Nacht in der Fabrik
Sonntag, 2007-04-01 | 14:20:44 CET
Irgendwann musste es wahrscheinlich so enden: in einer Fabrikhalle … – Über meinen derzeit favorisierten CD-Versender [1] mit dem »besonderen« Sortiment bzw. dessen Newsletter war ich aufmerksam geworden auf einen noch spezielleren Event-Kalender [2], und dieser wiederum gab für den gestrigen Samstag folgende Empfehlung: »musik aus blinkenden gerätschaften mit stromanschluss … – style: Electronica, Elektro-Techno, Electroclash und mehr – Location: Binz-Squat, Uetlibergstrasse 113, Zürich«. Auftreten sollten u.a. eine Band mit dem schönen Namen »Gladbeck City Bombing« [3], Nora Düster [4] und Monoblock B [5]. Mein Interesse war geweckt.
Aber ich, in einem besetzten Haus? Und ohne jede Ahnung, wo und wie genau selbiges zu finden sein würde, geschweige denn, ob man mich überhaupt einlässt, und ohne den blassesten Schimmer, wann es losgeht? Zweifel waren angebracht, aber sind dazu da, manchmal auch einfach überwunden zu werden. Also, losgezogen, Adresse gesucht. Dann, zwanzig vor zehn, vor Ort, ein erstes Problem: Die Hausnummer gehört zum Zeughaus bzw. dem »Amt für Militär und Zivilschutz« … ausgerechnet! Da würde die Party nun ganz bestimmt nicht steigen. Nach etwas planlosem Herumstehen entdeckte ich das Squat [6] dann doch noch – neben dem Zeughaus führt eine finstere Einfahrt zu einem Hof mit Zugang zu einem grösseren ehemaligen Industrieareal und diversen Hallen. Die Suche nach menschlichem Leben leitete mich direkt in die »Küche« zu einigen der Bewohner, wo mir nach meiner schüchternen Frage, ob ich da richtig sei, nicht nur ein fröhliches »ja« entgegenschallte, sondern auch prompt Essen angeboten und eine Besichtigungstour rund um und durch die Hallen geboten wurde. Danke für die freundliche Aufnahme, kann ich da nur sagen!
Allerdings war ich zu früh, offenbar geht es in Squats prinzipiell nicht vor elf Uhr los … genügend Zeit also für ein Bier und ein Schwätzchen. In der Bar des Squats konnte ich mich dann ganz der wirklich besonderen Atmosphäre und dem guten Sound hingeben (und das bei Bier zu zwei Franken, wo gibt es das sonst in Zürich). Und wenn man den Weg zur Toilette zwischen diversen abgestellten Traktoren und Bauwagen erstmal gefunden hat …
Tja, und die Show selbst? Grandios. Zumindest in der frühen Phase war zwar nicht so klar, was Soundcheck, Pausenfüller oder schon Auftritt war, aber das gab sich. Und man soll nicht sagen, die wirklich nicht einfach zu findende Location hätte für einen Mangel an Besuchern gesorgt: Gegen Mitternacht begann sich der Barraum dann doch ordentlich zu füllen, irgendwann um eins war die Bude mehr oder weniger voll mit sicher 60-70 Leuten. Und die Stimmung war prächtig.
Und die Musik? Sehr cool, und passend für den Rahmen. Ein (un-)bunter Cocktail von EBM und Electro über Minimal-Techno bis Noise, alles das mit Bastel-Charme und Überzeugungstätern an den Reglern, herrlich. Schräg und tanzbar, Nora Düster (nebenbei: ein Mann), und Gladbeck City Bombing haben den Laden dann wirklich gerockt. Wer einen Eindruck bekommen will, wie sich das anhört, dem sei der MySpace-Auftritt und das Video dort empfohlen [7].
Fazit: Eine tolle Nacht, die kleine »Mutprobe« durchzustehen hat sich mehr als gelohnt.
Update, 2007-04-05: Ein schönes, neues Feature von Google Maps, das nur ein paar Tage zu spät kam – Link [6] zeigt jetzt ein paar mehr Details.
[1]
http://www.klangkurier.ch/
[2]
http://www.infiltration.ch/pages/nachrichtendienst_Hauptfenster....
[3]
http://gladbeckcitybombing.org/
[4]
http://www.noraduester.net/
[5]
http://7b.to/monoblockb/
[6]
http://maps.google.com/maps/ms?q=Z%C3%BCrich,+Switzerland&ie...
[7]
http://www.myspace.com/gladbeckcitybombing2
Gladbeck City Bombing
von Schubsi - Dienstag, 2007-04-03 | 11:36:52 CET
Hi Jan,
die klingen echt gut! Und wie soll ich sagen, die Schilderung deines »Ausflugs« klingt echt spannend … :-)
Viel Spaß,
Schubsi


