Zürich eine Taxifahrt nicht einen halben Monatslohn verschlingt, sondern je nach Strecke drei bis zehn Singapur-Dollar. Vorteile: die Taxis sind gekühlt, wenn auch zum Teil auf polare Temperaturen. Und: es fahren ca. 20'000 Stück davon herum, wie mir gesagt wurde, wenn auch für 4.5 Mio. Einwohner. Nachteile: nicht immer versteht der Fahrer den Gast, oder der Gast den Fahrer. Ah, und sobald auch nur ein einziger Regentropfen fällt, sind zuverlässig alle 20'000 Taxis besetzt, und das spontane Anhalten eines Fahrzeugs per Wink am Strassenrand (das übliche Verfahren), das kann man dann erfolglos versuchen, bis einem der Arm abfällt. Anrufen kann man aber auch, und die Bedienerführung ist hochmodern, halbautomatisch und (wenn ich mich recht erinnere) zweisprachig (Englisch/Chinesisch). Am Schluss des Gesprächs wird einem dann das Kennzeichen des zugeteilten Taxis durchgegeben, dass man nur ja nicht in's falsche steigt. Es muss ja seine Ordnung haben.
Kommen wir zu den öffentlichen Verkehrsmitteln. Gängig sind in Singapur vor allem Busse (dazu gleich) und der (ja, männlich) sogenannte MRT (Mass Rapid Transit) [1], eine Art S-/U-Bahn, die zwischen den Bahnhöfen in der Innenstadt unterirdisch, sonst oberirdisch fährt. Fantastisch: die Züge fahren zu Spitzenzeiten alle drei Minuten (oder noch öfter?), Warten kommt praktisch nicht vor. Dennoch sind die Züge oft sehr voll, aber auch im grössten Gedränge bleiben die Menschen gelassen und ausgesprochen höflich, es ist eine Freude. Die Orientierung ist recht leicht, die Beschriftung in den Stationen idiotensicher. Es gibt die rote North-South-, die grüne East-West- und die violette North-East-Linie, und in allen werden die Stationen mehr als deutlich durchgesagt. Grossartige Sache. Nur – wie läuft das mit den Tickets? In Singapur gibt es mit der »EZ-Link-Karte« [2] eine enorm praktische Erfindung, die einem alle Sorgen in Sachen Tarifzonen, Kurzstrecken, Zielcodes usw. usf. abnimmt, die man aus anderen Städten kennt. Einmal gekauft, kann die Karte an Automaten immer wieder aufgeladen werden. Auf dem Weg zum Bahnsteig geht man durch automatische Schranken, wo man kurz die Karte gegen eine Sensorfläche hält, und weiter geht es. Verlässt man den Zielbahnhof, geht man erneut duch eine Schranke, und es werden ebenso elegant der Fahrtpreis abgebucht und der neue Saldo der Karte angezeigt. Super. Da kann auch der planloseste Tourist nicht unabsichtlich schwarz fahren.
NEU: … jetzt auch als MP3 (erste Ansage zu »Outram Park« auf der East-West-Linie)
http://blog.dgbrt.ch/snd/mrt.mp3
So einfach die Nutzung des MRT ist, so abschreckend kann zunächst das Busfahren erscheinen. Fangen wir mit den guten Seiten an, bevor wir zu den zahlreichen Schwierigkeiten kommen: auch in Bussen funktioniert die EZ-Link-Karte, und die Fahrten sind sehr günstig. Karte beim Einsteigen an den Sensor halten, ebenso beim Aussteigen – erledigt. Supereinfach. Leider ist alles andere am Busfahren schwierig: An manchen Haltestellen kommen bis zu zehn, zwölf Linien vorbei – von verschiedenen Anbietern. Verkehrsverbund? Pustekuchen. Bestenfalls gibt es einen Aushang mit den nächsten Stationen der Linien, eine Karte? Nö. An vielen Stationen ist der Infokasten aber auch einfach leer. Definierte Abfahrtszeiten? Wozu. Wenn er kommt, kommt er halt. Da kann man Geduld lernen. Und wenn er dann kommt, sollte irgendjemand an der Haltestelle den Arm heben und ein Zeichen geben, sonst fährt der Bus doch glatt vorbei. Im Bus: keine Karte, kein Plan, Streckenführung unbekannt. (Man kann natürlich gerne den Fahrer fragen, bevorzugt auf Chinesisch.) Haltestellen werden auch prinzipiell nicht angesagt. Und wenn es auf der einen Strassenseite eine Haltestelle gibt, muss es noch lange nicht auf der Gegenseite auf selber Höhe auch eine geben. Und bedingt durch die vielen Einbahnstrassen befahren einige Buslinien in der Gegenrichtung gleich eine ganz andere Strecke als in der Hinrichtung. Neulinge in der Stadt (oder Leute, die sich aus experimentellen Fahrten in's Ungewisse ein Sonntagsvergnügen machen) erkennt man daran, dass sie angestrengt durch die Fenster starren, um zu erahnen, ob es der rechte Zeitpunkt für den Druck auf die Stoptaste ist. Auch ich bin ein paarmal zu früh oder zu spät ausgestiegen und musste – laufen. Zu den Problemen des Laufens siehe oben. Weiss man erstmal, mit welcher Linie in welche Richtung, und kennt man die paar Spielregeln (einsteigen nur vorne!, aussteigen nur hinten!), dann ist aber auch das Busfahren eine halbwegs effiziente und unterhaltsame Sache. Ein buntes Völkchen ist da unterwegs … einfach schön. (Ein Nachtrag: Inzwischen habe ich feststellen können, dass es zumindest in Bussen des Betreibers SMRT Displays gibt, die, wenn sie denn korrekt funktionieren, den Namen der nächsten/aktuellen Station anzeigen. Eine starke Vereinfachung. Aber eben nur in SMRT-Bussen.)
Da mein Arbeitsweg mindestens ein Teilstück umfasst, das per Bus bewältigt werden muss, hatte ich zu Beginn meiner Arbeit in Singapur ein veritables Problem zu lösen – wie komme ich an's Ziel? Selbst mit dem spezialisierten Büchlein, das alle Buslinien dokumentiert (aber nie in Form einer Karte oder eines Liniennetzes!), einer sehr detaillierten Strassenkarte und einem normalen Stadtplan bedurfte es einer einstündigen Planungssitzung, um eine Theorie zu entwickeln, wie es gehen müsste. Aus dem Büchlein Stationsname und -code (z.B. »B15«) heraussuchen, wobei das Kürzel nicht der eindeutigen fünfstelligen Stationsnummer entspricht (es gibt einige »B15« auf der Karte), anhand des Stationsnamens die Strasse eruieren, diese finden, dort B15 suchen. So tastet man sich durch den Dschungel. Hilfe! Trotzdem hat gleich die erste Fahrt geklappt. Dass ich dann ein paar Tage später eine kürzere Verbindung gefunden habe: sportlicher Ehrgeiz. Eine schöne Karte bei Google [3] dokumentiert meine Bemühungen.
[1]
http://www.smrt.com.sg/trains/trains.asp
[2]
http://www.ezlink.com.sg/index.jsp
[3]
http://maps.google.com/maps/ms?ie=UTF8&hl=en&msa=0&o...
Singapur: unter den »20 Most Liveable Cities«
Mittwoch, 2007-06-27 | 16:08:35 CET
Monocle [1] zählt in der aktuellen Ausgabe Singapur zu den »20 Most Liveable Cities« (Platz 17), Zürich liegt in diesem Ranking, nebenbei bemerkt, auf Platz 3. Die Kriterien sind ein bisschen ulkig (» … murder rates … hours of sunshine … communications, connectivity, tolerance and the ease of getting a drink after 01.00.«), aber hier freut man sich trotzdem darüber wie beim Kindergeburtstag, die Sache war der hiesigen Straits Times [2] einen grossen Jubelartikel in der Wochenendausgabe wert. Da freut man sich doch gerne mit. Und – es ist ja auch schön hier, keine Frage.
[1]
http://www.monocle.com/
[2]
http://www.straitstimes.com/
Update, 2007-06-29: Nach einer schrecklichen Begegnung mit einer gigantischen Kakerlake, heute morgen in meiner Küche, sinkt Singapur in meiner persönlichen Wertung wieder um mindestens einen Platz. Meine Güte, war das eine Nervenprobe.
Sonntag, 2007-06-24 | 10:00:49 CET
Ohne künstlerischen Anspruch: Am gestrigen Samstagvormittag, ausnahmsweise war mal freundliches Wetter (sonnig, dafür heiss), habe ich eine schnelle Fototour durch die Wohnung und um das Haus herum unternommen. Für Interessierte bei Flickr [1], wahlweise auch als Diashow. Wer wissen will, wie es hier aussieht, wo ich lebe, dessen Neugier kann jetzt gestillt werden.
[1]
http://www.flickr.com/photos/dgbrt/sets/72157600459037016/detail...
In Abwesenheit erteilt: C-Bewilligung
Freitag, 2007-06-22 | 15:43:46 CET
Eine kurze, aber frohe Botschaft für die, die's interessiert – noch vor meinem Singapur-Trip hatte ich ein Gesuch auf Erteilung der unbefristeten Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis für die Schweiz, der sogenannten C-Bewilligung, gestellt. Wie ich heute erfahren habe, ist die Sache positiv ausgegangen! Dumm nur, dass ich das neue Ausweispapier wohl erst Anfang August abholen kann. Dennoch: ein Grund zum Feiern! – Ob das dann auch für die Schweizer ein Anlass zur Freude ist, die mich noch länger werden ertragen müssen … das ist wieder eine andere Frage. Aber heute abend … heute abend ist mir das beinahe egal ;-)
Letters from Singapore (2): Klima
Donnerstag, 2007-06-21 | 16:36:21 CET
Als Thema für den zweiten Bericht aus fernen Landen kommt natürlich nichts anderes in Frage als das Wetter [1] und die klimatischen Bedingungen … ein klitzekleines Problem des ansonsten attraktiven Standorts Singapur, mit dem man praktisch schon bei Verlassen des Flugzeugs konfrontiert wird.
Die nackten Zahlen: nachts nie unter 25°C, tagsüber je nach Wetter zwischen 29 und 35°C, dabei eine Luftfeuchtigkeit von 60 bis 95%. Nicht weit entfernt von einem türkischen Dampfbad, nur dass man eben nicht permanent in der Badehose unterwegs ist, sondern gelegentlich auch mit Hemd und Krawatte (wie z.B. ich täglich im Beruf). Zu Beginn fällt einem schier das Atmen schwer, aber man gewöhnt sich dann doch ein wenig. Was man allerdings zunächst stark unterschätzt, ist der Einfluss des Klimas auf das tägliche Leben. Das fängt damit an, dass man gar nicht genug Hemden haben kann. Die netten Leutchen in der Reinigung hier beim Haus strahlen schon immer, wenn sie mich kommen sehen, bin ich doch neuer Stamm- und Grosskunde und nehme häufig auch mal den Expressdienst in Anspruch, bei dem doppelte Preise gelten. Ich werde wohl definitiv noch ein paar Hemden kaufen müssen. Schnell.
Schwierig ist auch die Fortbewegung zu Fuss. Alle Strecken über 200 Meter können zur ernsthaften Plackerei werden, und wenn man nicht aufpasst, bekommt man vielleicht noch Kreislaufprobleme. Ein ausgedehnter Stadtbummel, oder – Bus verpasst, lauf' ich eben schnell die zwei Stationen? Lieber nicht. Wie es endet, zurück zum Stichwort Hemd, wenn man mal zwanzig Minuten (haben gereicht!) per pedes unterwegs ist, illustriert das folgende Bild von letzter Woche. Und ich schwöre, da ist kein Tropfen Wasser und keine Trickserei mit digitaler Bildbearbeitung im Spiel. Alles echter Schweiss.

Übrigens, nur weil es heiss ist, muss das noch lange nicht bedeuten, dass die Sonne scheint. Bis jetzt war der Himmel fast immer mehr oder weniger finster, man stelle sich den Moment kurz vor einem heftigen Sommergewitter in der Schweiz vor, so ist das hier fast ständig. Und regnen, tja, das tut's auch, und gar nicht so selten, und wenn, dann aber aus Eimern. Überhaupt ist das Wetter sehr wechselhaft, jede Stunde ist das Bild ein anderes. Nur Abkühlung bringen auch die heftigsten Gewitter kaum.
Und bei der Hitze, was macht man da? Die Klimaanlage einschalten. Dieses ungeschriebene Gesetz gilt hier fast in jedem Gebäude, und bei der Wahl der Temperatur sind die Asiaten nicht zimperlich, da werden auch mal 18°C als Zielgrösse eingestellt. Das führt zu elendem Frieren am Arbeitsplatz (plötzlich hat die Anzugjacke wieder einen Sinn) und heftigen Kontrasten, auch in der eigenen Wohnung: Anlage an, zu kalt, Anlage aus – innerhalb fünfzehn Minuten wird es stickig heiss. Nachts ist sie dann schon aus Lärmgründen aus, was dazu führt, dass ich früh fast ohne Wecker alleine von der Hitze aufwache. Dann: Anlage an zum Frühstück – frieren, Wohnung verlassen, schon vor der Tür im Gang der erste Beinahe-Hitzekollaps … nicht zu reden vom Lift, dem Fussweg zur Bushaltestelle. Im Bus 19°C, frieren, dann umsteigen zur MRT (zum Verkehr beim nächsten Mal), schwitzen und beschlagene (!) Brille. In der MRT wieder garantiert nicht über zwanzig Grad, aussteigen, Hitzschlag, dann in's Büro, und beim Kunden im Büro, da ist es so eisig, dass sogar die Chinesen frieren. Das will etwas bedeuten.
Da lob' ich mir unser COMIT-Office. Da geht im gesamten Häuserblock um fünf vor sechs abends die Klimaanlage aus. Das spart Strom, und alle beeilen sich mit der Arbeit und sehen zu, dass sie nachhause kommen.
Update, 2007-06-22: Gestern schreibe ich das noch schön, und heute fall' ich schon wieder auf das Wetter herein. Neue Busverbindung zur Arbeit probiert, diese endet *eigentlich* unweit des Büros … aber die 700 Meter, die waren schon wieder ein Killer. 8:15 im Büro, schweissgebadet. Super.
Update, 2007-06-23: Heute gesehen bei Borders [2], einem sehr, sehr grossen Buchladen. Mit eigenen Augen. An der Wand vier Kästchen für die Steuerung der Klimaanlage. Eingestellt: 16 Grad. Nicht lauschige 18!
[1]
http://www.channelnewsasia.com/weather
[2]
http://www.borders.com/online/store/Home
Montag, 2007-06-18 | 13:44:07 CET
Es ist soweit – heute früh habe ich den ersten Gecko in meiner Wohnung gesichtet … gewöhnungsbedürftig. Aber gemäss Wikipedia [1] vernichten sie Ungeziefer und fühlen sich vor allem dort wohl, »wo eine gute und heitere Atmosphäre ist«. Insofern werde ich das kleine Kerlchen sicher nicht verjagen.
[1]
http://de.wikipedia.org/wiki/Geckos
Letters from Singapore (1): Unterkunft
Donnerstag, 2007-06-14 | 17:10:03 CET
Jetzt bin ich also am Ziel, nach einem (wieder mal) viel zu langen Flug. Nur dass dieser noch länger war, dank der Verbindung über Bangkok. Gut gespeist über dem schwarzen Meer, nicht schlafen können über Afghanistan, Turbulenzen über Indien, fix und fertig in Singapur. Und dann fing der Stress erst an … aber lassen wir das. Anstatt streng chronologisch zu berichten, werde ich meine »Letters from Singapore« lieber thematisch gliedern. Heute: meine Unterkunft.
Die Kollegen hatten für mich eine Wohnung im »Valley Park« [1] ergattert. Ganz so edel, wie die Anlage auf den Bildern wirkt, ist sie zwar nicht (der Urlaubskatalog-Effekt), aber leben lässt es sich da ganz gewiss. Nur steckt wie immer der Teufel im Detail. Erstes Detail: Am Tag meiner Anreise war die angepeilte Wohnung noch gar nicht frei. Erfuhren wir praktisch in letzter Minute. Von dem »Gauner« (Zitat Kollege), einer Art Makler, der sie uns verschafft hatte, dann aber wenigstens ein Hotelzimmer reservierte. Die »Übergabe« am folgenden Tag war dann auch interessant; anzutreffen war lediglich die Putzfrau. Ihre Muttersprache war nicht zu eruieren, eine Verständigung nahezu unmöglich. Immerhin konnte sie uns den Schlüssel aushändigen, aber Informationen – Pustekuchen. Bis heute ist unklar, wann sie jetzt eigentlich jeweils vorbeikommt und was zum Service des »serviced apartment« gehört und was nicht.
Die Glastür am Hauseingang öffnet sich via Badge. Als Besucher hingegen muss man sich mit einer High-Tech-Klingelanlage herumschlagen und ein sechsschrittiges Prozedere einhalten (»Step 1: Press 1« …) – nur dass nicht klar ist, welche Knöpfe ich dann oben in der Wohnung in welcher Folge drücken muss (an dem Kästchen gibt es u.a. Knöpfe wie »Lift Release«, »Door Release«, »Guard House« und »Panic Button«). Aber bezieht sich jetzt der »Lift Release« auf den Visitor Lift? Oder alle?? Kompliziert. Wer mich besuchen will, ruft am besten per Handy an. Ah, der Lift ist übrigens recht gesprächig. »Going up«, »going down«, »doors are closing« (käme man nicht von alleine drauf) und manches mehr plappert er vor sich hin.
NEU: … jetzt auch als MP3!
http://blog.dgbrt.ch/snd/lift.mp3
Die Wohnungstür ist auch so ein Kapitel. Beim ersten Versuch, sie aufzusperren, musste ich auf die harte Tour lernen, dass man in Singapur den Schlüssel genau anders herum drehen muss als gewohnt … Zusammenhang mit dem Linksverkehr? Oder liegt's daran, dass ich mich hier auf der Südhalbkugel befinde? Zumindest habe ich für die Wohnung einen Schlüssel, selbiges gilt leider nicht für meinen stets offenen Briefkasten. Dass mir ja niemand etwas Wertvolles schickt! – Während ich mich erstmals mit meiner Tür mühte, lernte ich übrigens gleich meine junge, japanische Nachbarin kennen. Dank vielfacher gegenseitiger Verneigungen (Fernsehen bildet eben doch) hatte ich gleich die ersten Sympathiepunkte gewonnen, im Gegenzug entschuldigte sie sich schonmal im voraus für ihre laute zweijährige Tochter, was ich mit der Bemerkung quittierte, ich sei sowieso kaum zuhause, kein Problem. Auf gute Nachbarschaft.
Vielleicht sollte ich die Dame von nebenan um Hilfe bitten, was mein kleines graues Telefon auf dem Schreibtisch angeht. Das ist nämlich nur Chinesisch beschriftet, und zeigt zwar auf dem Display viele lustige Zahlen an, bringt aber kein Freizeichen. Wahrscheinlich muss man einen der drei für mich unlesbar bedruckten Knöpfe drücken für eine Amtsleitung. Und angeblich können Japaner ja manchmal auch chinesische Zeichen lesen. Aber vielleicht lerne ich die Sprache auch noch, indem ich konsequent chinesische Gameshows ansehe, von denen gibt es reichlich im Fernsehen (vernünftige Sender hab' ich nur wenige, BBC World, CNN, NBC, DW – das war's fast schon), und aussehen tun die allesamt sehr amüsant. Oder doch lieber eine indische Soap Opera?
Update, 2007-06-15: Ich weiss, das wird jetzt Neid und Missgunst auslösen – heute abend, nach einem einigermassen anstrengenden Tag, habe ich – nachdem endlich der schweisstreibende Heimweg geschafft war – definitiv beschlossen, den Pool a) zu suchen und finden und b) zu testen. Ich kann einen Erfolg vermelden, ich habe ihn gefunden, und es war – traumhaft.
Update, 2007-06-17: Auf Vorschlag von Chris Schmid hin – Lift aufgenommen, als MP3 ergänzt. Siehe oben :-)
[1]
http://www.singaporeexpats.com/singapore-property-pictures/condo...
Adieu Schweiz, auf nach Singapur
Samstag, 2007-06-09 | 16:05:34 CET
Nachdem ich schon neulich im Zuge meiner Asienreise Singapur ein erstes Mal erkunden konnte [1], wird es übermorgen ernst – es geht beruflich nach Singapur, und diesmal nicht nur für ein paar Tage. Geflogen wird leider mit Thai Airways, aber dafür muss ich den Flug nicht zahlen. Die Arbeitserlaubnis für Singapur ist ergattert (bedurfte einigen Papiers), die Kollegen haben inzwischen auch eine Wohnung für mich aufgetrieben und die letzten organisatorischen Probleme (in Sachen Aufenthaltsbewilligung für die Schweiz, denn die sollte mir möglichst nicht aberkannt werden, Krankenversicherung, Meldeamt, Postumleitung usw.) sind mehr oder weniger gelöst. Uff!
Dann kann ich mich morgen ganz auf's Packen konzentrieren. Der Laptop geht mit, und sobald ich wieder Verbindung zum Internet habe, wird es in meinem Blog diverse Lebenszeichen und Erlebnisberichte geben. Versprochen.
[1]
/cgi-bin/blog.cgi/action=view/id=0547d7
Englischer Humor – zwei Lesetipps
Sonntag, 2007-05-13 | 21:36:32 CET
Zwei Lesetipps für Freunde des englischen Humors, die ich der Welt nicht vorenthalten will (man kommt viel zum Lesen auf einem Flug von Singapur nach Zürich, schön, wenn's dann etwas so Amüsantes ist wie folgende Magazine).
Wer sich für Autos begeistern kann und in der glücklichen Lage ist, BBC zu empfangen, kennt vielleicht schon die wahrscheinlich aberwitzigste und komischste Autosendung auf dem Planeten – »TopGear« [1]. Sehr, sehr lustig, und auch die Website ist sehenswert. Dort kann man auch diverse Kostproben geniessen oder das »stupidly hard quiz« zu lösen versuchen. Wie es aussieht, gibt es aber auch ein TopGear-Magazin , und das ist fast genauso unterhaltsam. So etwa wird in der aktuellen Ausgabe der neueste vollkommen unbenutzbare Lotus (»No fannying about here with aircon and CD players. Let alone roofs, doors or windscreens.«) vorgestellt.
»But wherever the Lotus 2-Eleven fits in the pantheon of low volume, borderline-unusable performance cars, there is something convincing, perhaps even reassuring, about the fact that this one is built by Lotus. Hethel has a dedicated ›sports workshop‹, where its race and track specials are designed and tightened up. Every 2-Eleven will be completed there and finished with a Lotus Sport build plate – a welcome reminder when you're outbraking a Caterham R500 at the end of the straight that your car wasn't built in someone's shed. (Or, at least, that the shed it was built in is very big and hasn't got a mower and a deep freeze in it).«
Ach ja, nicht nur hat das Ding kein Dach und keine Türen, auch Frontscheinwerfer gibt es nur bei der Spezialversion für die Strasse. Aber die Autos, die Lotus baut – das ist ein anderes Thema. Das TopGear-Magazin jedenfalls kann ich empfehlen.
Ganz anders geartet ist Monocle [2], das neueste Magazin für Wichtigtuer, produziert von Hansdampf in allen Gassen Tyler Brûlé (Wallpaper). Wobei, man sollte nicht unfair sein, es ist durchaus eine interessante Lektüre und zeichnet sich auch durch lesenswerte Reportagen und Hintergrundberichte aus, nicht nur durch die heissesten Einkaufstipps für den Mann von Welt.
Und auch in Monocle gibt es Amüsantes. In der aktuellen Ausgabe (Issue 3) hat mich vor allem der Bericht über die neue Flugverbindung Teheran-Caracas begeistert, die wohl vor allem politisch gewollt, aber deswegen noch lange nicht sehr gefragt ist (»To seal the bond between the leaders of Iran and Venezuela, a direct IranAir flight between Tehran and Caracas has launched. But even the residents of Tehran seem to think it's a flight of fancy. Sit back and enjoy a trip on Air Ahmadinejad«).
»At this early stage, the link provokes bemusement among Tehran's citizens – the response of every Tehrani I asked included some, if not all, of the words ›crazy‹, ›political‹ and ›bullshit‹.«
Und auch der Flug an sich war dann wohl nicht einfach zu organisieren für den tapferen Monocle-Journalisten.
»IranAir's customer service is also some way from being a model of brisk 21st-century efficiency. Every stage of our booking, confirmation and and check-in is handled with truly fabulous incompetence – if Iran's inflammatory nuclear programme is run like Iran's state airline, the day that Ahmadinejad fulfils his threat to wipe Israel off the map could be a bad one for Poland.«
Nun ja, angekommen ist er dann trotzdem. Aber ich habe selten so gelacht in letzter Zeit wie über diesen Artikel.
[1]
http://www.bbc.co.uk/topgear/index.shtml
[2]
http://www.monocle.com/
Dritter Reisebericht (Hongkong)
Samstag, 2007-05-05 | 13:32:44 CET
Dieser Teil meines Reiseberichts wird leider etwas knapp ausfallen – hat mich doch, wie ich seit heute weiss, eine dämliche Mandelentzündung ziemlich gründlich flachgelegt, mit dem vollen Programm, mörderischem Kopfweh, Fieber und so weiter. Zum Glück gibt es da einen freundlichen Hotelarzt, der mir einen vermutlich doch eher abenteuerlichen Besuch in einer normalen Klinik oder Arztpraxis erspart hat. Und: Ich habe wieder mal mein englisches Vokabular erweitert (ich wusste jedenfalls erstmal nicht, was »tonsils« sind).
Aber das nur im Vorgriff. Den Flug mit Cathay Pacific (vier Stunden) hatte ich so halbwegs überstanden, und obwohl der doch eher teuer war, muss man sagen: kein Vergleich mit Singapore Airlines. Naja, nicht so wichtig. Auf dem Rückflug habe ich dann ja noch zweimal Gelegenheit, mit meiner bevorzugten Airline zu fliegen. Eine gewisse Schlappheit und Kopfweh machten sich schon unterwegs bemerkbar, und wahrscheinlich war ich da auch schon leicht fiebrig und bin nur mit Glück durch den Temperatur-Scanner (!) gekommen, an dem alle Einreisenden in Hongkong vorbei müssen.
Geldabheben am Automaten, der Transfer zum Hotel – alles kein Problem. Interessanterweise bekommt man bei den Geldscheinen eine bunte Mischung verschiedener Exemplare; offenbar druckt da jede Bank ihre eigenen …
Wer denkt, in Kuala Lumpur gäbe es extreme Kontraste zwischen Alt und Neu, der hat Hongkong noch nicht gesehen. Das Hotel (Langham Place [1]) ist sehr neu und ziemlich edel, liegt aber – nebst moderner Mall nebendran – mittendrin im quirligen, alten Viertel Mongkok, Kowloon, wie ein frisch gelandetes Ufo. Es liegt an der Shanghai Street, von der das folgende Bild einen Eindruck gibt (eleganterweise noch bei Regen, macht sich gut).

Da stehen also zehn Meter neben dem Hotel sechzig Jahre alte, windschiefe Hütten, bei denen man sich ernsthaft fragt, ob man darin überhaupt leben kann. Man kann. Und offensichtlich funktioniert die Nachbarschaft. Den ungebändigten Willen zur Erneuerung kann man dann auch bei einigen weiteren Wolkenkratzern bewundern, die man in's chaotische Mongkok gestellt hat. Abends bei Regen fehlt nicht viel zu »Blade Runner«.
Sonst bin ich nicht wahnsinnig weit herumgekommen, eine Ausnahme war die unerwartet schwierige Suche nach einer Apotheke. Die »Pharmacy« direkt hier in der Gegend verkauft primär Waschpulver und sah auch sonst nicht gerade vertrauenerweckend aus.
Spannend war mein (durchaus erfolgreicher) Versuch, mit der MTR (S-/U-Bahn) klarzukommen; hier muss man den Verkehrsbetrieben ein Kompliment machen: Alles idiotensicher beschriftet, Tickets lösen dank Funkkarte kein Thema mehr (wenn man sie mal hat), und in den Zügen wird nicht nur angezeigt, wo man eben ist und in welche Richtung man fährt, sondern sogar, ob man links oder rechts aussteigen muss. Vorbildlich.

Sonstige Beobachtungen, bunt zusammengewürfelt: Hongkong ist riesig. Hier kann man mal einen wahren Wald von gigantisch in die Höhe gebauten Wohncontainern sehen, enorm. Klar, über sieben Millionen Einwohner, das ist praktisch die gesamte Schweiz in einer Stadt. Der Fahrer, der mich am Flughafen abgeholt hat, konnte gar nicht glauben, aus was für einem mickrigen Dorf mit 400'000 Einwohnern (Zürich, mit Wohlwollen) ich angereist war. Und es ist laut. Und es riecht. Zumindest, wo kleine Händler seeeehr dubiose Sachen (Speisen?) verkaufen, die vermutlich (man weiss es nicht immer so genau) allesamt aus dem Meer geholt wurden. Und hier in Mongkok ist das an fast jeder Ecke so. (Überhaupt, die Ernährung … zum Glück hatte ich aus gesundheitlichen Gründen nicht oft Hunger.) – Und Menschenmassen unterwegs, man glaubt es nicht … und alle permanent am Essen, ein Wahnsinn. Ah, und der »Standard« [2] ist die bedeutend langweiligere Lektüre als die »South China Morning Post« [3].
So, und die Sehenswürdigkeiten? Eben, krankheitsbedingt habe ich mehr »Cartoon Network« und CNN gesehen als Sightseeing betrieben, wenn ich nicht gerade am Schlafen oder Lesen war. Da hilft ein schönes Hotelzimmer, und dieses ist schön, leider auch nicht wirklich, man ist frustriert. Momentan wäre ich froh, wenn ich am Montag wieder reisetauglich wäre, denn da soll es losgehen. Vielleicht schaffe ich's aber morgen doch noch zumindest auf »The Peak«, wenn es nicht den ganzen Tag regnet und stürmt wie heute.
Ergänzung, 2007-05-07: Nach einer weiteren schlimmen Nacht haben die Medikamente dann am gestrigen Sonntag angeschlagen; zusätzlich gab es statt der angekündigten »scattered T-storms« ein wenig Sonnenschein. Prima – das versetzte mich in die Lage, zumindest doch noch ein paar Dinge anzusehen, u.a. habe ich's auch auf »The Peak« [5] geschafft und von oben ein Auge auf die Stadt geworfen. Ein versöhnlicher Abschluss eines sonst eher verunglückten Hongkong-Trips. Jetzt sitze ich am Flughafen Hongkong und freue mich auf den Flug nach Singapur.
Ergänzung, 2007-05-08: Uff, das war eine lange Heimreise. Nach dem vierstündigen Flug nach Singapur war dort nochmal eine »kleine« Pause von rund fünf Stunden angesagt, und dann ging es dreizehn Stunden lang weiter nach Zürich … aber ich muss noch einmal ein Loblied auf meine (mittlerweile) Lieblings-Airline [6] singen – was einem da auch in der Economy-Klasse an Platz, Onboard-Entertainment und Service zuteil werden, das ist schon Weltklasse. Die Auswahl an z.T. hochaktuellen Filmen ist gross, und man kann mit dem Film der Wahl starten wann man will. Ich fand's jedenfalls super, »Children of Men« und »Letters from Iwo Jima« sehen zu können (und »Futurama« hatten sie auch). Ah, und von den Stewardessen wollen wir nicht reden, eine schöner als die andere … unglaublich. Wer mal die Chance hat, mit Singapore Airlines zu fliegen, der soll sie nutzen. Ich werde dazu wohl in nächster Zeit noch einige Gelegenheit haben, und ich bin nicht böse darüber.
[1]
http://hongkong.langhamplacehotels.com/index.html
[2]
http://www.thestandard.com.hk/
[3]
http://www.scmp.com.hk/
[4]
http://www.cartoonnetworkasia.com/
[5]
http://www.thepeak.com.hk/en/home.asp
[6]
http://www.singaporeair.com/
Zweiter Reisebericht (Kuala Lumpur)
Montag, 2007-04-30 | 16:16:29 CET
Der Flug von Singapur nach Kuala Lumpur war – nach einer durchaus spannenden Taxifahrt zum Flughafen von Singapur – kurz und angenehm, Singapore Airlines ist wirklich eine erstklassige Fluggesellschaft. Besonders eindrücklich sind die ohne Ausnahme bildhübschen Flugbegleiterinnen in ihren wunderbaren, bunten Gewändern. Herrlich. Nett waren auch die Durchsagen auf Malaiisch (Bahasa Malaysia), zumindest vermute ich, dass es sich um diese Sprache handelte. Die begannen allesamt mit sowas wie »Jalam o Boing Poing«, oder so ähnlich. Schwer, nicht zu lachen.
Auch für Malaysia gilt es im übrigen ein Einreiseformular auszufüllen, das noch ein wenig umfangreicher ausgefallen ist als das Singapurianische. Besonderes Magengrimmen machte mir einmal mehr der Hinweis auf die Todesstrafe für Drogenschmuggler. Man weiss ja nicht, was einem unbemerkt zugesteckt wird …
Am Flughafen Kuala Lumpur gibt es dann einen ziemlichen Kampf um die Touristen bzw. darum, wer sie in die Stadt fahren darf. Nach ein paar Irrungen und Wirrungen landete ich im »Teksi« eines freundlichen älteren Herrn, der aber nicht eben viel Englisch konnte. Der hohe Fahrtpreis von 150 Malaysischen Ringgit war vorher abgemacht und schon bezahlt. Warum das so viel Geld kostet, wurde mir dann mit der Zeit auch klar: Der Flughafen liegt nicht weniger als 75 km entfernt von der Stadt, man ist also geraume Zeit unterwegs. Auch auffällig: Fahrspuren sind in dem Land nicht viel Wert, mein Fahrer bewegte sich gerne auf den Linien oder wechselte in Kurven ohne zu zögern über vier Spuren. Dass er einen Fahrgast hatte, hielt ihn auch nicht davon ab, unterwegs bei einer Tankstelle diverse Besorgungen zu machen. Dafür bewies er im wirklich ziemlich unangenehmen Stadtverkehr Kuala Lumpurs eiserne Nerven; hätte ich da selber am Steuer gesessen, wäre ich wohl nicht ohne Blechschaden angekommen … und vermutlich durchgedreht. Italien ist harmlos.
Mittlerweile habe ich einige grössere Besichtigungstouren hinter mir. Das Klima ist in Kuala Lumpur nicht wesentlich anders als in Singapur, d.h. schwül-heiss, tagsüber eigentlich immer über 30°C und mit hoher Luftfeuchtigkeit. Und wie in Singapur gilt: Wenn es regnet, dann sehr ordentlich. Man ist also permanent nass, egal auf welche Art, und verlässt man ein Gebäude, beschlagen erstmal Kameralinse und Brille. – Ansonsten sind die Unterschiede schon ziemlich gross; Kuala Lumpur ist doch ein ganzes Stück wilder, lauter und schmutziger, ein Schmelztiegel von Kulturen und Religionen.

Auffällig auch das zumindest in der Gegend mit den Hotels und Malls äusserst zahlreiche Sicherheitspersonal bzw. die vielen Polizisten, die aber dann jeweils hochglanzpolierte Lackschuhe tragen. Einerseits mag das die Sicherheit vor Gefahren (welchen?) erhöhen, andererseits sorgt es doch für unbehagliche Gefühle.
Kein Besuch Kuala Lumpurs kommt ohne Besichtigung der Petronas Towers und des angeschlossenen, wahrhaft gigantischen Einkaufszentrums aus, Foto anbei. Hier mal aus einer eher ungewöhnlichen Perspektive, von aussen knipsen kann die Türme ja jeder …

Neben ausgedehnten Fussmärschen zu diversen Sehenswürdigkeiten verbringe ich meine Tage hier damit, den Hotel-Pool zu geniessen (die Massage teste ich morgen), sowie, zwangsläufig, mit Besuchen in diversen Restaurants. Toll ist die Auswahl, man kann praktisch alles haben. Ich war mittlerweile Libanesisch essen, heute abend Thailändisch – und gestern in einem Steakhaus. Man stelle sich vor: das ganze Personal (Malaiien und Chinesen) in Jeans, Western-Shirt und mit Cowboy-Hut. Alleine das schon ein toller Anblick. Und das gesamte Team hing an meinen Lippen, um zu sehen, ob es mir schmeckt – und alle haben sich dann gefreut wie Kinder, als sie mein breites Grinsen nach Genuss des ersten (hervorragenden) Bissen sahen. Priceless.
Ergänzung, 2007-05-01: Inzwischen liegt auch die »traditional Malay massage« hinter mir. »The technique consists of long kneading strokes that focus on the muscles and pressure applied to various points on the body. This treatment uses pure essential oils of ylang-ylang, orange, clove, ginger and patchouli.« – In der Tat eine ölige Angelegenheit (und nein, der Masseur war ein Mann …), und jetzt rieche ich wie ein Fruchtsalat. Tolle Sache. Morgen geht es dann los in Richtung Hongkong.
Ergänzung, 2007-05-02: Offensichtlich kann man den Weg aus der Stadt zum Flughafen auch in 40 Minuten und für 90 Ringgit schaffen, wenn der Fahrer konsequent jedes Tempolimit überschreitet und das Hotel das Taxi für einen bestellt …
Erster Reisebericht (Singapur)
Mittwoch, 2007-04-25 | 1:24:28 CET
Schon beim Check-In zeigte sich, dass man es in Singapur etwas genauer nimmt – es wurde mir ein Formular für die Einreisekontrolle überreicht, das jeder Singapur-Reisende auszufüllen hat. Inklusive Informationen über den Wohnort bzw. Ort der Unterbringung, die genaue Dauer, die Stadt, aus der man an- und der Stadt, in die man weiterreist …
Über solche kleinen Ärgernisse tröstet der Komfort von Singapore Airlines hinweg. Eine nagelneue Boeing 777-300 stand bereit, und was beim Thema Entertainment-System heutzutage Stand der Technik ist, liess mich dann doch staunen. Auch in der Economy-Klasse hat jeder einen dicken LCD-Schirm vor sich, der Zugang gibt zu einem reichhaltigen Sortiment an News, Radiosendern, Filmen und TV-Serien. Ebenso ist das Ding eine Spielkonsole, mit rund 30 Spielen zur Auswahl, dazu noch ein PC mit StarOffice 8 (!), wo man auf einem USB-Stick mitgebrachte Dokumente bearbeiten kann. Und dazu findet sich rechts neben dem Bildschirm folgerichtig ein USB-Anschluss. Wahnsinn.
Schade nur, dass ich keinen Ton hatte (wie meine Leidensgenossen in derselben Sitzreihe) – Filme fielen damit aus, denn Untertitel gab's scheinbar nur auf Chinesisch … und auch von der Musik (die mehreren Dutzend Alben waren nach Sprach- bzw. Kulturraum eingeteilt, »Europe«, »Japan«, »Hindi«, …) hatte ich nichts. Schade, ich hätte gerne mal einen Koreanischen Hitparadentitel gehört. Vielleicht auf der Rückreise.
Der Flug war den Umständen entsprechend angenehm, wobei die 12, 13 Stunden Reisezeit schon seeehr lang werden können … und das mit dem Schlafen ziemlich schwierig ist.
Humor bewies der Captain; er sprach doch ernsthaft von »reasonably nice weather« am Zielort, während wir an einer gigantischen Gewitterfront vorbeiflogen, ein toller Anblick übrigens, vom Flugzeug aus. In Singapur (27°C) war Waschküche, die Luft sehr feucht und die Sichtweite vielleicht hundert Meter. Prompt erwischte mich beim ersten Rundgang um's Hotel (noch am frühen Morgen, etwa 8 Uhr Lokalzeit …) ein gigantischer Regenguss, und wenn's in Singapur regnet, dann richtig. Da helfen dann auch die schwülwarmen Temperaturen nicht, man wird trotzdem unangenehm nass. In meinem Fall konnte ich mich aber zum Glück durch miteinander verknüpfte Malls und Passagen fast wieder bis zum Hotel durchschlagen. Erst auf den letzten zehn Metern wurde ich richtig nass.
Zum Trost gönnte ich mir ein luxuriöses Frühstück in der grossartigen Lobby des »Pan Pacific« [1], Foto nachfolgend.

Danach war Duschen, Schlafen, Organisieren angesagt – und einige Proberunden im Pool. Selbst wenn es bedeckt ist, reichen die Temperaturen locker für ein erfrischendes Bad. Spektakulär übrigens die Fahrt zur 30. Etage (mit meinem Zimmer) oder von dort wieder nach unten, das geht nur über die aussen angebrachten Lifte (die innenliegenden gehen nur bis Etage 22, oder so). Was für ein Blick über die Skyline! Und nachts erst! Da könnte man die ganze Zeit hoch- und runterfahren.
Vor und nach dem Abendessen war noch ein Mall-Bummel und vor allem ausgiebiges Fotografieren angesagt. Nachfolgend der Blick von meinem Balkon.

Dann war es allerdings Zeit, in's Bett zu gehen.
Ergänzung, 2007-04-25/26: Statt einer langen Niederschrift zu meinem zweiten und dritten Tag nur ein paar Beobachtungen als Nachtrag. Indonesisches (gibt es auch) Essen ist fein, aber auf die in Scheiben geschnittene Krake habe ich verzichtet. Das Klima legt einen schon nach wenigen hundert Metern Fussweg praktisch flach, Wahnsinn. An der Fussgängerampel (mit Taste) in der Nähe des Raffles-Hotels: »Press for green man« (Beweisfoto ist verfügbar). Singapur, »nanny state«: Wer auf dem Fahrrad durch die Unterführung unter der Elgin-Brücke fährt, statt zu schieben, zahlt eine Busse von nicht weniger als 1000 SGD (etwa 800 Franken / 500 Euro, Beweisfoto des Schilds ebenfalls vorhanden). Und an Fussgängerübergängen, wo wohl auch mal etwas mehr los ist, ist der Weg zweigeteilt. Wie beim Autofahren ist die linke die richtige Spur. – Der widerlichste Snack im Supermarkt: »roasted crabs« in Grösse von Fünffrankenstücken, abgepackt in der Tüte wie Gummibärchen. Bäh! – Und wer den totalen Konsum-Wahnsinn erleben will, dem empfehle ich die Malls an der Orchard Road, v.a. Ngee Ann City [2] mit angeblich rund 120 Shops, darunter dem grössten Buchladen, den ich wohl je gesehen habe. Und in einer der Malls der stolze Hinweis: »More shops at the basement« – hurra, noch mehr Läden. Unvorstellbar.
Ergänzung, 2007-05-29: Das Office-Paket hat's inzwischen auch in die Heise-News geschafft [3]. Hurra, und ich hab's schon getestet! Und schon alleine beim Starten von StarWriter schläft einem buchstäblich das Gesicht ein.
[1]
http://www.panpacific.com/singapore/Overview.html
[2]
http://www.ngeeanncity.com.sg/
[3]
http://www.heise.de/newsticker/meldung/90339
Montag, 2007-04-23 | 9:13:25 CET
Vor meinem heutigen Flug gen Asien noch schnell ein Film-Review: Sunshine muss man nicht gesehen haben. Visuell beeindruckender Murks ist immer noch Murks. Schade.
Ansonsten hoffe ich mal, dass meine Reise besser verläuft als die der Helden des besagten Films …
Freitag, 2007-04-20 | 16:13:11 CET
Kein Quartal ohne mindestens eine dumme Idee: Seit einiger Zeit habe ich meine Frühstücksgewohnheiten in Frage gestellt und begonnen, Kaffee und Zubehör jeweils am Freitag ausser Haus einzunehmen. Die Karte [1] zeigt einige der bisher erforschten Frühstücksoasen (und -reinfälle).
El Greco : Die leicht angestaubte, etwas düstere Atmosphäre, geprägt nicht zuletzt von Reproduktionen des namensstiftenden Meisters, sollte einem den Appetit nicht verderben, ebensowenig der harte, aber herzliche und sehr professionelle Service. Ist man nicht gar zu früh dran und hat noch ein wenig Glück, gibt es bereits das hervorragende Bircher Müesli. Ebenfalls spannend sein kann die Beobachtung der anderen Gäste, es sollen gelegentlich auch Promis, Politiker etc. darunter sein.
Rothaus : Auch hier ist die Einrichtung vielleicht nicht jedermanns Sache; ich finde das Design der Bar interessant, aber es könnte noch einen Hauch gemütlicher sein. Dafür war der Service freundlich und sehr aufmerksam, und dadurch, dass hier auch die Hotelgäste ihr Frühstück einnehmen, steht ein anständiges Buffet zur Verfügung. Prima! Man darf sich lediglich nicht abschrecken lassen von der eher zwielichtigen Gegend (nicht eben die angesehenste Ecke der Stadt), aber das Frühstückserlebnis ist dann einwandfrei.
Memphis : Hier war ich doch eher enttäuscht; abends steppt in diesem legendären Café der Bär, aber früh herrschte ziemlich tote Hose. Zugig und kühl dank sperrangelweit geöffneter Tür, keine Musik, kaputte Kasse, und zum Kaffee dazu gab's gerade mal trockene Gipfeli (Hörnchen). Schade, aber vielleicht hatte ich einfach einen schlechten Tag erwischt.
Casablanca : Klein, leicht zu übersehen, sehr karg, aber stylish eingerichtet, studentisches und Kreis-4/5-Publikum mit szenigem Touch. Speis und Trank holt man sich an der Theke, dafür gibt es ein sehr grosses Angebot an Zeitungen und Magazinen – prima. Beim Testbesuch war's für Müesli leider zu früh, das gibt's dann erst recht spät am Vormittag, dafür war schon ab Öffnung (7 Uhr) einiges an Gebäck da. Eigenwillig, aber angenehm.
Aargauerhof : Der frisch renovierte Aargauerhof, der, scheint es, nicht viel mit dem Aargau zu tun hat, ist abends eine gute Adresse für einfache, aber leckere Küche zu vernünftigen Preisen. Auch früh ist es ganz angenehm dort, zumindest, wenn man im Fenster sitzen und sich die Sonne auf die Nase scheinen lassen kann. Sonst eher unauffällig, nicht unbedingt ein »place to be« oder »in«, und das Publikum ist eher bodenständig, aber das ist ja auch mal schön.
Forum : Im Nachtleben fest etabliert (dann aber meistens laut und voll), ist das Forum durchaus oder gerade auch am Morgen eine interessante Adresse. Die Schoggigipfel sind sehr lecker, die Musik eher entspannt, der Service in Ordnung und es wird einem auch mal ohne Murren ein Glas Prosecco serviert. Gerne wieder.
Die Forschungsarbeiten werden fortgesetzt.
[1]
http://maps.google.com/maps/ms?ie=UTF8&hl=en&om=1&z=...
Dienstag, 2007-04-10 | 21:30:48 CET
Hinweis vom Kollegen: Wer sein Französisch auf ausgesprochen attraktive Art verbessern will, ist bei Mélissa Theuriau [1] an der richtigen Stelle. Da ist das Zusehen ein Vergnügen, ähm, das Zuhören natürlich auch. Die Einschaltquoten der Sendung sollen sprunghaft gestiegen sein, seit die Frau dort arbeitet. Tsts.
[1] leider aus dem Verkehr gezogen:
http://www.youtube.com/watch?v=j1G-3laJJP0
Sonntag, 2007-04-01 | 14:20:44 CET
Irgendwann musste es wahrscheinlich so enden: in einer Fabrikhalle … – Über meinen derzeit favorisierten CD-Versender [1] mit dem »besonderen« Sortiment bzw. dessen Newsletter war ich aufmerksam geworden auf einen noch spezielleren Event-Kalender [2], und dieser wiederum gab für den gestrigen Samstag folgende Empfehlung: »musik aus blinkenden gerätschaften mit stromanschluss … – style: Electronica, Elektro-Techno, Electroclash und mehr – Location: Binz-Squat, Uetlibergstrasse 113, Zürich«. Auftreten sollten u.a. eine Band mit dem schönen Namen »Gladbeck City Bombing« [3], Nora Düster [4] und Monoblock B [5]. Mein Interesse war geweckt.
Aber ich, in einem besetzten Haus? Und ohne jede Ahnung, wo und wie genau selbiges zu finden sein würde, geschweige denn, ob man mich überhaupt einlässt, und ohne den blassesten Schimmer, wann es losgeht? Zweifel waren angebracht, aber sind dazu da, manchmal auch einfach überwunden zu werden. Also, losgezogen, Adresse gesucht. Dann, zwanzig vor zehn, vor Ort, ein erstes Problem: Die Hausnummer gehört zum Zeughaus bzw. dem »Amt für Militär und Zivilschutz« … ausgerechnet! Da würde die Party nun ganz bestimmt nicht steigen. Nach etwas planlosem Herumstehen entdeckte ich das Squat [6] dann doch noch – neben dem Zeughaus führt eine finstere Einfahrt zu einem Hof mit Zugang zu einem grösseren ehemaligen Industrieareal und diversen Hallen. Die Suche nach menschlichem Leben leitete mich direkt in die »Küche« zu einigen der Bewohner, wo mir nach meiner schüchternen Frage, ob ich da richtig sei, nicht nur ein fröhliches »ja« entgegenschallte, sondern auch prompt Essen angeboten und eine Besichtigungstour rund um und durch die Hallen geboten wurde. Danke für die freundliche Aufnahme, kann ich da nur sagen!
Allerdings war ich zu früh, offenbar geht es in Squats prinzipiell nicht vor elf Uhr los … genügend Zeit also für ein Bier und ein Schwätzchen. In der Bar des Squats konnte ich mich dann ganz der wirklich besonderen Atmosphäre und dem guten Sound hingeben (und das bei Bier zu zwei Franken, wo gibt es das sonst in Zürich). Und wenn man den Weg zur Toilette zwischen diversen abgestellten Traktoren und Bauwagen erstmal gefunden hat …
Tja, und die Show selbst? Grandios. Zumindest in der frühen Phase war zwar nicht so klar, was Soundcheck, Pausenfüller oder schon Auftritt war, aber das gab sich. Und man soll nicht sagen, die wirklich nicht einfach zu findende Location hätte für einen Mangel an Besuchern gesorgt: Gegen Mitternacht begann sich der Barraum dann doch ordentlich zu füllen, irgendwann um eins war die Bude mehr oder weniger voll mit sicher 60-70 Leuten. Und die Stimmung war prächtig.
Und die Musik? Sehr cool, und passend für den Rahmen. Ein (un-)bunter Cocktail von EBM und Electro über Minimal-Techno bis Noise, alles das mit Bastel-Charme und Überzeugungstätern an den Reglern, herrlich. Schräg und tanzbar, Nora Düster (nebenbei: ein Mann), und Gladbeck City Bombing haben den Laden dann wirklich gerockt. Wer einen Eindruck bekommen will, wie sich das anhört, dem sei der MySpace-Auftritt und das Video dort empfohlen [7].
Fazit: Eine tolle Nacht, die kleine »Mutprobe« durchzustehen hat sich mehr als gelohnt.
Update, 2007-04-05: Ein schönes, neues Feature von Google Maps, das nur ein paar Tage zu spät kam – Link [6] zeigt jetzt ein paar mehr Details.
[1]
http://www.klangkurier.ch/
[2]
http://www.infiltration.ch/pages/nachrichtendienst_Hauptfenster....
[3]
http://gladbeckcitybombing.org/
[4]
http://www.noraduester.net/
[5]
http://7b.to/monoblockb/
[6]
http://maps.google.com/maps/ms?q=Z%C3%BCrich,+Switzerland&ie...
[7]
http://www.myspace.com/gladbeckcitybombing2
Samstag, 2007-03-31 | 15:57:27 CET
»Sind Sie ein Opfer von Krankheiten, bei denen Ärzte die Ursache nicht feststellen können? Gehören Sie zu den Tausenden von Personen, die von Neid getroffen sind und finanzielle Probleme (Schulden) haben? Haben Sie kein Glück in der Ehe oder in der Liebe? Leidet Ihre Familie eventuell unter einer Verfluchung oder Magie?«
Dann hilft das »Hilfszentrum Universal«, so besagt das jedenfalls ein Flyer, den ich heute in meinem Briefkasten hatte. Sachen gibt's.
Sonntag, 2007-03-25 | 18:55:30 CET
Was sticht mir in's Auge, als ich am letzten Freitag meine geschätzte ZEIT kaufe? »Eine der aufregendsten Kunststädte – Zürich!«, und das auf der Titelseite. In der Ausgabe vom 29. März wird der ZEIT ein »KUNSTSTADTZÜRICH-Special« beiliegen, gratis. Das ist doch mal was. Da seh' ich auch über die neumodischeZusammenschreibung hinweg.
Update, 2007-03-30: Beilage ist lesenswert. Aber nicht wieder so lesenswert.
Dienstag, 2007-03-20 | 20:34:44 CET
Heute, 8 Uhr 10, kurz vor der Ankunft im tief verschneiten St. Gallen, der Zug wird langsamer, rollt aus, bleibt stehen: »Bing Bong – verehrte Fahrgäste, leider haben wir eine technische Störung, der Lokführer muss einen Reset (sic!) machen.« – Es vergehen gut zehn Minuten, und so ein Zug-Reset, der produziert eine Menge interessanter Geräusche, viel spannender als bei einem PC. Rumpel, surr, klapper, dann Licht aus, Licht an, nochmal rumpel, Klima aus, an, surr, und schon geht's wieder los. Faszinierend.
Mittwoch, 2007-03-14 | 9:47:58 CET
Noch schnell ein Hörtipp, bevor ich mich in meinen Micra setze und nach Nürnberg fahre – Leuten mit dem Hang zum Besonderen empfehle ich das Album mit dem herrlichen, kaum noch zu schlagenden Titel »Bremse unbrauchbar« [1] von Atrox. Ich hoffe mal, die Bremsen meines Wagens sind brauchbar, sonst wird das ein abenteuerlicher Trip über deutsche Autobahnen.
[1]
http://www.steinklang-records.at/shop/index.php?main_page=produc...
Samstag, 2007-03-03 | 19:51:19 CET
Eigentlich war es schon das Ziel, mein Blog halbwegs regelmässig zu ergänzen, und sei es nur, um ab und zu ein Lebenszeichen abzugeben. Nicht so einfach, in letzter Zeit; von seelischen Turbulenzen abgesehen ist es schlicht mein aktueller beruflicher Einsatz, der mir so viel Kraft (und Zeit) abverlangt, dass es auch für ein kurzes Posting kaum mehr reicht. Ausserdem soll's ja dann auch noch berichtens- und lesenswert sein, sprich: in irgendeiner Form relevant. Und Erzählungen von 14-stündigen Arbeitstagen in Kellern einer Ostschweizer Bank sind das wohl eher nicht.
Und die Relevanz dieses Postings? Ich lebe noch. Trotz allem.
The Prestige + The Good Shepherd
Mittwoch, 2007-02-07 | 23:56:41 CET
Nach längerer Pause mal wieder eine echte Filmempfehlung: The Prestige hat alles zu bieten, Komik und Tragik, Liebe und Tod, eine Handlung mit zahlreichen Wendungen und Falltüren, die geschickt verschachtelt erzählt wird, dazu grandiose Schauspieler. Ein Film mit – Magie. Ansehen!
Ergänzung, 2007-03-02: Auch The Good Shepherd, ein Film, der ein Portrait eines typischen Geheimdienstlers und die Entstehung der CIA zeigt, ist sein Geld wert. Sicher, er könnte ein wenig flotter geschnitten sein und Matt Damon ist nicht der grösste Schauspieler auf dem Planeten, andererseits ist die Figur, die er zu spielen hat, nun einmal eher wortkarg und seelenlos, dafür kann er nichts (und macht seinen Job überzeugend). Der Film ist nicht eben kurz, aber wer sich hier langweilt, ist mit falschen Erwartungen in's Kino gegangen – das ist kein Action-Reisser, sondern eine Aufarbeitung, ein Sittenbild, mit durchaus einigen giftigen Untertönen und aktuellen Bezügen. Insgesamt sehenswert.
Mittwoch, 2007-01-31 | 18:12:55 CET
Kein Ersatz für eine extrem aufregende Beziehung, aber vielleicht ein kleiner Trost: Am Morgen lag eine Karte des Konzessionärs für Rainer-Brand-Uhren in Olten im Briefkasten, ich könne das schöne Stück abholen … was ich natürlich noch heute gemacht habe.

Was für eine wunderbare Uhr. Ich werde sie gerne tragen.
Kunsthausnacht: »Electronic Transformation«
Sonntag, 2007-01-28 | 16:14:55 CET
Kurzer Besuch bei der gestrigen Kunsthausnacht im Zürcher Kunsthaus [1]. Erstaunlich, was mit moderner Elektronik möglich wird – und auf welche pfiffigen Ideen so mancher der Beteiligten der HGKZ [2] gekommen ist.
Da konnte man Bilder bewundern, die per Projektion erweitert wurden (das Gemälde eines Fabrikschlots, aus dem projizierter Rauch aufstieg – den man per Pusten auch noch steuern konnte), im Stil eines Computerspiels in den elektronisch nachgebauten Räumen des Kunsthauses umherstreifen und dabei auch in die Bilder steigen, oder mit rein virtueller Farbe Pollock'sche Klecksbilder auf einer weissen Leinwand produzieren.
Feine Sache! Und beim zahlreich anwesenden, bunt gemischten Publikum kam die Veranstaltung gut an. Fast das Schönste: mitten in der Nacht ungehemmt durch alle Räume streifen, sich an der Kunst berauschen. Herrlich.
[1]
http://www.kunsthaus.ch/
[2] heute:
http://www.zhdk.ch/
Montag, 2007-01-22 | 21:13:10 CET
Prima Buch, sofort lesen: Harry G. Frankfurt. On Bullshit.
Ein Blick zurück – und nach vorne
Sonntag, 2007-01-07 | 1:18:08 CET
Das Jahr 2006 war ein recht turbulentes, im angenehmen wie im unangenehmen Sinn. Wenn ich zurückdenke an meine Vorhaben [1], fällt die Bilanz gar nicht schlecht aus. – Allerdings: Ich habe wohl meine Traumfrau gefunden, und wieder verloren, und das noch vor Jahresende. Aber zumindest war ich während der kurzen Zeit, die uns vergönnt war, der glücklichste Mensch der Welt – das helle Licht brennt kürzer, und dieses hat sehr hell gebrannt.
Was nehme ich mir also vor für 2007?
1. Mich nicht mehr verletzen lassen.
2. Unartig sein.
3. Ich selbst sein.
Ach ja:
4. Eine Uhr ist fällig. Rainer Brand, Argus. [2]
[1]
/cgi-bin/blog.cgi/action=view/id=0117d6
[2]
http://www.rainerbrand.de/dd/main.htm
Samstag, 2007-01-06 | 14:18:13 CET
Dita von Teese ist wieder zu haben! [1] – Super. Dita, wenn Du einsam sein solltest … ruf mich an.
[1]
http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,458109,00.html
Dienstag, 2007-01-02 | 18:47:09 CET
Die Spam-Abwehr beim Posten von Kommentaren ist eigentlich umgesetzt. Trotzdem gibt es noch ein kleines Problem, das gelöst werden will, bevor ich die Kommentarfunktion wieder einschalten kann. Aber nicht mehr lange!
Update: Uff, es funktioniert. Ab sofort ist die Kommentarfunktion wieder aktiv. (Und ja, ich weiss dass die von mir gewählte Methode primitiv ist – ich hoffe aber doch, dass die Viagra-Verkäufer den Aufwand trotzdem scheuen …)


