dgbrt.ch

Fallout

Sonntag, 2009-06-14 | 20:54:27 CET

Wenn Cola dank radioaktiver Zusätze blau leuchtet (bei ersten Testreihen zwar leider einige der Verkoster tragisch verstarben, das aber mit einem Geschenkkorb an die Hinterbliebenen schnell wieder ausgebügelt wurde), die bieder-amerikanische Familie in Andale sich als eine Horde von Menschenfressern entpuppt, die Bevölkerung der Siedlung »Megaton« eine nicht gezündete A-Bombe anbetet, die im Dorfzentrum in einer Pfütze liegt, ausgerechnet das halb eingestürzte Kapitol als zentraler Stützpunkt einer Horde von Mutanten dient, und sich letztlich der »amerikanische Präsident«, dessen Stimme aus allen Radios dringt, als durchgeknallter Computer erweist – dann sind wir in der wundersamen, garstigen Welt von Fallout 3 [1] gelandet.

Wer mich kennt, weiss, dass ich normalerweise eher wenig spiele, vor allem schon aus Zeitmangel, aber auch, weil es nur wenige Spiele gibt, die mich wirklich zu fesseln vermögen (prominente Ausnahme: die MGS -Serie). Die Entwickler von Fallout aber haben es geschafft, mich über die letzten Monate insgesamt mehr als einhundert (!) Stunden vor den Bildschirm zu bannen, und das, obwohl das Spiel durchaus auch seine Macken hat, von gelegentlichen Abstürzen über die bestenfalls »gute« Grafik bis hin zu manchmal eben doch repetitiven Missionen. Warum?

Neben der einzigartigen Atmosphäre, der ungeheuer riesigen, abwechslungsreichen und liebevoll gestalteten Landschaft, die es zu erforschen gilt, den schrägen, aber glaubhaften Charakteren, den vielen bizarren Einfällen, dem guten, alten und suchterzeugenden »Gegenstände sammeln, handeln und den Charakter aufleveln«-Prinzip muss es der Subtext des Spiels sein, der mich so fasziniert hat. Der manchmal fast bösartige Humor, die zahlreichen giftigen Seitenhiebe auf unser aller modernen Lebensstil und den »American Way of Life« im speziellen, das hat das Spiel aus dem üblichen Einerlei herausgehoben, mir nicht nur Spielspass, sondern auch intellektuelles Futter verschafft, und in meinen Augen einmal mehr bewiesen, dass moderne Spiele mindestens so viel zu bieten haben wie ein guter Film. Kein Kinderspiel allerdings, wirklich nicht, und zu recht ab 18 Jahren. Und wenn ich es mit einem Film vergleichen müsste – Brazil [2] wäre der erste Streifen, der mir einfällt.

[1] => http://fallout.bethsoft.com/index.html
[2] => http://www.imdb.com/title/tt0088846/

 

Kommentare
 
-