Prometheus: Fünf Gründe für meinen Mangel an echter Begeisterung
Montag, 2012-08-20 | 0:17:52 CET
Ich wollte ihn ja unbedingt super finden, Prometheus [1] – Altmeister Ridley Scott setzt 130 Millionen Dollar ein, um eine spannende, im Alien-Universum angesiedelte Geschichte zu erzählen, die philosophischen Tiefang und coolen Grusel verspricht, und in sensationellen Bildern präsentiert wird (gesehen habe ich ihn dann gestern, und das sogar noch in 3D: Premiere für mich). Pflichtprogramm! Und was soll ich sagen … je grösser die Erwartung, desto grösser auch die Wahrscheinlichkeit, dass diese nicht erfüllt werden kann. Ein sehenswerter Film, gewiss, und alles andere als langweilig. Und doch war ich ein wenig enttäuscht von dem Streifen. Wieso?
Weil er es nicht wagt, aus altbekannten Mustern auszubrechen, und damit frei von Überraschungen bleibt. Der grosse Konzern ist immer noch böse und geht über Leichen, um seine Ziele zu erreichen. Ein Android ist Mannschaftsmitglied und exekutiert einen geheimen Plan. Zwei in der Höhle zurückbleibende, verzichtbare Figuren werden die ersten Opfer schauriger Kreaturen. Die vermeintlich »guten«, wohlmeinenden Schöpfer der Menschheit erweisen sich als Gefahr (wer hätte DAS erwartet?). Dazu: die Charaktere bleiben blass und klischeehaft (die ultra-toughe, eisige, blonde Schönheit; die idealistische Forscherin; der nerdige Wissenschaftler), und die Handlung reiht Zitate der Vorgängerfilme aneinander, dass es schon nicht mehr schön ist. Man will solche finden müssen (und dann den Stolz erleben, sie erkannt zu haben). Prometheus schlägt sie einem im Minutentakt in's Gesicht.
Weil er sich nicht die nötige Zeit für seine Handlung nimmt und seine Geschichte gar zu glatt und routiniert abspult. Ohne auf die Uhr geschaut zu haben – gefühlt vergehen gerade mal fünfzehn Minuten, und schon ist die weite Reise in's All organisiert, das gewaltige Budget erworben, das Raumschiff gebaut und der zweijährige Flug zurückgelegt. All das weitestgehend im Verborgenen, nur die Selbstbeschäftigung des Androiden während des Flugs und die buchstäblich letzten Minuten darf man ansatzweise mitverfolgen, um dann noch im Schnellgang (nachträglich) zu erfahren, worum es bei dem Abenteuer überhaupt geht. Und natürlich findet die Crew sofort den richtigen Landeplatz, und die Landung ist eine aus dem Bilderbuch, und der Eingang in die hügelartige Formation schnellstens gefunden, und David imstande, die Zeichen zu lesen und Türen zu öffnen, und so weiter … so läuft Prometheus wie auf Schienen.
Weil er nicht halb so clever ist, wie er tut – und Tiefgang vor allem vortäuscht. Man hätte ja einiges herausholen können aus dem Stoff: geht es doch um nichts weniger als die Suche der Menschheit nach dem Schöpfer, dessen Natur und das Verhältnis des Erschaffers zum Erschaffenen, sowie – wie man später erfährt – die Überwindung des Todes. Die eindimensionalen Figuren zeigen sich aber wenig dialogfreudig (nur in einem kurzen, gut gespielten Schlagabtausch zwischen dem Androiden David und Charlie blitzt durch, was aus Prometheus auch hätte werden können). So reduziert sich der Film auf den üblichen Budenzauber aus unterschätzten Gefahren, Wettläufen gegen die Zeit und einer schnell dezimierten Mannschaft.
Weil er bei aller Cleverness der Drehbuchautoren auch ärgerliche Ungereimtheiten enthält und unnötig unglaubwürdig wird. Eine lumpige Handvoll von Punkten in einer bestimmten Anordnung verweist genau auf einen einzigen Ort unter Milliarden Sternen? Aha. Ernstzunehmende Wissenschaftler stürzen sich sofort nach der Landung und kurz vor Sonnenuntergang in's Abenteuer, und es fällt ihnen nichts besseres ein, als alles mögliche zu betatschen und ihre Helme abzusetzen? Soso. Und Meredith Vickers hat nichts anderes zu tun, als es mit dem kauzigen Piloten zu treiben? Und niemanden kümmert es gross, wenn es auf einer weit von der Erde entfernten Welt ausserirdisches Leben zu geben scheint und die Detektoren anschlagen? Und die verzeifelten Funkrufe und vermutlich auch Videoaufzeichnungen des scheusslichen Tods der ersten zwei Alien-Opfer fallen niemanden auf, auch nachträglich nicht, woraufhin man wieder in die Höhlen stolpert und sucht? Und auf der Flucht vor dem rollenden Raumschiffwrack kommt niemand auf die Idee, zur Seite zu flüchten? Diese Reihe könnte man noch eine Weile fortsetzen.
Weil er liebgewonnene Rätsel des Alien-Universums auflöst, die man als ewig offene Fragen eigentlich lieber hatte. Wollte ich wirklich wissen, dass der geheimnisvolle »Space Jockey« [2] aus dem Ur-Alien-Film einfach nur ein in einen gruseligen Raumanzug verpacktes, menschenähnliches Wesen ist? Und nebenbei (siehe vorheriger Absatz) – der originale »Space Jockey« war bedeutend grösser als Menschen, Anzug hin oder her. – Wollte ich wirklich wissen, wozu die ringförmigen Raumschiffe gut sind, oder wie die Alien-Rasse entstanden ist? Irgendwie … nicht so richtig.
Aber genug kritisiert. Sehenswert ist Prometheus trotz alledem (wenn auch kein Meisterwerk für die Ewigkeit), und wenn es nur wegen der glänzenden Optik und dem herausragenden Spiel von Michael Fassbender ist, der dem künstlichen Menschen David einen ganz besonderen Touch verleiht. Ach, und gruseln und ekeln kann man sich an der einen oder anderen Stelle auch ganz ordentlich. So soll's ja sein.
[1]
http://www.imdb.com/title/tt1446714/
[2]
http://en.wikipedia.org/wiki/Alien_%28film%29#Set_design_and_fil...


