Die Sache mit der Wahl des richtigen Taschenrechners [GEEK POST]
Dienstag, 2012-11-06 | 23:28:11 CET
Das Leben besteht aus Kompromissen und (oft genug negativen) Überraschungen – und überhaupt, wieso muss das alles so kompliziert sein. Die vermeintlich einfache Aufgabe: die Anschaffung eines Finanztaschenrechners (u.a. für einen lustigen Kurs, den ich gerade besuche [1]). Jaja, Taschenrechner sind ja sooo letztes Jahrhundert, heute haben die Leute mindestens eine Tabellenkalkulation auf dem Laptop oder Dingsbums-Pad, oder gleich auch R oder Mathematica dabei … was will man da mit einem in China gefertigten Teil mit Knöpfen. Aber erstens haben klassische Taschenrechner auch so ihre Vorzüge (keine Abstürze zur Unzeit …) und zweitens sind sie zugelassen zu Prüfungen, wenn man den richtigen hat.
Also los.
TI ging schonmal gar nicht – ich kann die Marke nicht leiden, die Geräte sind einfach nicht schön, der BA II Plus ist ein billiges Leichtplastik-Gelump und der Professional tut nur so vornehm. Also HP. Aber da wurde die Sache auch nicht einfacher. Der erste Kauf war der 20b; wirkte auf den ersten Blick edel, hat ein zweizeiliges Display und viele Funktionen, dazu einen gewissen Exotenbonus. Dumm nur, dass er eine recht gewöhnungsbedürftige Menüstruktur und vor allem extrem schwammige Tasten hat. Gerade letzteres hat mich in den Wahnsinn getrieben, und so bekam meine noch junge Beziehung zum 20b schnell einen empfindlichen Knacks.
In der Folge begann ich mich nach einem neuen Partner umzusehen, wobei der 30b mit noch etwas edlerer Hülle und (angeblich) besseren Tasten leider wegen Nichtzulassung zur FRM-Prüfung aus dem Rennen war. So konnte ich mich als nächstes dem nerdigen Oldschool-Charme des 12C Platinum nicht entziehen und versuchte mit diesem mein Glück (der klassische 12C kam als UPN-only-Gerät wiederum nicht in Frage). Echte Fans des originalen 12C sehen auf den Platinum mit einer gewissen Verachtung herab, und die mechanische Fertigungsqualität desselben ist heutzutage sicher auch nicht mehr die des 12C vor vielen Jahren. Dennoch wirkte er wertig, die Tasten zeichneten sich durch ein sanftes Knacken aus, und eben, der Charme … aber der verblasst schnell, wenn man lange genug die Vorzeichentaste (heisst bei dem Gerät CHS!) gesucht oder sich über die nur via Shift-Taste erreichbaren Klammern geärgert hat. Die permanente Doppelbedienung der CLX-Taste (Löschen), die man sich schnell angewöhnen muss, dürfte zu vorzeitigem Verschleiss führen, und bei der TVM-Rechnung vermisste ich die Möglichkeit, mit P/YR zu arbeiten. Am schlimmsten jedoch: der sogenannte „Algebraic Mode“ ist beim 12C Platinum gar kein solcher, sondern eigentlich nur ein „Chain Mode“ („Punkt vor Strich gibt es nich“), womit 12+2x2 leider 28 gibt. No-go!
Was bleibt übrig? Der 17bII+, der aber wiederum nicht FRM-tauglich ist – und der 10bII+, der auf den ersten Blick sehr „basic“ wirkte. Zum Glück ein Irrtum! Mechanisch ist das Ding zwar nicht sensationell stabil gebaut, aber auch der 10bII+ hat Tasten mit präzisem Druckpunkt, dazu ein reduziertes, aber sehr klares Display, einen nüchternen, professionellen Look und mindestens mal die Funktionen, die ich tatsächlich brauche. Die Vorzeichentaste heisst +/-, P/YR habe ich wieder und der algebraische Modus verdient den Namen (daher braucht man die Klammern, die leider auch hier nur mit Shift erreichbar sind, wenigstens nicht so oft). Wäre er noch etwas übersichtlicher und das Gehäuse etwas hochwertiger, dann wäre er perfekt. Aber das Leben besteht aus Kompromissen und in einer Partnerschaft akzeptiert man die kleinen Macken des anderen. Und pfeift auf das Prestige teurer Modelle.
Es nimmt die längere Suche nun also ein gutes Ende. Nur die Jungs bei dem Versand, wo man die Rechner alle bestellen kann, die halten mich vermutlich inzwischen für einen Irren.
[1]
http://www.cf-studies.ch/quantitative-methods-course-zurich.html
ääähhh???
von AnneCatherine - Mittwoch, 2012-11-07 | 14:26:00 CET
Also ich muss schon sagen – bei dem Erlebnisbericht gratuliere ich mir zur Tatsache, dass ich Texterin bin :)
Aber amüsiert hab ich mich!
Das executive summary ist …
von Jan - Mittwoch, 2012-11-07 | 21:51:58 CET
… der 20b ist für Poser und andere Theoretiker (denen die Tasten egal sein können), der 12C und 12C Platinum ist für Nerds (die ihre Formeln gerne umgekehrt Polnisch eingeben), und mit dem bescheidenen 10bII+ kann man tatsächlich arbeiten. Eigentlich also doch ganz einfach.


