Wie ich neulich DELL mit einem Laptop belieferte
Sonntag, 2013-12-08 | 19:06:20 CET
Neulich hatte ich die Ehre, DELL mit einem Laptop zu beliefern. Nein, nicht anders herum. – Und das kam so.
Es begann mit einer Laptop-Bestellung bei DELL in den ersten Tagen des Oktober. Nichts Verrücktes, ein anständig ausgestattetes Einsteigermodell zu einem guten Preis, gedacht als Geschenk. Warum DELL? Erstens sollte es unbedingt ein Gerät mit deutscher Tastatur sein, und auf die Schnelle hatte ich nur DELL gefunden, die einem bei der Bestellung die Wahl lassen. Zweitens – Markenprodukt, solide Qualität, was kann schon schiefgehen. Die haben ja einen Ruf zu verlieren und sind sicher hervorragend organisiert. Genau!
Die Lieferung liess zunächst etwas auf sich warten, war dann angekündigt für einen Tag rund eineinhalb Wochen nach der Bestellung. Nur – dieser verstrich, ohne dass ich ein Paket erhalten hätte. Zunächst fiel der Verdacht auf die interne Hauspost meines Arbeitgebers; das Paket sei abgegeben worden am Empfang und eine Tanja habe unterschrieben, bekundeten meine Freunde von UPS, und eine Mitarbeiterin diesen Namens sitzt bei der FBG tatsächlich gelegentlich am Empfang – musste das Gerät also offensichtlich auf dem Weg vom Empfang zu meinem Schreibtisch verlorengegangen sein.
Eine peinliche Episode und etwas Wirbel inklusive Suche im Keller (!) später war klar – das Paket war wohl nie angekommen. Anfrage bei UPS, telefonisch, ob ich den Beleg mit der Unterschrift der Empfängerin haben könne. Ja, das ginge, hiess es … aber schon beim Telefonat zeigte sich, dass das Paket an einer ganz anderen Adresse in der Zürcher Innenstadt abgeliefert worden war (der gleiche Name der Mitarbeiterin war mithin Zufall). Diese Adresse war bei UPS sogar vermerkt. UPS war aber nicht Willens, auf Bitte des Empfängers eine Nachforschung oder gar Wiederbeschaffung durchzuführen, das muss der Versender veranlassen. Also mit DELL telefoniert, wo ich nach mehrfachem Verbinden recht freundlich und kompetent bedient wurde. Ja, sowas könne es geben, man setze sich gleich mit UPS in Verbindung. Man hielt mich in der Folge stets schön auf dem Laufenden, per Telefon und Email – nur leider mit negativem Ergebnis: UPS habe vermeldet, das Gerät sei »unauffindbar«. DELL bot daraufhin an, mich mit einem weiteren Gerät zu beliefern.

Damit begannen Verhandlungen über Modell und Ausstattung, denn – das Modell, das ich bestellt hatte, sei so schon wieder nicht mehr verfügbar (zum Zeitpunkt der Bestellung war es frisch auf den Markt gekommen, aber offenbar dauern Produktzyklen in der PC-Branche dieser Tage nicht länger als ein paar Wochen). Ich war in dieser Frage sehr entspannt, wollte einfach wieder möglichst »in der Nähe« dessen sein, was ich ursprünglich bestellt hatte. 100 MHz bei der Taktfrequenz hin oder her, das war mir eigentlich gleich. Nur eines nicht: eine deutsche Tastatur musste es sein. Zunächst wurde das alles so bestätigt, wieder etwas später bekam ich aber eine Email, die besagte: 1. die Lieferung einer deutschen Tastatur sei leider unmöglich (?), 2. diese werde so auch nicht angeboten (!) und 3. ich habe eine solche auch gar nicht bestellt. An diesem Punkt riss mir dann doch der Geduldsfaden und ich antwortete mit einem Screenshot vom DELL-eShop (wo die deutsche Tastatur nach wie vor wählbar war) und einer Kopie der ursprünglichen Auftragsbestätigung, in der klar nachzulesen war, dass ich sehr wohl eine deutsche Tastatur bestellt hatte. DELL blieb jedoch unerbittlich und man beschied mir definitiv, eine deutsche Tastatur könne ich nicht bekommen.
Also den Auftrag storniert und mein Geld zurückgefordert, und dieses wurde auch innerhalb weniger Tage gutgeschrieben. Wenigstens das!
Aber jetzt geschah etwas Ulkiges. Wieder rund zehn Tage später erreichte mich der Anruf einer Mitarbeiterin bei einer Firma an der »falschen« Adresse, die mich mit einer Google-Suche ausfindig gemacht hatte, und mir mitteilte, sie hätten bei sich ein DELL-Paket stehen, das wohl für mich bestimmt gewesen sei … ich könne es abholen. Und das tat ich dann auch, nahm nach Feierabend den Weg auf mich und wurde bei der falschen Adresse vorstellig. In der Tat war es »mein« Laptop! (So viel auch zur Gründlichkeit von Nachforschungen, die UPS anstellt.)
Die erste Pointe: es handelte sich genau um das ursprünglich bestellte Wunschmodell, mit der angeblich unmöglich erhältlichen, nicht angebotenen und nie bestellten deutschen Tastatur.
Die zweite Pointe: nachdem ich im allgemeinen zur Ehrlichkeit neige, setzte ich DELL am nächsten Tag per Email in Kenntnis, dass das Gerät wieder aufgetaucht sei (halleluja!) und DELL nun gerne wieder meine Kreditkarte belasten könne – und regte an, sich kulant zu zeigen für das bald zweimonatige Theater, die viele von mir aufgewendete Zeit und die Mühe, die mich die Abholung bei der falschen Adresse gekostet hatte. Zum Beispiel mit einem moderaten Preisnachlass. Die Annahme war, dass es DELL sicher recht sein würde, für das vermutlich bereits abgeschriebene Gerät wenigstens noch einen Teil des Preises zu erlösen. – Es kam aber ganz anders: das Gerät sei im System bereits als gestohlen/verloren gekennzeichnet, ich müsse es wieder abgeben. Wo und wann man es denn abholen könne (ich könne dann ja eine neue Bestellung aufgeben).
Und so belieferte ich also DELL mit dem Laptop, der eigentlich nie bei mir angekommen war.
Meine Ehrlichkeit wurde in keinster Weise belohnt, das Wunschgerät nahm man mir wieder weg, und für das Wiederauffinden bzw. die Wiederbeschaffung des Pakets fand man nicht einmal ein Wort des Dankes.
Fazit: der Ehrliche ist der Dumme. Und wer bei DELL bestellt, der ist wirklich selber schuld. Ich gelobe, diesen Fehler nie wieder zu machen!
Ist doch klar …
von Schubsi - Dienstag, 2013-12-10 | 8:58:24 CET
Also Jan, ich verstehe die ganze Aufregung nicht. Natürlich musstest du das Gerät wieder an Dell zurückschicken. Denn du hattest es so ja nicht bestellt und es gibt es so auch nicht. Vermutlich wäre durch das nicht Zurückschicken irgendein Wurmloch kollabiert oder sonst schreckliches mit dem Raum-Zeit-Kontinuum bei Dell passiert …
… oder vielleicht ist es das schon?
Genau!
von AnneCatherine - Dienstag, 2013-12-10 | 13:36:17 CET
Oder der Lagerist und das Frollein vom Kundendienst, pardon, der LDO (Logistics & Distribution Officer) und die CRM (Client Relation Manager) hätten bei der weihnächtlichen Formensause eine Strafreduktion kassiert, nur ein Platsikbecherchen Glühwein statt 2, und nur einen halebn Lebkuchen.
Ich finde, du solltest denen den Link zu deinem Blog schicken, das tät ihnen vielleicht die Augen öffnen, diesen Dellen, äh, Deppen.
ähh, Orthografie …
von AnneCatherine - Dienstag, 2013-12-10 | 13:37:33 CET
Die Sonne scheint, ich seh nix …
Keine haleben Sachen …
von Jan - Mittwoch, 2013-12-11 | 0:10:09 CET
… das dürfte DELL sich auch gedacht haben. Wenn einen Kunden demütigen, dann richtig. – Ansonsten sind der Profitexterin die sonnenbedingten Typos natürlich verziehen. Oder hatte diese vielleicht auch einen Platsikbecher Glühwein? :-)
Frechdachs
von AnneCatherine - Donnerstag, 2013-12-12 | 16:43:58 CET
Da es bei mir keine Firmensause gibt, gibts auch keinen Glühwein. Und apropos Wein kennst du ja meinen Lieferanten, du erinnerst dich, der Beutel …
Ha – dank Nacht&Nebel sollte ich tippfehlerfrei durchgekommen sein. Jetzt bloss noch die Matheaufgabe lösen ;)
Ach ja
von Jan - Donnerstag, 2013-12-12 | 21:11:29 CET
… der Beutel. Wie könnte ich dieses feine Tröpfchen vergessen, ich bin noch heute traumatisiert.


