Dritter Reisebericht (Hongkong)
Samstag, 2007-05-05 | 13:32:44 CET
Dieser Teil meines Reiseberichts wird leider etwas knapp ausfallen – hat mich doch, wie ich seit heute weiss, eine dämliche Mandelentzündung ziemlich gründlich flachgelegt, mit dem vollen Programm, mörderischem Kopfweh, Fieber und so weiter. Zum Glück gibt es da einen freundlichen Hotelarzt, der mir einen vermutlich doch eher abenteuerlichen Besuch in einer normalen Klinik oder Arztpraxis erspart hat. Und: Ich habe wieder mal mein englisches Vokabular erweitert (ich wusste jedenfalls erstmal nicht, was »tonsils« sind).
Aber das nur im Vorgriff. Den Flug mit Cathay Pacific (vier Stunden) hatte ich so halbwegs überstanden, und obwohl der doch eher teuer war, muss man sagen: kein Vergleich mit Singapore Airlines. Naja, nicht so wichtig. Auf dem Rückflug habe ich dann ja noch zweimal Gelegenheit, mit meiner bevorzugten Airline zu fliegen. Eine gewisse Schlappheit und Kopfweh machten sich schon unterwegs bemerkbar, und wahrscheinlich war ich da auch schon leicht fiebrig und bin nur mit Glück durch den Temperatur-Scanner (!) gekommen, an dem alle Einreisenden in Hongkong vorbei müssen.
Geldabheben am Automaten, der Transfer zum Hotel – alles kein Problem. Interessanterweise bekommt man bei den Geldscheinen eine bunte Mischung verschiedener Exemplare; offenbar druckt da jede Bank ihre eigenen …
Wer denkt, in Kuala Lumpur gäbe es extreme Kontraste zwischen Alt und Neu, der hat Hongkong noch nicht gesehen. Das Hotel (Langham Place [1]) ist sehr neu und ziemlich edel, liegt aber – nebst moderner Mall nebendran – mittendrin im quirligen, alten Viertel Mongkok, Kowloon, wie ein frisch gelandetes Ufo. Es liegt an der Shanghai Street, von der das folgende Bild einen Eindruck gibt (eleganterweise noch bei Regen, macht sich gut).

Da stehen also zehn Meter neben dem Hotel sechzig Jahre alte, windschiefe Hütten, bei denen man sich ernsthaft fragt, ob man darin überhaupt leben kann. Man kann. Und offensichtlich funktioniert die Nachbarschaft. Den ungebändigten Willen zur Erneuerung kann man dann auch bei einigen weiteren Wolkenkratzern bewundern, die man in's chaotische Mongkok gestellt hat. Abends bei Regen fehlt nicht viel zu »Blade Runner«.
Sonst bin ich nicht wahnsinnig weit herumgekommen, eine Ausnahme war die unerwartet schwierige Suche nach einer Apotheke. Die »Pharmacy« direkt hier in der Gegend verkauft primär Waschpulver und sah auch sonst nicht gerade vertrauenerweckend aus.
Spannend war mein (durchaus erfolgreicher) Versuch, mit der MTR (S-/U-Bahn) klarzukommen; hier muss man den Verkehrsbetrieben ein Kompliment machen: Alles idiotensicher beschriftet, Tickets lösen dank Funkkarte kein Thema mehr (wenn man sie mal hat), und in den Zügen wird nicht nur angezeigt, wo man eben ist und in welche Richtung man fährt, sondern sogar, ob man links oder rechts aussteigen muss. Vorbildlich.

Sonstige Beobachtungen, bunt zusammengewürfelt: Hongkong ist riesig. Hier kann man mal einen wahren Wald von gigantisch in die Höhe gebauten Wohncontainern sehen, enorm. Klar, über sieben Millionen Einwohner, das ist praktisch die gesamte Schweiz in einer Stadt. Der Fahrer, der mich am Flughafen abgeholt hat, konnte gar nicht glauben, aus was für einem mickrigen Dorf mit 400'000 Einwohnern (Zürich, mit Wohlwollen) ich angereist war. Und es ist laut. Und es riecht. Zumindest, wo kleine Händler seeeehr dubiose Sachen (Speisen?) verkaufen, die vermutlich (man weiss es nicht immer so genau) allesamt aus dem Meer geholt wurden. Und hier in Mongkok ist das an fast jeder Ecke so. (Überhaupt, die Ernährung … zum Glück hatte ich aus gesundheitlichen Gründen nicht oft Hunger.) – Und Menschenmassen unterwegs, man glaubt es nicht … und alle permanent am Essen, ein Wahnsinn. Ah, und der »Standard« [2] ist die bedeutend langweiligere Lektüre als die »South China Morning Post« [3].
So, und die Sehenswürdigkeiten? Eben, krankheitsbedingt habe ich mehr »Cartoon Network« und CNN gesehen als Sightseeing betrieben, wenn ich nicht gerade am Schlafen oder Lesen war. Da hilft ein schönes Hotelzimmer, und dieses ist schön, leider auch nicht wirklich, man ist frustriert. Momentan wäre ich froh, wenn ich am Montag wieder reisetauglich wäre, denn da soll es losgehen. Vielleicht schaffe ich's aber morgen doch noch zumindest auf »The Peak«, wenn es nicht den ganzen Tag regnet und stürmt wie heute.
Ergänzung, 2007-05-07: Nach einer weiteren schlimmen Nacht haben die Medikamente dann am gestrigen Sonntag angeschlagen; zusätzlich gab es statt der angekündigten »scattered T-storms« ein wenig Sonnenschein. Prima – das versetzte mich in die Lage, zumindest doch noch ein paar Dinge anzusehen, u.a. habe ich's auch auf »The Peak« [5] geschafft und von oben ein Auge auf die Stadt geworfen. Ein versöhnlicher Abschluss eines sonst eher verunglückten Hongkong-Trips. Jetzt sitze ich am Flughafen Hongkong und freue mich auf den Flug nach Singapur.
Ergänzung, 2007-05-08: Uff, das war eine lange Heimreise. Nach dem vierstündigen Flug nach Singapur war dort nochmal eine »kleine« Pause von rund fünf Stunden angesagt, und dann ging es dreizehn Stunden lang weiter nach Zürich … aber ich muss noch einmal ein Loblied auf meine (mittlerweile) Lieblings-Airline [6] singen – was einem da auch in der Economy-Klasse an Platz, Onboard-Entertainment und Service zuteil werden, das ist schon Weltklasse. Die Auswahl an z.T. hochaktuellen Filmen ist gross, und man kann mit dem Film der Wahl starten wann man will. Ich fand's jedenfalls super, »Children of Men« und »Letters from Iwo Jima« sehen zu können (und »Futurama« hatten sie auch). Ah, und von den Stewardessen wollen wir nicht reden, eine schöner als die andere … unglaublich. Wer mal die Chance hat, mit Singapore Airlines zu fliegen, der soll sie nutzen. Ich werde dazu wohl in nächster Zeit noch einige Gelegenheit haben, und ich bin nicht böse darüber.
[1]
http://hongkong.langhamplacehotels.com/index.html
[2]
http://www.thestandard.com.hk/
[3]
http://www.scmp.com.hk/
[4]
http://www.cartoonnetworkasia.com/
[5]
http://www.thepeak.com.hk/en/home.asp
[6]
http://www.singaporeair.com/
Gute Besserung!
von Mirko - Montag, 2007-05-07 | 19:58:07 CET
Ich hab ja schon mit Spannung auf den naechsten Blog-Eintrag gewartet, und was muss ich da lesen? Mandelentzuendung?! Au Backe! Ist allerdings echt luxurioes dass das Hotel sogar einen eigenen Hotelarzt hat, das waere wohl sonst in der Tat eine unangenehme Erfahrung gewesen. Arztbesuche in einem fremden Land sind ja immer so eine Sache … Kann mich noch gut an meinen ersten Arztbesuch in den USA erinnern (Nasennebenhoehlenentzuendung und noch irgendwas), da hab ich waehrend der Untersuchung auch meist nur Bahnhof verstanden, und hab dann meine Diagnose zuhause erst mal im Woerterbuch nachgeschlagen. Und in Asien kann man dann ja noch bei einem traditionellen Heiler landen, und der verschreibt einem dann am Ende pulverisierte Baumrinde dreimal taeglich ;-)
Na ja, scheint ja als ob die Antibiotika geholfen haben und Du wieder auf den Beinen bist. Der Verwoehnservice bei Singapore Airlines wird dann sicherlich noch den Rest zu Deiner Genesung beitragen!
Guten Flug!
Besten Dank …
von Jan - Dienstag, 2007-05-08 | 19:43:29 CET
… ich bin gut geflogen, und inzwischen wieder zuhause. Uff.
In der Tat war das ein ganz ausgezeichnetes Hotel mit allerlei Komfort und technischem Firlefanz, und ich ich war sehr froh, dass sie auch für medizinische Versorgung sorgen konnten. Wenn einem in Hongkong ein traditioneller Heiler Pulver mitgibt, kann man vermutlich von Glück reden, wenn es nur pulverisierte Baumrinde ist (und nicht etwas noch viel Ekligeres).
Und Du hast Recht, Mirko, Singapore Airlines haben mich wieder mit dem Leben versöhnt. Da wird man verwöhnt an Bord, das kann man sich kaum vorstellen.
Herrjeh …
von Schubsi - Mittwoch, 2007-05-09 | 14:06:14 CET
Kaum liest man ein paar Tage dein Blog nicht, schon bist du wieder zuhause und warst zwischendrin auch noch krank …
…trotzdem mal noch gute Besserung (wenn noch nötig)! Und ich hoffe auch, dass du dich trotzdem gut erholen konntest und dass die Erholung auch noch lange anhält.
Ansonsten kann ich mich auch noch gut an einen Krankenhausbesuch in Kanada erinnern und daran, dass ich dabei das Schulenglisch echt verdammt habe. Wirklich wichtige Dinge haben wir ja nicht gelernt (dafür aber was über die »Einsamkeit von Langstreckenläufern«). Mit ein bisschen Latein ging es dann aber auch irgendwie … :-)
Bis bald!


