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Der Super-GAU

Donnerstag, 2005-06-23 | 10:45:09 CET

Gestern abend, der Versuch nach drei anstrengenden Tagen in Bern nach Zürich heimzukehren. Der Zug hat zunächst zwanzig Minuten Verspätung, kriecht dann ruckelnd ein paar wenige Kilometer aus dem Berner Bahnhof, bis er schliesslich ganz stehenbleibt. Die Klimaanlage ist aus, die dreistellige Zahl von Menschen im vollbesetzten Doppelstockzug schmort im eigenen Saft, nur ganz wenige Notfenster lassen sich überhaupt öffnen. – Stromausfall im SBB-Netz, zuerst im Tessin, dann in der gesamten Schweiz, für mehrere Stunden! Nach einer zweieinhalbstündigen Odyssee (weiter als bis Wankdorf war ich nicht gekommen) war ich wieder am Berner Bahnhof und hatte es schon vorher geschafft, per Mobiltelefon eines der allerletzten Hotelzimmer in der Stadt zu reservieren. Was für ein Desaster, in einem Land, in dem sich Hunderttausende täglich auf die Bahn verlassen und auch der CEO Zug fährt.

Ein herber Schlag, ein nationales Heiligtum gerät in's Wanken … Erinnerungen an das für Schweizer höchst traumatische Swissair-Grounding werden wach. So ist »Grounding« auch ein Begriff, der am Tag danach sehr häufig in den Zeitungen zu lesen ist, nahezu so häufig wie die Wörter »Super-GAU«, »Blackout«. Und das hier, wo die Menschen schon unruhig auf die Uhr sehen, wenn ein Zug mehr als zwei Minuten Verspätung hat.

Dennoch erscheint mir der bissige Kommentar im Zürcher Tages-Anzeiger als etwas sehr harsch; Herrn Schlumpf vom TA kann man nur nahelegen, ein paar Probefahrten mit der Deutschen Bahn zu machen (am besten eine ausgedehnte Rundreise, das weitet den Horizont und kurbelt die deutsche Wirtschaft an …), dann weiss er die SBB, ihre Pünktlichkeit und ihr gar nicht so schlechtes Krisenmanagement wieder zu schätzen.

 

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