Ein kurzer Nachruf aus der Feder eines Unberufenen
Dienstag, 2015-11-10 | 23:37:01 CET
Helmut Schmidt ist tot, gestorben im stolzen Alter von 96 Jahren, nach einem Leben, wie es erfüllter kaum hätte sein können.
Da ist ein ganz Grosser gegangen, und entsprechend gibt es an jedem Eck im Web, morgen dann sicher auch auf Papier, kenntnisreiche und elegant geschriebene Nachrufe zu lesen von grösseren Leuchten als mir. Wieso sollte gerade ich mich also auch noch zu seinem Ableben äussern?
Weil mich Helmut Schmidts Tod sehr traurig gemacht hat. Mit ihm verbinde ich Erinnerungen an meine Kindheit: sein Name war sicher der erste eines Politikers, der mir schon als vielleicht sechs-, siebenjährigem Knirps ein Begriff war. Bundeskanzler, der mächtigste Mann im Staat, und seine Wiederwahl schien für mich als Kind einem Naturgesetz zu gehorchen (und dann kam Kohl).
Mir ging es später, im Rückblick, wie vielen anderen Deutschen: inhaltlich war ich oft ganz und gar nicht mit seinen Entscheidungen (NATO-Doppelbeschluss!) oder Überzeugungen (Atomkraft, zuletzt: Russland!) einverstanden, und mochte ihn mit seiner authentischen, geradlinigen, klugen und humorvollen Art trotzdem. Man konnte anderer Meinung sein und ihn trotzdem schätzen.
Erst viel später, deutlich nach seiner Kanzlerschaft, und gerade in den letzten Jahren, haben viele erkannt, was sie wirklich an ihm hatten. Mir schien er ein Relikt aus besseren (?) Tagen zu sein, als Politiker noch Männer mit Überzeugungen und nicht verlegen um klare Ansagen waren, aus hartem Holz geschnitzt, echte Typen eben, Charakterköpfe, wie man sie heute kaum mehr zu finden scheint. Es tut mir leid: neben ihm wirkte die heutige Generation von Politikern auf mich wie eine Bande von weichgespülten Clowns (Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel) – und das scheint nicht nur mir so gegangen zu sein.
Seine kenntnisreichen, immer lesenswerten Texte in der ZEIT habe ich stets mit grossem Interesse gelesen. Der Mann hatte etwas zu sagen, und seine Meinung zählte etwas.
Er hat viel geleistet für Deutschland und Europa. Jetzt hat er sich die Ruhe verdient.
Und Mozart
von AnneCatherine - Montag, 2015-11-16 | 10:04:02 CET
Klavier hat er offenbar auch gespielt, der Lotse der Nation
http://www.omm.de/cds/klassik/helmut-schmidt-spielt-klavier.html
In der Tat
von Jan - Montag, 2015-11-16 | 19:03:12 CET
… erstaunlich genug! Dass er ein grosser Politiker gewesen ist, aber vielleicht nicht ein ganz so grosser Pianist: geschenkt.


