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True Detective, again

Dienstag, 2016-11-01 | 23:00:25 CET

Schon vor rund zwei Jahren hatte ich mich begeistert gezeigt über ein echtes Kleinod unter den TV-Serien [1]. Damals hatte die erste, genial gemachte Staffel von True Detective mich erfolgreich über die vermeintlich schiefgegangene, dann aber wider Erwarten doch bestandene zweite FRM-Prüfung hinweggetröstet. Neben Alkohol, Götterspeise mit Waldmeister-Aroma und demonstrativ weggeräumten Lehrbüchern.

Heute habe ich den Titel in der Tasche, schwelge aber schon wieder in Herbst- und Midlife Crisis-bedingter Schwermut … der ideale Zeitpunkt, mir die viel gescholtene zweite Staffel von True Detective zu Gemüte zu führen.

Vielleicht ist die Enttäuschung der Fans der Serie über die zweite Staffel nachvollziehbar. Eine gänzlich anders geartete Story, neue Hauptdarsteller, die es nicht ganz leicht haben, gegen die Crew der ersten Staffel anzustinken, eine andere Landschaft (das urbane Kalifornien) und eine gänzlich andere Stimmung. Insbesondere versteht die zweite Season falsch, wer eine weitere Serienkiller-Geschichte, mithin: einen normalen (?) Krimi erwartet.

Die zweite Staffel ist vielmehr ein böse funkelndes, wahrhaft dunkles Sittengemälde. Der Tote vom Beginn und die Aufklärung des Mords treten schnell in den Hintergrund – stattdessen lernen wir vier Haupt- und zahlreiche Nebenfiguren kennen, die – jeder auf andere Art – allesamt einen Schaden davongetragen haben und sich durch eine hoffnungslose Existenz in einer ebenso beschädigten Welt quälen. So viel Korruption, Prostitution und Sexsucht, Alkoholismus und Gewalt waren selten. Man könnte verzweifeln angesichts dieses menschlichen Infernos vor dem Hintergrund von Industrieruinen, Betonwüsten, dekadenten Luxusvillen und versifften Kneipen. Die Landschaft ist so kaputt wie die Menschen in ihr.

Aufheiternd ist das alles eigentlich nicht. Aber grandios gemacht! Wie schon bei der ersten Staffel sind die Schauspieler erstklassig, die Bilder grossartig aufgenommen, die Musik und der Vorspann elend cool. Vince Vaughn als Schurke Semyon lässt einem den Atem stocken und gibt der Figur zugleich etwas zutiefst Menschliches. Colin Farrell ist kaum weniger überzeugend als völlig kaputter Detective Velcoro, und auch Rachel McAdams kann begeistern. Den tiefsten Eindruck bei mir hinterlassen hat aber der wunderbar rätselhaft-düstere Taylor Kitsch als Detective Woodrugh. Unvergesslich!

Das alles ist grosses Kino, und wer daran Freude hat, der wird auch mit der zweiten Staffel von True Detective glücklich. Ausserdem kommen einem die eigenen Sorgen und Problemchen gleich wieder viel kleiner vor, wenn man obigen Damen und Herren beim Leiden zusieht.

[1] => /cgi-bin/blog.cgi/action=view/id=01b7de

 

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