dgbrt.ch

Filmtipp Juli: Mulholland Drive

Montag, 2010-07-26 | 20:50:47 CET

Das soll nun also der zwölfte und – nach mittlerweile also einem vollen Jahr – vorerst letzte Beitrag der Reihe »Filmtipp des Monats« sein … und für welchen Streifen denn sonst könnte ich diesen Artikel reservieren, wenn nicht für meine persönliche Nummer 1, den brillanten, nahezu makellos gemachten Psychohorror und verfilmten Albtraum Mulholland Drive [1] vom Regiewahnsinnigen David Lynch, der wohl dieses Meisterwerk selbst nicht mehr wird überbieten können (war doch das Coolste an Inland Empire der Titel und die grosse Kunst der Hauptdarstellerin, ansonsten schwer zu ertragen). Und ja, eifrige Leser meines Blogs erinnern sich, dass ich mich schon 2006 sehr lobend über Mulholland Drive ausgelassen hatte. [2] Macht nix.

http://blog.dgbrt.ch/img/2010/md1.jpg


Die Rahmenhandlung versuche ich erst gar nicht mehr wiederzugeben, das haben andere eh schon besser gemacht als ich es je könnte (und ein riesiges Gebäude an Theorien zu dem Streifen geschaffen). Fast am faszinierendsten sind für mich die kleinen Episoden und Einschübe, die nicht immer zwingend mit der Haupthandlung zu tun haben, oder nur sehr am Rande. Der ame Kerl, der im »Winkie's Diner« seine schlimmsten Ängste durchleben muss … und stirbt. Der rätselhafte Mann im Rollstuhl hinter einer Glasscheibe – der durch Schweigen Entscheidungen zu treffen vermag. Die Telefonkette, die mit wenigen Worten auskommt. Die Mafia-Brüder (in einer köstlichen Nebenrolle: der Komponist des fantastischen Soundtracks, Angelo Badalamenti), die ihre Fäden ziehen und dazu auch einmal einen Regisseur und sein Management mit einer Espresso-Verkostung (!) verängstigen … oder einem sehr, sehr komischen Cowboy. Und so könnte man weiter und weiter aufzählen …

http://blog.dgbrt.ch/img/2010/md2.jpg


Man kann diesen Streifen als klassischen Psychothriller, böse Dekonstruktion von Hollywood oder als filmisches Rätsel lesen – gerade diese Reichhaltigkeit macht seinen Reiz aus. Und so hat er es geschafft, auch nach rund acht Jahren interessant für mich zu bleiben.

Was bleibt zu sagen? Mag Lynch noch so ein komischer Kauz und Mulholland Drive sein einziger wirklich rundum gelungener Streifen sein (obwohl auch Eraserhead und Lost Highway in einer ähnlichen Liga spielen), so muss man ihm attestieren dass er hier den Höhepunkt seiner Kunst gefunden hat. Solange die Filmwelt neben Popcorn und Blockbustern noch solche Juwelen produziert, bleibt Kino eine aufregende Sache.

[1] => http://www.imdb.com/title/tt0166924/
[2] => /cgi-bin/blog.cgi/action=view/id=0517d6

 

Kommentare
 
-